Die Lehren aus Bayerns turbulenter Generalprobe

Maximilian Lotz, Martin Volkmar, Stefan Kumberger
Thomas Müller traf bei Bayerns Generalprobe vor dem Rückrundenstart

Acht Tore in der Generalprobe - das klingt nach einem standesgemäßen Erfolg des FC Bayern.

Der Makel: Drei der acht Tore schoss der Gegner. Ein Drittligist.

Der letztlich mühevolle 5:3-Erfolg gegen die SG Sonnenhof Großaspach zeigte: Bis zum Rückrundenstart bei Bayer Leverkusen am Freitag (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) hat der Rekordmeister noch an manchen Stellen Nachholbedarf.

SPORT1 präsentiert die Erkenntnisse des Bayern-Tests:

- Aussetzer in der Defensive

Den drei Gegentreffern des Drittligisten gingen jeweils individuelle Schnitzer voraus.  "Wir hatten ein paar Unkonzentriertheiten. Wichtig ist es am Freitag und da werden wir voll da sein", sagte Niklas Süle auf SPORT1-Nachfrage.

Sein Nebenmann in der Innenverteidigung, Jerome Boateng, wurde noch deutlicher: "Wir waren einfach zu unbekümmert und nicht konzentriert genug. Da muss man ehrlich sagen, das war nichts."

Sinnbildlich dafür stand Arturo Vidal. Zwar hat der Chilene auch in dieser Hinrunde mehrfach seine Klasse unter Beweis gesetzt, doch fehlte es ihm an Konstanz. Im Test gegen den Drittligisten leistete er sich einige Fehlpässe.


Generell sei eine solche Leistung wie am Dienstag nicht der Anspruch des Rekordmeisters, betonte Boateng: "Auch wenn es nur ein Freundschaftsspiel ist, war es trotzdem ein Test. Man hätte die Sachen besser ausspielen und mehr als Mannschaft auftreten müssen. Das haben wir nicht gemacht." 

- Robben drängt sich auf

Arjen Robben führte die Bayern im ersten Durchgang als Kapitän aufs Feld. Auch während der folgenden 45 Minuten zeigte der Flügelspieler, wie sehr er auf sein Comeback in Liga brennt. Das Führungstor von Kingsley Coman leitete der Niederländer mit einem energischen Dribbling ein.

In Sachen Vertragsverlängerung drückte der 33-Jährige am Dienstag ebenfalls aufs Tempo. "Wenn der Verein glaubt, dass er mich nächstes Jahr noch gebrauchen kann, dann höre ich das gerne. Ich hoffe, es auch ein bisschen frühzeitig zu hören", sagte Robben in der tz.


Sportdirektor Hasan Salihamidzic reagierte gereizt auf das Thema. "Wir haben Zeit. Wir werden sicher im Frühjahr Gespräche führen, aber eins nach dem anderen", sagte Salihamidzic. 

- Ribery in Spiel- und Torlaune

Was für Robben gilt, trifft auch auf seinen kongenialen Partner auf dem linken Flügel zu. Franck Riberys Vertrag läuft ebenfalls im Sommer aus, sein Hattrick gegen Großaspach war ein weiteres Bewerbungsschreiben für eine Weiterbeschäftigung.

"Ich habe noch fünf Monate. Es gibt immer viele Optionen. Aber ich habe in Katar schon gesagt, ich bin zufrieden, ich bin glücklich", sagte Ribery. "Nach meiner Verletzung habe ich gut gespielt und das ist wichtig für mich, aber auch für die Mannschaft."

- Wagner gleich gefordert

Erst am Dienstag absolvierte Robert Lewandowski wieder Teile des Mannschaftstrainings, sein Einsatz am Freitag ist fraglich.

Winter-Neuzugang Sandro Wagner steht daher gleich vor seiner ersten Bewährungsprobe. "Ich bin gespannt, ob ich spiele", sagte Wagner.


Für den Fall der Fälle sei er "natürlich bereit", auch wenn die Anpassung noch Zeit brauche. "Vom System her war es heute mit den anderen Spielern etwas schwierig." Der Ex-Hoffenheimer war sehr präsent und suchte häufig den Abschluss, blieb aber glücklos in seinen Aktionen.

- Mögliche Startelf

Trainer Jupp Heynckes wechselte gegen den Drittliga-Siebten zur Halbzeit komplett durch, wobei die Startelf des ersten Durchgangs einer möglichen Anfangsformation am nächsten kam.

Allerdings drängten sich neben Ribery auch Thomas Müller und Organisator Javi Martinez für einen Einsatz in Leverkusen von Beginn an auf.


Sollten Mats Hummels und Joshua Kimmich auch am Freitag noch nicht wieder zur Verfügung stehen, wären Süle und Rafinha die naheliegenden Ersatzmänner.

- Und wer ist Meritan Shabani?

In der zweiten Halbzeit gab Heynckes einigen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs die Chance, sich zu präsentieren.

Vor allem Meritan Shabani machte dabei auf sich aufmerksam. Der 18-Jährige spielt normalerweise in der U19 der Bayern. Nachdem er den Saisonstart verletzungsbedingt verpasste, traf er in seinen letzten drei Spielen in der A-Junioren Bundesliga viermal.

Mit einem Kopfball an die Latte verpasste der offensive Mittelfeldspieler im Test gegen Großaspach nur knapp sein erstes Tor für die Profis. Wenig später lieferte Shabani eine mustergültige Torvorlage für Thomas Müller. Bis zu seiner erstmaligen Nominierung für den Bundesligakader muss sich der aus dem Kosovo stammenden Youngster aber voraussichtlich noch etwas in Geduld üben.