So hilft der Fiskus beim Möbelkauf

Viele Berufstätige müssen sich eine Wohnung am Beschäftigungsort mieten. Eine solche doppelte Haushaltsführung ist steuerlich absetzbar. Ab sofort gilt das nach Ansicht des Finanzgerichts Düsseldorf auch für neue Möbel.


Vor einigen Jahren sind die steuerlichen Spielregeln für die doppelte Haushaltsführung runderneuert worden. Seit 2014 können als Unterkunftskosten für eine doppelte Haushaltsführung im Inland die tatsächlichen Aufwendungen für die Nutzung der Unterkunft angesetzt werden. Diese Kosten sind jedoch auf höchstens 1.000 Euro pro Monat begrenzt.

Vor dieser Reform hatte der Bundesfinanzhof noch erklärt, dass es auch weitere Mehraufwendungen für die doppelte Haushaltsführung gibt, die neben den Kosten für die Unterkunft am Beschäftigungsort abzugsfähig sind. Zu diesen Werbungkosten zählte das oberste deutsche Steuergericht beispielsweise Anschaffungskosten für die erforderliche Wohnungseinrichtung.



Die Finanzverwaltung ging jedoch davon aus, dass diese Rechtsprechung mit der Einführung des Höchstbetrages in Höhe von 1.000 Euro überholt war. So hieß es in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums, dass der Maximalbetrag sämtliche entstehenden Aufwendungen umfasse wie

  • Miete,
  • Betriebskosten,
  • Kosten der laufenden Reinigung und Pflege der Zweitwohnung
  • Abschreibung für notwendige Einrichtungsgegenstände
  • Zweitwohnungsteuer,
  • Rundfunkbeitrag oder auch
  • Miet- oder Pachtgebühren für Kfz-Stellplätze.



Das Finanzgericht Düsseldorf ist jedoch in einem aktuellen Verfahren zu dem Schluss gekommen, dass es immer noch Anschaffungskosten gibt, die als sonstige Kosten geltend gemacht werden können (Az.: 13 K 1216/16 E). Zu diesen sonstigen Kosten rechnet das Gericht unter anderem Anschaffungskosten für die erforderliche Wohnungseinrichtung wie Möbel, Lampen oder Gardinen, soweit sie nicht überhöht sind. An dieser steuerlichen Abzugsfähigkeit habe sich durch die Einführung des Höchstbetrags nichts geändert.


Revisionsverfahren läuft


Das Gericht begründet dies vor allem damit, dass sich aus dem Wortlaut des Gesetzes keine Aussage entnehmen lasse, die den Abzug von Aufwendungen für Einrichtungsgegenstände und notwendigen Hausrat als Mehraufwendungen begrenze. Die Auslegung des Gesetzes ergäbe, dass Aufwendungen für Einrichtungsgegenstände und notwendigen Hausrat eben nicht zu den Unterkunftskosten zählen: Eine Unterkunft sei demnach eine Wohnung oder ein Raum, in der jemand vorübergehend wohne.

Um eine gemietete Unterkunft „nutzen“ zu können, müssten Miete und Betriebskosten gezahlt werden. Aufwendungen für die Einrichtung oder für den Hausrat dienten dagegen dazu, diese Gegenstände in der Wohnung zu nutzen. Demnach seien sie allenfalls mittelbar erforderlich, um eine Unterkunft angemessen nutzen zu können, so das Finanzgericht. Gegen die Entscheidung läuft allerdings ein Revisionsverfahren vor dem Bundesfinanzhof (Az.: VI R 18/17). Vergleichbare Fälle sollten offengehalten werden, bis der Bundesfinanzhof entschieden hat.



Praxistipp:

Das Verfahren beim Bundesfinanzhof ist nicht das einzige Revisionsverfahren, das derzeit in puncto doppelte Haushaltsführung läuft. Sollte das Finanzamt Zweifel an der steuerlichen Abzugsfähigkeit Ihrer doppelten Haushaltsführung haben, informieren Sie sich über die weiteren Revisionsverfahren – am besten auf den Seiten des Bundesfinanzhofs. Oder fragen Sie direkt Ihren Steuerberater, um gegebenenfalls Einspruch einlegen zu können.

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KONTEXT

Steuertipps zum Umzug

Meldung beim neuen Finanzamt

Wenn Gewerbetreibende oder Freiberufler umziehen, müssen sie die Verlegung ihres Sitzes innerhalb eines Monats dem neuen Finanzamt melden. Privatpersonen geben einfach ihre nächste Steuererklärung beim neuen Finanzamt ab.

Meldung beim alten Finanzamt

Das alte Finanzamt muss man nicht informieren. Die Finanzämter unterrichten sich gegenseitig. Allerdings ist es sinnvoll, dem alten Finanzamt dennoch Bescheid zu geben, so können die Beamten die Akten schon an das neue Amt weiterleiten. Das kann die Wartezeit des Steuerzahlers verkürzen.

