So kam es zum großen Bruch bei RB

Matthias Schreiber, Ivo Hrstic, Reinhard Franke
Das Ende bei RB: Ralph Hasenhüttl (li.) und Ralf Rangnick gehen ab sofort getrennte Wege

Nun also doch: Die einstige Traumehe zwischen RB Leipzig und Ralph Hasenhüttl ist kaputt. Schluss, Aus, sofortige Trennung.

Am Dienstag verwehrte RB seinem Erfolgstrainer - Hasenhüttl führte den letztjährigen Aufsteiger zweimal hintereinander in den Europapokal - die Verlängerung seines Vertrages über 2019 hinaus.

Am Mittwoch bat der Österreicher dann um die sofortige Auflösung des Kontrakts. Der Verein kam der Bitte nach. Wie konnte es aber so schnell so weit kommen? SPORT1 klärt auf.

Misstrauensvotum gegen Hasenhüttl

Sportdirektor Ralf Rangnick beteuerte bis zuletzt, mit Hasenhüttl auch ohne erneuertes Treuebekenntnis in die dritte gemeinsame Saison gehen zu wollen, schränkte aber ein: "Ich bin mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass ein weiteres gemeinsames Jahr zunächst einmal ausgereicht hätte."

Eine Aussage, die sich wie ein Nackenschlag für den Ex-Ingolstädter anfühlen musste.

Schließlich hatte der 50-Jährige RB mit Vollgasfußball in der Bundesliga etabliert und die offiziell gesteckten Saisonziele stets erreicht.


Hasenhüttl genügte den Ansprüchen nicht

SPORT1 weiß: Vereinsintern traute man auf Grundlage der Saisonanalyse Hasenhüttl den nächsten Schritt nicht mehr zu, den Verein auf die nächste Stufe zu hieven.

Heißt: Für die internen Ansprüche, also die erneute Teilnahme an der Königsklasse und das mittelfristige Konkurrieren um die Deutsche Meisterschaft, sah man den Österreicher nicht mehr als richtigen Mann am Ruder.

Kritikpunkte am 50-Jährigen wurden vor allem in der Trainingssteuerung und im Umgang mit der Mannschaft ausgemacht.

Bitterer April spielte eine Rolle

Auch das sportliche Tief im April ohne Bundesliga-Sieg und mit insgesamt 18 Gegentreffern, das den Roten Bullen schließlich das Europa-League-Aus bescherte und in der Bundesliga einen Champions-League-Platz kostete, spielte in der Analyse eine gewichtige Rolle.

Ein Misstrauensvotum, nach dem es für Hasenhüttl keine Grundlage mehr für eine weitere Zusammenarbeit gab: "Es ist völlig legitim, dass sich der Klub entschieden hat, keine Verlängerung anzustreben", sagte der Coach.

Und fügte hinzu: "Nach gemeinsamen Erfolgen sollte man deshalb ehrliche Worte an den Tag legen können und auch ein klares Nein statt ein beschwichtigendes Ja wählen dürfen."

Erste Risse bereits im Winter

Erste Risse waren bereits im Winter sichtbar. Damals wollte der Verein unbedingt den Vertrag mit seinem Trainer verlängern.

Weil aber unter anderem auch der FC Bayern einen Trainer suchte und auch Kontakt mit dem Österreicher bestand, zögerte Hasenhüttl und man verständigte sich darauf, die Verhandlungen auf das Saisonende zu verschieben - mit nun bekanntem Ausgang.

Alle Trainerposten dicht

In der Bundesliga sind quasi alle Trainerposten besetzt. Auch bei Borussia Dortmund, die ebenfalls Interesse an Hasenhüttl bekundet haben sollen, steht der neue Trainer bereits fest. Das bestätigte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke am Mittwoch am SPORT1-Mikrofon.


Eintracht Frankfurt gab am Mittwoch die Verpflichtung des Schweizers Adi Hütter bekannt.

Eine Spur könnte für Hasenhüttl nach England zum FC Arsenal führen, wo nach wie vor ein Nachfolger für Arsene Wenger gesucht wird - dort gilt inzwischen allerdings der ehemalige Gunners-Profi Mikel Arteta als Favorit.

In Leipzig könnte nun Rangnick selbst erneut auf die Trainerbank zurückkehren. Schon vor zwei Jahren hatte der Schwabe die Sachsen in die Bundesliga geführt, ehe Hasenhüttl als Chefcoach übernahm.

Übernimmt Hasenhüttls Co?

Als Kandidaten werden außerdem Roger Schmidt, der aktuell in China arbeitet, und Marco Rose von Schwesterklub Red Bull Salzburg gehandelt.

Allerdings besitzt Schmidt einen sehr gut dotierten Vertrag bei Beijing Sinobo Guoan, den der 51-Jährige sicher ungern aufgeben würde. Und auch Rose soll sich nach SPORT1-Informationen nicht mit einem Wechsel nach Leipzig befassen.

Naheliegend wäre in Anbetracht der Möglichkeiten eine Lösung mit Hasenhüttls bisherigem Co-Trainer Zsolt Löw, der allerdings auch ein Angebot vorliegen haben soll, bei Paris Saint-Germain als Assistent von Thomas Tuchel einzusteigen.