Bayerns ungewöhnlicher Reiseplan im Hochrisikogebiet

Martin Hoffmann
·Lesedauer: 2 Min.

In Moskau sind die Corona-Fallzahlen fast so hoch wie in ganz Deutschland. Der FC Bayern versucht mit unorthodoxer Reiseplanung jedes Risiko zu bannen.

Ganz ungewöhnlich ist es nicht, dass die Reiseplanungen des FC Bayern München auf größeres Interesse stoßen.

Diesmal jedoch sind die Gründe etwas andere als in gewöhnlichen Zeiten.

Der Champions-League-Trip des deutschen Rekordmeisters zu Lokomotive Moskau ist spürbar beeinträchtigt von der Sorge vor einem Corona-Ausbruch, wie die Basketballer von ALBA Berlin ihn bei ihrer Russland-Reise in der vergangenen Woche erleben mussten (wenngleich der anscheinend begünstigt wurde durch einen Spieler, der schon krank anreiste).

Wie groß ist die Gefahr, dass Bayern ähnliches widerfährt? Und was tut der Klub, um sie zu vermeiden?

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Moskau ist "Hotspot" der Coronakrise

Grundsätzlich ist Russland aktuell riskantes Terrain: Das Infektionsgeschehen ist hoch, es gilt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts, das Touristen empfiehlt, von nicht notwendigen Trips in das Land abzusehen.

Russland ist Risikogebiet, für normale Ausreisende gelten Quarantäne- und Testverpflichtung, gerade die Metropole Moskau ist ein Schwerpunktgebiet der Krise. Über 400.000 Menschen haben sich dort im Verlauf der Pandemie bereits mit dem Virus infiziert, zu den prominenten Betroffenen zählte der an den Folgen der Infektion verstorbene Abdulmanap Nurmagomedov, Vater und Trainer des soeben zurückgetretenen UFC-Kampfstars Khabib Nurmagomedov.

Fast ein Drittel aller russischen Corona-Fälle hat sich in Moskau abgespielt - und nur geringfügig weniger als in ganz Deutschland (rund 450.000), trotz der zuletzt auch hier wieder sprunghaft gestiegenen Fallzahlen.

Zum Vergleich: In Berlin gab es 27.000 Fälle, auch im Verhältnis zur höheren Einwohnerzahl in Moskau (12 Millionen - Berlin 3,8) ist der Unterschied gravierend.

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FC Bayern fliegt noch in der Nacht nach München

Mit entsprechender Vorsicht plante der FC Bayern seine Reise, sichtbar bemüht darum, sich dem besonderen Risiko so wenig wie möglich auszusetzen - und nach den Irritationen um den Fall Serge Gnabry auch keine neue Kritik auf sich zu ziehen.

Das Abschlusstraining am Montagmorgen und die (Video-)Pressekonferenz am Mittag fanden noch an der Säbener Straße statt, am Nachmittag ging es mit dem Privatjet nach Moskau, vom Flughafen direkt ins Teamhotel.

Thomas Müller sieht die Reise deshalb als kalkulierbares Risiko. "Wir sehen außer dem Flughafen und dem Bus nur das Mannschaftshotel und den grünen Rasen", sagte er am Montag bei der PK: "Ich wüsste nicht, wo da für uns als Mannschaft eine Gefahr lauern sollte. Dementsprechend sehe ich das unbedenklich."

Um sicherzustellen, dass alles auch wirklich unbedenklich läuft, ist noch in der Nacht zum Mittwoch die Rückreise geplant. Als Ankunftszeit am Münchener Flughafen ist – mit Sondergenehmigung trotz des prinzipiellen Nachtflugverbots - 2.15 Uhr anvisiert.