So kam es zu Harits Auferstehung

Patrick Berger
·Lesedauer: 3 Min.

Der Schalke-Fan, der unter der Woche sein Harit-Trikot mit der Nr. 25 auf einem Online-Kleinanzeigen-Portal ("Ein originales Nichtskönnertrikot mit dem man sich garantiert zur Lachnummer macht") verscherbeln wollte, ist nach diesem Wochenende sicherlich verstummt.

Besagter Amine Harit war es nämlich, der beim 4:0-Sieg gegen Hoffenheim an allen Toren beteiligt war und seine Wiederauferstehung feierte.

Über die Sozialen Medien meldete sich der 23-jährige Mittelfeldspieler am Samstagabend zu Wort und schrieb: "Die beste Art, dieses 100. Spiel mit Schalke zu feiern. Ich hoffe, dass dieses Ergebnis der Beginn einer langen Serie ist."

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Der Franko-Marokkaner war das Sinnbild der Schalker Horror-Krise von 30 sieglosen Spielen und brachte über Monate hinweg überhaupt keine Leistungen mehr. Seit der vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2023, 13 Monaten ist das nun her, ging beim marokkanischen Nationalspieler nichts mehr: Kein einziges Tor und nur zwei Assists in 20 Ligaspielen.

Gross: "Er hat sich das verdient"

Nach SPORT1-Informationen verlor Harit, der wegen Verletzungen, einer Corona-Infektion und einer 14-tägigen Suspendierung immer wieder fehlte, aufgrund seiner negativen Einstellung zwischendurch auch den Rückhalt einiger Mitspieler.

Entscheidenden Anteil an seinem Aufschwung haben zwei Personen: Trainer Christian Gross und Linksverteidiger Sead Kolasinac.

Gross, der perfekt Französisch spricht, baute Harit in den letzten Tagen auf. Auf SPORT1-Nachfrage sagte der 66-jährige Coach: "Ich rede fast täglich mit ich. Er hat dieses spielerische Element in sich, das den Spielern aus der Magrheb-Zone eigen ist: sie wollen grundsätzlich eine spielerische Lösung finden."

Gegen Hoffenheim habe der Dribbelkünstler allerdings "enorm hart gearbeitet" und sei "viel gelaufen", so Gross. "Er hat sich das auch verdient, diese Assists."

Auch Arsenal-Leihgabe Kolasinac nahm sich Harit an. Das Mentalitäts-Monster packte seinen neuen Teamkollegen bei der Ehre, erinnerte ihn immer wieder an seine großartigen Fähigkeiten. Auffällig: Kolasinac, den der muslimische Glaube mit Harit verbindet, jubelte nach den Toren von Matthew Hoppe zuerst mit dem Marokkaner.

Denkzettel fruchtet bei Harit

Harit bereitete alle drei Hoppe-Treffer vor und setzte seiner starken Leistungen mit dem 4:0 sogar noch die Krone auf. Vier Torbeteiligungen in einem Spiel – das gelang auf Schalke seit der Datenerfassung in der Saison 2004/2005 bisher nur zwei Spieler: Klaas-Jan Huntelaar und Kevin Kuranyi.

"Er hat wirklich ein überragendes Spiel gemacht", lobte Gross.

Vier Trainer - Domenico Tedesco, David Wagner, Manuel Baum und Huub Stevens - bissen sich am eigenwilligen Kicker die Zähne aus. Baum suspendierte Harit im November sogar wegen respektlosem Verhalten und fehlender Einstellung für 14 Tage.

Der Denkzettel fruchtete augenscheinlich. In den zwei Wochen hielt sich Harit privat fit und dachte über seinen – größtenteils auch selbst verschuldeten – Karriereknick nach.

"Ich arbeite seit Monaten sehr hart dafür, um wieder auf mein bestes Niveau zu kommen und ich bin entschlossener denn je, meinen Klub wieder in die Tabellenregionen zu führen, wo er hingehört", sagte er während der Spiel-Pause.

Bleibt nur die große Frage, ob der talentierte Kicker, der 2017 für acht Millionen Euro aus Nantes gekommen war, endlich mal Konstanz in sein Spiel bekommt. Einen ersten Schritt dafür haben er - und im Übrigen auch die restlichen Schalker - mit dem Hoffenheim-Sieg gemacht.