So leidet Grosjean nach dem Feuer-Crash noch immer

SPORT1
·Lesedauer: 3 Min.

Es waren dramatische Bilder, als Romain Grosjean Ende November beim Grand Prix von Bahrain in die Leitplanke krachte und sein Bolide in Flammen aufging.

Der damalige Formel-1-Fahrer für das Team Haas kam bei dem Feuer-Crash erstaunlicherweise nahezu unversehrt mit dem Leben davon, erlitt Verbrennungen an den Händen.

Doch die fürchterlichen Erinnerungen daran setzen Grosjean nach wie vor mächtig zu, wie er nun im Schweizer Radio und Fernsehen in der Talk-Sendung Gredig direkt offenbarte - insbesondere auch, was seine Kinder betrifft.

"Im Nachhinein ist das das Schwierigste für mich Für sie war es besonders schlimm. Bei diesem Rennen saßen sie vor dem Fernseher mit meiner Frau und meinem Vater", sagte der 34-Jährige. "Wie meine Frau vor dem Fernseher saß und dachte: 'Wie sage ich es den Kindern bloß, wenn ihr Papa jetzt stirbt?'"

DAZN gratis testen und Sport-Highlights live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Er selbst habe zunächst bereits mit mit dem Leben abgeschlossen gehabt: "Ich dachte, ich würde sterben. Und ich war bereit, mein Körper war bereit. Ich war in Frieden mit mir, und ich habe mich entspannt. Ich fragte mich sogar, wo ich zuerst brennen würde."

Doch dann, so Grosjean weiter, "dachte ich an meine drei Kinder und sagte: "Nein, sie sollen nicht ohne Vater leben.'"

Grosjean über Feuer-Unfall: "Hirn drückte Resetknopf"

Dem Tod entronnen zu sein, verdankt der französisch-schweizerische Rennfahrer eigenen Eindrücken zufolge vor allem dem Umstand, trotz der Extremsituation in seinem brennenden Fahrzeug schließlich doch nicht in Panik verfallen zu sein.

"Ich dachte: 'Okay ich brenne, ich habe Feuer um mich.' Es war aber kurioserweise nicht heiß, das hat mein Gehirn verdrängt", erklärte Grosjean. "Ich war überzeugt, dass es im Cockpit nicht brannte. Die TV-Bilder zeigen ja aber deutlich, dass es von Anfang an lichterloh brannte."

"Mein Hirn spielte verrückt, versuchte Lösungen zu finden. In dem Moment, wo ich entspannt habe, hat mein Gehirn einen Resetknopf gedrückt", fügte er an.

So habe er es auch geschafft, seinen unter den Pedalen eingeklemmten Fuß zu befreien und aus dem Wagen zu klettern. "Ich wusste, dass meine Hände brannten. Aber das war unwichtig." Er habe sich allein darauf konzentriert rauszukommen, habe nicht wie Niki Lauda enden wollen (Feuer-Unfall beim Grand Prix von Deutschland 1976 auf der Nürburgring, Anm. d. Red.).

Grosjean: So trainiert er seine Händer

Andere Sinne und Wahrnehmungen seien dabei deaktiviert gewesen.

"Das Geräusch des Feuers kam erst nach zwei Wochen in mein Bewusstsein, dabei ist es doch so laut. Der Geruch des brennenden Karbons kam erst jetzt zurück. Das alles war in dem Moment nicht wichtig, mein Gehirn hat es ausgeblendet", so Grosjean, der inzwischen keine Medikamente mehr nehmen müsse.

Dafür ist manuelle Therapie nach wie vor nötig angesichts der erlittenen Verbrennungen: "Ich bewege meine Finger 3000 Mal am Tag, um das Gefühl zurückzuerlangen."

Ein Training, das Grosjean auch wieder die ungehinderte Ausübung seines Rennsports ermöglichen soll, wenn auch trotz 179 Grand-Prix-Teilnahmen nicht mehr in der Formel 1, wo er (wie auch Kevin Magnusse) bei Haas am Saisonende den Laufpass bekam, dort nun Mick Schumacher und Nikita Mazepin die neuen Trümpfe sind.

Motorsport-Comeback in der Indycar-Serie

Ende Februar soll bei ersten Trainingsfahrten in den USA das Comeback in der Indycar-Serie angeschoben werden - auch wenn "meine Familie wollte, dass ich aufhöre", so der noch immer leidenschaftliche Motorsportler.