So fährt es sich im Ford Mach-E

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Typisch Mustang? Von außen ja, aber innen arbeiten jetzt zwei bis zu 346 PS starke Elektromotoren.
Typisch Mustang? Von außen ja, aber innen arbeiten jetzt zwei bis zu 346 PS starke Elektromotoren.

Die Protagonisten auf dem E-Auto-Markt sind entweder besonders alltagstauglich oder übermäßig sportlich. Ford geht bei seinem elektrischen Erstling jetzt einen Mittelweg und setzt dabei auf den Mythos des legendären Mustangs.

Berlin (dpa-infocom) - Es hat zwar ein wenig gedauert, doch als einer der letzten Volumenhersteller bringt jetzt auch Ford mit dem Mach-E sein erstes reines Akku-Auto an den Start. Wie ein SUV geschnitten, aber an den legendären Mustang angelehnt, kommt der US-Klassiker für die Generation E im Januar in den Handel und kostet vor Abzug der Umwelt-Prämie mindestens 46.900 Euro.

Weil die Amerikaner spät dran sind im Rennen mit Autos wie dem Tesla Model Y oder dem VW ID4 und im Preis weiter oben einsteigen, appellieren sie gleichermaßen an Vernunft und Vergnügen. So bringen sie gegen die eher nüchternen Konkurrenten eine leidenschaftliche Legende ins Spiel: Denn der Mach-E trägt nicht nur das Mustang-Logo und zitiert trotz des SUV-Aufbaus zahlreiche Design-Details des über 50 Jahre zum Mythos gereiften Muscle-Cars. Sondern selbst beim Sound haben sich die Amerikaner vom Achtzylinder inspirieren lassen und eine Klangwelt komponiert, in der sich auf Knopfdruck auch ausgewachsene Petrolheads zu Hause fühlen werden.

Akku statt Achtzylinder

Das kehlige Brummen ist allerdings das einzige, was beim Antrieb an die vermeintlich gute alte Zeit erinnert. Denn statt eines großvolumigen Verbrenners unter dem Bug gibt es nun E-Motoren direkt an den Achsen und im Wagenboden einen riesigen Akku, den Ford mit Brutto-Kapazitäten von 76 oder 99 kWh anbietet. Mit bis zu 150 kW geladen, so dass bestenfalls in zehn Minuten der Strom für 100 Kilometer fließt, genügt das je nach Antriebskonfiguration für WLTP-Reichweiten von 400 bis 610 Kilometer. Dabei reichen die Leistungen schon jetzt von 189 kW/269 PS bis 258 kW/346 PS. Und mit dem GT sind ab Mitte des Jahres sogar 358 kW/487 PS drin.

Zwar kommt der Mach-E mit Rücksicht auf die Reichweite nicht an den Elan seiner Ahnen heran. Doch mit einem Spitzentempo von 180 km/h ist er flotter als vergleichbare Modelle von VW und Co. Und mit einem Sprint von 0 auf 100 km/h in 5,1 Sekunden für das stärkste Serienmodell und später dann 3,7 Sekunden für den GT kann man sich sogar auf den Dragstrip trauen. Vor allem aber fühlt er sich dabei viel lebendiger an als die Konkurrenten. Denn das stramme Fahrwerk, die direkte Lenkung und der tiefe Schwerpunkt können den Fahrer schon mal etwas übermütig machen, und plötzlich fühlt er sich wie Steve McQueen im Kultfilm «Bullit».

Gewöhnlicher Wendekreis, aber mehr Stauraum

Die Nähe zum Original mag Skeptiker überzeugen. Doch hätten die Amerikaner durchaus auch ein paar Eigenschaften aus der neuen Welt einbringen können: Ohne störenden Benziner im Bug eigentlich für große Lenkeinschläge prädestiniert, ist der Mach-E eher unhandlich und hat bei 4,71 Metern Länge und knapp drei Metern Radstand einen eher gewöhnlichen Wendekreis. Und wer - wie in den meisten Akku-Autos üblich - mit einem Pedal fahren und den Wagen allein per Rekuperation bremsen will, braucht gehörigen Weitblick.

Auch die Passagiere erleben den Mach-E als wenig fortschrittlich. Denn er ist im Grunde ein gewöhnlicher, wenngleich sehr sportlich gezeichneter Geländewagen, bei dem nur der Antrieb in die Zukunft weist. Die Platzverhältnisse zum Beispiel sind deshalb allenfalls Durchschnitt, und das Aha-Erlebnis wie im ID4 bleibt bei der Sitzprobe im Mach-E aus. Vor allem hinten fühlt man sich eher eingeengt, was nicht zuletzt am flachen Dach und den zugunsten der schnittigen Silhouette sehr schmalen Fenster liegt. Und selbst das digitale Cockpit ist vergleichsweise konventionell - selbst wenn der aufrecht montierte Touchscreen von imposantem Format, die Software auf dem neuesten Stand und das Paket der Assistenzsysteme prall geschnürt ist.

Nur unter der Fronthaube hat der Ford dann doch noch eine Überraschung parat: Während es bei VW nur für Technik reicht und bei Audi allenfalls für eine Ablage fürs Ladekabel, haben die Amerikaner zusätzlich zum imposanten Kofferraum im Heck einen pfiffigen «Frunk» installiert und dort eine fast 100 Liter große Staubox eingebaut. Weil die wie eine Badewanne sogar einen Abfluss hat, können dort auch schmutzige Gegenstände oder gekühlte Getränke «on the rocks» transportiert werden.

Fazit: Mit dem Mach-E holt Ford gewaltig auf

Leidenschaftlicher als VW und Co, günstiger als Mercedes, BMW oder Audi und auf eine wunderbar altmodische Art mindestens genauso faszinierend wie Tesla oder Polestar: Mit dem Mach-E kommt Ford spät aber gewaltig. Deshalb könnte sich der elektrische Mustang schon bald zum besten Pferd im Stall der Amerikaner mausern.

Datenblatt: Ford Mustang Mach-E Dual Elektro-Motor mit Extended Range

Motor und Antrieb

Zwei Elektromotoren

Batteriekapazität (brutto):

98,7 kWh

Max. Leistung:

258 kW/346 PS

Max. Drehmoment:

580 Nm

Antrieb:

Allradantrieb

Getriebe:

Eingang-Automatik

Maße und Gewichte

Länge:

4713 mm

Breite:

1881 mm

Höhe:

1624 mm

Radstand:

2984 mm

Leergewicht:

2218 kg

Zuladung:

472 kg

Kofferraumvolumen:

402-1420 + 100 Liter

Fahrdaten:

Höchstgeschwindigkeit:

180 km/h

Beschleunigung 0-100 km/h:

5,1 s

Durchschnittsverbrauch:

18,7 kWh/100 km

Reichweite:

540 km

CO2-Emission:

0 g/km

Kraftstoff:

Strom

Schadstoffklasse:

k.A.

Energieeffizienzklasse:

A+

Kosten:

Basispreis des Ford Mustang Mach-E:

46.900 Euro

Grundpreis des Ford Mustang Mach-E Dual Elektro-Motor mit Extended Range:

62.900 Euro

Typklassen:

k.A.

Kfz-Steuer:

0 Euro/Jahr

Wichtige Serienausstattung:

Sicherheit:

Sieben Airbags, intelligenter Tempomat mit Spurführung, Allradantrieb

Komfort:

Klimaautomatik, Touchscreen-Infotainment, Naigation

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke