"Nicht nur Boateng ist Herthas Problem"

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"Nicht nur Boateng ist Herthas Problem"
"Nicht nur Boateng ist Herthas Problem"

Liebe Fußballfreunde,

es läuft einfach nicht bei Hertha BSC, das hat auch die Niederlage gegen den SC Freiburg gezeigt. Doch wie umgehen mit der Krise und der schwierigen Situation auch für den wackelnden Trainer Pal Dardai? (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Ich vertraue auf Fredi Bobic (Sport-Geschäftsführer, Anm. d. Red.) und seine Aussage, dass er ganz nah an der Mannschaft drin ist.

Ich verstehe aber natürlich, dass Fredi ein bisschen angepisst ist, wenn er so kurz nach dem Spiel ein Statement abgeben soll zu der gegenwärtigen Beurteilung der Lage. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Problem der Berliner ist: Sie investieren viel, aber so richtig kreativ sind sie eben nicht. Sie müssen sich steigern, es wird eine schwierige Saison.

Schwierige Lage bei Hertha BSC

Dennoch: Dardai ist ja kein kleiner Trainer, er hat Hertha in der Vergangenheit ja auch schon in den Europapokal geführt, er kann das also sehr wohl. Und Bobic hat gesagt, dass er ihm volle Rückendeckung gibt. (HINTERGRUND: Terzic zur Hertha? Kehl nimmt Stellung)

Wenn einer diese schwierige Situation meistern kann, dann ist das ohnehin der erfahrene Bobic - auch in Kombination mit Dardai. Geben wir ihnen jetzt die Zeit in der Länderspielpause, da kann man an den Fehlern arbeiten.

Diese Zeit hat der Trainer jetzt einfach auch verdient, die musst du ihm geben. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Schwierig gestaltet sich die Situation auch für den als Leitwolf verpflichteten Kevin-Prince Boateng: Wenn du Führungsspieler sein willst, musst du zu 100 Prozent fit sein.

Boateng im Dilemma

Wenn du es dann aber rein körperlich nicht schaffst, wird es schwer - auch das selbst zu akzeptieren. In diesem Dilemma steckt Boateng. Ob er überhaupt noch mal an 100 Prozent herankommt, wage ich ohnehin zu bezweifeln.

Boateng kann die ihm zugedachte Rolle sicherlich aufgrund seiner Erfahrung. Aber ein Anführer muss das auf dem Platz zeigen. Sonst wird das auch schwierig mit den Mitspielern, die sich dann Fragen stellen.

Aber nicht nur Boateng ist Herthas Problem: Bei dem, was sie sich in der Vergangenheit aufgebaut haben in Berlin, da muss man einiges korrigieren.

Und das geht nicht von heute auf morgen, das wird ein langer Prozess sein. Vielleicht sehen wir Hertha in zwei, drei Jahren mal als Big-City-Klub. Aber in dieser Saison nicht mehr.

Borussia Mönchengladbach im Aufwind

Im Aufwind dagegen befindet sich Borussia Mönchengladbach, das beim VfL Wolfsburg nach 18 Jahren erstmals wieder gewann.

Der Anspruch in Gladbach ist hoch, wenn du da nicht schnell in die Spur kommst, dann wird es eben laut. Aber sie haben den Anschluss nach oben nun hergestellt, ich bin überzeugt davon, dass Gladbach stabil bleibt, weil sie die Qualität haben.

Wichtig war dafür auch die Rückkehr von Denis Zakaria, durch seine Persönlichkeit und weil er kreativ ist - diese Personalie beeindruckt mich schon.

Die Perspektive muss auch fast zum Titel führen können, auch wenn die deutsche Meisterschaft für Gladbach unrealistisch ist. Aber so etwas wie der Pokalsieg ist ja schon mal möglich.

Gefahr allein ist mit Blick auf auslaufende Verträge, dass Spieler eben nicht verlängern, wenn man die internationalen Plätze verpasst.

Rüssmann „entführte“ Effenberg aus Florenz zurück nach Gladbach

Doch manchmal geht es auch gar nicht um Geld dabei, wie ich aus eigener Erfahrung: Als ich damals in den 90ern vom AC Florenz nach Gladbach zurückgekommen bin, da war Rolf Rüssmann Manager bei den Fohlen.

Er kam nach Florenz, hat mich da quasi eingepackt ins Flugzeug und entführt, ohne dass ich schon irgendetwas unterschrieben hatte. Am nächsten Tag war ich schon bei der sportärztlichen Untersuchung - ich habe ihm da einfach vertraut.

Ich habe das damals sehr wohl als Dankbarkeit gesehen, weil mir Gladbach zuvor die Möglichkeit gegeben hatten, in den 80ern Bundesliga-Spieler zu werden. Ich wollte dem Verein so etwas zurückgeben.

SC Freiburg einer der unangenehmsten Gegner

Abschließend noch ein paar Gedanken zur Erfolgsgeschichte beim SC Freiburg um Trainer Christian Streich: Die dürfen auch drei- oder viermal nicht gewinnen, und es ist ruhig. Da ist einfach kein Theater.

Das liegt vielleicht auch an den eigenen Ansprüchen. Dazu kommt für die Konkurrenz: Freiburg ist momentan einer der unangenehmsten Gegner, die du in der Bundesliga haben kannst“

Bis bald,

Euer Stefan Effenberg

Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 bildet der 53-Jährige mit Marcel Reif und Mario Basler das feste Experten-Team des CHECK24 Doppelpass.

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