So kam es zum legendären Foto einer NBA-Ikone im Brautkleid

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So kam es zum legendären Foto einer NBA-Ikone im Brautkleid
So kam es zum legendären Foto einer NBA-Ikone im Brautkleid

Er war fünfmal NBA-Meister, kongenialer Teamkollege von Michael Jordan und Scottie Pippen bei den Chicago Bulls - aber man musste in den Neunzigern kein Sport-Fan sein, um ihn zu kennen.

Rebound-Spezialist Dennis Rodman ist wohl bunteste Figur der Basketball-Geschichte, ein Popkultur-Phänomen, berühmt für seine Affäre mit Madonna, seine Kurz-Ehe mit Baywatch-Star Carmen Electra, aber auch als Ikone der queeren Community, die die Männerdomäne NBA mit exzentrischen Auftritten aufwirbelte. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NBA)

In einem großen Gespräch mit dem Magazin GQ hat der heute 60-Jährige auf sein ereignisreiches Leben zurückgeblickt und die Hintergründe einiger besonderen berühmten Episoden ausgeleuchtet - unter anderem seinen legendären Auftritt in einem Hochzeitskleid 1996.

Dennis Rodman: Aerosmith-Sänger ermutigte ihn zu Kleid-Auftritt

Rodman bewarb damals in New York sein Buch „Bad as I Wanna Be“, die Idee, dabei mit einem Brautkleid die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, entstand aus einer Laune heraus - in der ihn ein berühmter Rockstar bestärkte, mit dem er damals zusammen Sport getrieben hatte.

„Ich ging ins Fitnessstudio und trainierte auf dem StairMaster“, erinnert sich Rodman. „Und zu meiner Linken war Steven Tyler, der gerade trainierte.“

Tyler war Sänger der Band Aerosmith und selbst für seine Extravaganz bekannt, die beiden kamen ins Gespräch, Rodman erzählte von der Brautkleid-Idee: „Steven sprang einfach vom StairMaster und sagte: ‚Oh, mein Gott, das ist so verdammt geil!‘ Ihr wisst ja, wie Steven Tyler sich anzieht, oder? Er trug in den 70er-Jahren exzentrische Klamotten. Und er sagte: ‚Tu es, tu es, tu es!‘“

Rodman tat es - und schuf einen Moment, der über Jahrzehnte in Erinnerung blieb. „Man könnte meinen, die Yankees hätten die World Series gewonnen“, blickt er auf die Reaktionen vor Ort zurück: „Und ich war nur auf dem Weg zu einer Buchsignierung. Wir sind hier in New York City, nicht einmal in Chicago.“

Persönlicher Wendepunkt im Jahr 1993

Der Auftritt im Kleid wurde zur Versinnbildlichung der Pop-Ikone Rodman, die sich nicht um Geschlechter-Konventionen scherte - was auch mit seiner persönlichen Geschichte zu tun hatte.

Rodman wuchs in Dallas als Sohn einer alleinerziehenden Mutter unter Frauen auf: „Ich hatte keine Brüder. Keinen Vater. Ich war die ganze Zeit mit meinen Schwestern zusammen, und sie haben immer versucht, mich zu verkleiden. Ich war also so etwas wie das Versuchskaninchen in der Familie.“

Als persönlichen Schlüsselmoment seines Lebens beschreibt Rodman einen folgenschweren Karriere-Knick im Jahr 1993, nachdem sein Trainer und Mentor Chuck Daly nicht mehr Coach bei den Detroit Pistons war.

Die darauffolgende sportliche Krise hätte bei Rodman Suizid-Gedanken ausgelöst, die er nicht in die Tat umsetzte, sich dafür aber rund zwei Monate in seinem Haus verbarrikadiert und sein Leben überdacht hätte: „Ich wurde von dem sanftmütigen, bescheidenen, emotionalen Typen zu dieser ganz anderen Seite von Dennis Rodman. Als ich aus meinem Haus herauskam, kam der neue Dennis zum Vorschein.“

„In San Antonio begann ich, in Schwulenclubs zu gehen“

Nach seinem Wechsel zu den San Antonio Spurs begann Rodman, sich die Haare zu färben, sich mehr und mehr Tattoos und Piercings zu stechen - und mehr als das: „In San Antonio begann ich, in Schwulenclubs zu gehen. Ich begann, in Drag-Clubs zu gehen. Ich begann, Drag Queens zu den Spielen mitzubringen.“

Rodman - der einst prahlte, mit 2000 Frauen geschlafen zu haben - betont, dass er selbst nie homosexuelle Erfahrungen gemacht hätte, dennoch besuche er bis heute wöchentlich mehrfach Schwulenclubs: „Wenn man mit Leuten aus der schwulen Community spricht, mit jemandem, der Drag macht oder so etwas, dann sind die so verdammt glücklich. Sie halten ihren Kopf jeden Tag so hoch, Mann. Sie schämen sich nicht für irgendetwas. Sie versuchen nicht, etwas zu beweisen, sie leben einfach ihr Leben.“

Rodmans eigenes Leben ist nicht frei von dunklen Seiten geblieben, in dem GQ-Gespräch erinnert er sich auch an einen Verusch, des früheren Bulls-Coachs Phil Jackson, ihn zur Besinnung zu bringen.

In einer Zeit, in der seine Leben „etwas außer Kontrolle“ geraten wäre, hätte .Jackson ihn „zur Seite genommen, und das war das erste Mal, dass Phil Jackson emotional mit mir gesprochen hat. Er sagte: ‚Dennis, ich will nicht, dass du stirbst.‘“

Rodman beschäftigt sich mit dem Tod

Rodman, in den vergangenen Jahren auch wegen seiner naiven Nordkorea-Reisen und den Auftritten mit Diktator Kim-Jong Un in die Kritik geraten, sagt nun, dass seine Fans sich keine Sorgen mehr um ihn machen müssten.

Dennoch sei er in einem Alter, in dem er sich auch mit dem Tod beschäftige: „Nachdem ich 60 Jahre alt geworden bin, denke ich: ‚Scheiße. Was ist von mir übrig? Wie kann ich meinen Geist mit dem Leben in Einklang bringen?‘ Shit. Wie kann ich mich auf den Tod vorbereiten?“

Rodman glaubt dennoch, dass er noch einiges vor sich hat: „Ich denke, ich habe den Menschen noch viel mehr zu geben. Ich denke, ich habe der Jugend noch ein bisschen mehr Freude zu geben.“ Er werde sich “nicht selbst zerstören wie damals, vor 10 oder 15 Jahren. Ganz sicher nicht. Ich habe mein Leben im Moment unter Kontrolle. Alles geht in die richtige Richtung.“

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