So ist die Lage auf Deutschlands schwierigster Baustelle

Ein Tüv-Bericht offenbart erhebliche Mängel auf der BER-Baustelle in Berlin. Doch die Genehmigungsbehörde wiegelt ab: Der Bericht zeige, dass noch viel zu tun sei – aber der Flughafen befinde sich „auf einem guten Weg“.


Drohen am Berliner Flughafen (BER) weitere Verzögerungen? Ein „geheimer Tüv-Bericht“ offenbare bisher unbekannte Mängel, schreibt der Berliner „Tagesspiegel“. Drei Wochen vor der geplanten Bekanntgabe eines neuen Eröffnungstermins, den Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am 15. Dezember dem Aufsichtsrat vorschlagen wolle, sei die Lage auf der Baustelle dramatischer als bisher bekannt. Das gehe aus einem aktuellen Lagebericht des Tüv Rheinland hervor, der gravierende Defizite bei den technischen Systemen sehe, vor allem erneut beim Brandschutz.

Laut „Tagesspiegel“ gebe es erhebliche sicherheitstechnische Mängel im nördlichen Teil des Fluggastterminals. Betroffen seien unter anderem die Entrauchungssteuerung, die Sprinkleranlagen und die Brandmeldeanlage. Eine „Wirksamkeit und Betriebssicherheit“ sei „nicht gegeben“, zitierte die Zeitung aus den Dokumenten. Teilweise gebe es „systemische Mängel“, das heißt, dass sich ähnliche Probleme möglicherweise auch in anderen Teilen des Terminals finden.

Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) wiegelt ab: Die Tüv-Berichte seien weder streng geheim noch unbekannt. Es handele sich vielmehr um eine Arbeitsunterlage der Projektbeteiligten. „Bei der heutigen Berichterstattung des Tagesspiegels handelt es sich um bekannte Sachverhalte“, heißt es in einer Pressemitteilung der FBB. Um endlich Verlässlichkeit ins Projekt zu bekommen, fokussiere sich die Flughafengesellschaft klar auf die Erfüllung des Baurechts, sprich auf die Abnahmefähigkeit der prüfpflichtigen Anlagen.


Darum habe die FBB in den vergangenen Monaten Anlagen durch die Übergeordneten Sachverständigen des Tüv bewusst prüfen und bewerten lassen, um Aufschlüsse für weitere Anlagen gleicher Bauart zu ziehen, systemische Fehler zu beheben und dann die Anlagen final fertigzustellen. Die Ergebnisse der Tüv-Berichte würden regelmäßig in den Aufsichtsgremien zur Sprache gebracht. Auch würden die monatlichen Statusberichte des Tüv regelmäßig der Bauaufsichtsbehörde zur Verfügung gestellt.

Er würde den Bericht „nicht überbewerten“, sagte der Genehmigungsdezernent des für den Flughafen zuständigen Landkreises Dahme-Spreewald, Chris Halecker, dem Handelsblatt. Die Berichte um die Mängel auf der Baustelle seien nicht schön, aber er verstehe die Aufregung dennoch nicht. Der Bericht zeige, so der Linken-Politiker, dass „viel zu tun ist, aber die FBB ist auf gutem Weg“. Er sei nicht besorgt, bekräftigte Halecker.

Neuer BER-Chef ist seit März Engelbert Lütke Daldrup, ein ehemaliger Stadtplaner, der den unvollendeten Flughafen gut kennt. Der Sozialdemokrat war zuvor Flughafenkoordinator im Berliner Senat und saß auch im Kontrollgremium des Airports. „Wir haben mehrere konstruktive Gespräche gehabt“, sagte Halecker.


Bis Ende August 2018 soll nach bisherigen Planungen die bauliche Fertigstellung erfolgen. Das sei „ambitioniert und wurde bewusst ohne Puffer geplant“, erklärte Lütke Daldrup am Donnerstag. Und: „Es bleibt dabei: Am 15. Dezember werde ich dem Aufsichtsrat einen unternehmerisch verantwortlichen Termin zur Inbetriebnahme vorschlagen.“

Die Fertigstellung des neuen Hauptstadtflughafens verzögert sich seit Jahren. Ursprünglich sollte der Airport im Juni 2012 an den Start gehen.