Private Umzugskosten

Wer aus privaten Gründen umzieht, hat nur geringe Möglichkeiten, die Kosten bei der Steuerklärung geltend zu machen. Wer ein Umzugsunternehmen engagiert, kann die Arbeitskosten für Möbelpacker als haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen, anerkannt werden 20 Prozent der Kosten, maximal 4.000 Euro. "Die Materialkosten, etwa für den LKW und die Umzugskartons, sind jedoch nicht steuerlich absetzbar", sagt Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband. In der Rechnung der Spedition müssen deshalb alle Kosten einzeln aufgeschlüsselt werden. Zudem sollten die Leistungen nicht bar gezahlt werden, wichtig ist immer ein Kontobeleg und eine Rechnung.

Beruflich veranlasste Umzugskosten

Wer umzieht, weil er einen neuen Job hat oder sich das Pendeln sparen will, kann die Ausgaben als Werbungskosten geltend machen. "Zur Frage, wann ein Umzug beruflich veranlasst ist, gibt es viele Einzelfallentscheidungen, in der Regel wird es aber dann anerkannt, wenn die Fahrtzeit zur Arbeit durch den Umzug erheblich verkürzt wird", sagt Steuerberater Deutsch. Als Richtwert wird oftmals eine Zeitersparnis von einer Stunde genannt.

Tatsächliche Umzugskosten

Wer wegen seines Jobs umzieht, kann die tatsächlichen Umzugskosten vollständig als Werbungskosten geltend machen. Hier wird nicht zwischen Materialkosten und Arbeitskosten unterschieden.

Sonstige Umzugskosten

Neben den tatsächlichen können pauschal auch sonstige Umzugskosten abgesetzt werden, darunter fallen beispielsweise Kosten für Zeitungsinserate, die Anmeldung des Telefonanschlusses und die Ummeldung des Autos. Für Umzüge nach dem 1. Januar 2012 beträgt die Pauschale für Ledige 657 Euro, für Ehepaare ist die doppelt so hoch und für jedes Kind kommen 289 Euro hinzu. Die einzelnen Belege muss der Steuerzahler nicht einreichen.

Wenn der Chef zahlt

Fein raus ist der Steuerzahler, wenn der Arbeitgeber seine Umzugskosten zahlt. "Sofern die Erstattung die tatsächlich entstandenen Kosten nicht übersteigt, gilt die Zahlung nicht als geldwerter Vorteil", sagt Steuerberater Markus Deutsch. Es werden also weder Steuern noch Sozialabgaben fällig. Die Rechnungen muss der Steuerzahler seinem Arbeitgeber vorlegen, damit dieser die Belege aufbewahren kann.

Doppelte Miete absetzbar

Wer berufsbedingt umzieht und vorübergehend eine zweite Wohnung am Arbeitsort anmietet, kann diese Kosten unbegrenzt als Werbungskosten geltend machen. Wenn die Familie schon einige Monate später nachzieht, gilt das auch für die Kosten einer großen Wohnung mit mehr als 60 Quadratmetern, entschied der Bundesfinanzhof (Az: VI R 2/11, vom 13. Juli 2011). Dem Urteil zufolge liegt in diesem Fall keine doppelte Haushaltsführung vor, bei der die absetzbare Wohnung maximal eine Größe von 60 Quadratmetern haben dürfte.

Kosten für die Nachhilfe

Wenn der Nachwuchs wegen des Umzugs Nachhilfe benötigt, kann der Steuerzahler auch diese Kosten bei der Steuererklärung geltend machen. Ab 2012 werden 1.657 Euro anerkannt.

KONTEXT

Pflicht und Kür bei der Steuererklärung

Frist

Abgabetermin für die Einkommensteuererklärung ist jedes Jahr der 31. Mai. Wenn dieser auf ein Wochenende fällt, verschiebt sich die Frist um ein bis zwei Tage.

Steuerberater

Wer einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein beauftragt, muss seine Steuererklärung für 2015 erst am 31. Dezember 2016 abgeben.

Fristverlängerung

Wenn ein Steuerzahler seine Erklärung selbst machen will, es aber nicht rechtzeitig schafft, kann er beim Finanzamt eine Fristverlängerung beantragen. "Zulässige Gründe können etwa fehlende Unterlagen oder eine längere Krankheit sein", sagt Isabel Klocke vom BdSt.

Pflicht

Längst nicht jeder Arbeitnehmer ist zur Abgabe verpflichtet. Wer ledig ist, nur Lohn von einem Arbeitgeber bezieht und keine weiteren Einkünfte von mehr als 410 Euro hat - etwa aus einer Nebentätigkeit, einer Vermietung oder in Form von Lohnersatzleistungen wie Elterngeld - kann auf die Abgabe verzichten - oder sich vier Jahre Zeit lassen. Die Erklärung für das Jahr 2015 kann dann noch bis zum 31. Dezember 2019 abgeben werden.

Senioren

Seit einer Gesetzesänderung 2005 sind Rentner häufiger zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet. Dies hängt von der Höhe der Bruttorente und dem Jahr des Renteneintritts ab. Wer beispielsweise 2015 in Rente ging, ledig ist und im vergangenen Jahr höchstens 1207 Euro Monatsbruttorente bekommen hat, muss keine Steuererklärung abgeben. Wer mehr bekam, kann dazu verpflichtet sein.