So gestaltet die Formel 1 ihre Zukunft

Marvin Tischler

Seit Bernie Ecclestone abgesetzt ist und die Formel 1 unter dem Einfluss des US-Medienriesen Liberty Media steht, befindet sich die Königsklasse im Wandel.

Zur kommenden Saison sind bereits mehrere Innovationen fixiert, in den folgenden Jahren wird es weitere Veränderungen geben. Aktuell sorgen die von der FIA angeregten Motorenregelungen für Zündstoff.

SPORT1 klärt auf, welche Änderungen geplant oder sogar beschlossen sind, wann sie in Kraft treten und wo es noch hakt.

- Der Motor

An der Antriebseinheit der Boliden soll ab 2021 einiges geändert werden. Es wird voraussichtlich zwar immer noch auf 1,6-Liter-V6-Motoren gesetzt, das Energie-Rückgewinnungssystem MGU-H fällt aber weg.

Der bemängelte Sound der Boliden wird hingegen lauter, dafür soll das auf 18.000 Umdrehungen pro Minute erhöhte Limit sorgen.

Weiterhin ohne Biturbo-Motoren und mit besserer MGU-K wird das teuer für die Rennställe. "Das bedeutet eine komplette Neuentwicklung. Wir müssten zwischen 2018 und 2020 an zwei Motoren gleichzeitig arbeiten", bemängelte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff in der auto motor und sport.


Was dabei auch nicht kommuniziert wird, ist der höhere Treibstoffverbrauch, der durch den angekündigten höheren Benzinfluss entsteht – alles für mehr Leistung. Die geplanten Einheitsbatterien und –elektronik würden zwar Kosten sparen, kommen bei den Teams aber genauso schlecht an.

Ferrari besitzt bei diesem Thema ein Vetorecht. Sollten auch Teams wie Mercedes und Renault protestieren, dürften die Veränderung in dieser Form wohl nicht kommen.

- Einsatz von manuellem Turbo

Durch die geplanten Neuerungen bei der Energierückgewinnung könnte es auch im Rennverlauf zu Umstellungen kommen.

In Zukunft soll der Fahrer über den Einsatz der Hybrid-Power selbst entscheiden. Das heißt: die Piloten haben die Möglichkeit, die elektrische Energie zu "sparen" und dann beliebig für Überholmanöver einzusetzen. Damit wäre auch das Ende der DRS-Zonen gekommen.

Bisher erfolgte der Abruf des Hybrid-Boosts automatisch.

- Die Startaufstellung

Zukunftsmusik ist die Änderung des Start-Procederes. Angedacht sind von den neuen Formel-1-Besitzern Zweier- und Dreierreihen im Wechsel.

Bis in die frühen 70er Jahre war das durchaus Usus in der Formel 1. Trotzdem bleiben Fragen zur Sicherheit dieser Idee.

Es würde zwar deutlich mehr Spannung und Action in die Rennserie bringen, an allen bisher beschlossenen Änderungen sieht man allerdings: Sicherheit ist der FIA wichtig.

Zumal auf Strecken wie Monaco oder Singapur eine solche Änderung nur schwer durchsetzbar wäre. Vor 2021 wird an der Startformation nichts verändert.

- Der Cockpitschutz Halo

2018 kommt der Cockpitschutz Halo. Seit kurzem sind die Testparameter des Schutzbügels bekannt, womit die Teams das Cockpit nach den neuen Maßstäben ausrichten können.


Bisher war nur das grobe Aussehen der Neuerung bekannt. Damit einher geht auch eine Verlängerung der maximalen Ausstiegszeit der Piloten von fünf auf sieben Sekunden beziehungsweise zehn auf zwölf Sekunden, bis das Lenkrad wieder aufgesteckt sein muss.

Durch die Einführung des "Heiligenscheins" wird auch das Mindestgewicht von 728 auf 733 Kilogramm angehoben und die Sicherheitsvorkehrungen für die Chassis und Radbefestigungen ab 2018 verschärft.

- Die Öl-Debatte

Der Streit um illegalen Öleinsatz in den Brennkammern hat 2018 ein Ende. Zumindest geht die FIA dieses Problem äußerst scharf an.

Es darf ab der neuen Saison nur noch eine Spezifikation Motorenöl verwendet werden, dazu wird der Ölstand im Hauptöltank in Echtzeit zur Kontrolle übermittelt und alle anderen Ölstände müssen eine Stunde vor Rennbeginn übermittelt werden.


Damit soll das absichtliche Verbrennen von Motorenöl ein Ende haben. Lücken in diesem Kontrollsystem haben einige Teams dem Vernehmen nach bislang zu unerlaubten Leistungssteigerungen genutzt.

- Weitere Änderungen

Optisch verändern sich die Autos hauptsächlich an den unschönen T-Flügeln. Die verschwinden nämlich komplett. Auch sogenannte Monkey-Seats, also Leitbleche um die Auspuffe, sind ab 2018 verboten.

Insgesamt sinkt die Anzahl der erlaubten Motoren 2018 weiter. Nur noch vier Teile aller Motoren-Komponenten stehen jedem Fahrer über die gesamte Saison zur Verfügung.

Alle Änderungen ab 2021 sind aber erst der "Startpunkt eines Dialogs", sagt Wolff. Bisher ist nur die FIA von ihrem neuen Reglement überzeugt, die Hersteller sind damit noch nicht glücklich.