Wer Timo Werner belächelt, hat das noch nicht erlebt

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Wer Timo Werner belächelt, hat das noch nicht erlebt
Wer Timo Werner belächelt, hat das noch nicht erlebt
Wer Timo Werner belächelt, hat das noch nicht erlebt

„Kartal! Gol! Gol! Gol!“ (übersetzt: „Adler! Tor! Tor! Tor!“)

Immer wieder donnert der Schlachtruf der Besiktas-Fans am Mittwochabend beim Champions-League-Gastspiel des BVB (2:1) durch den Vodafone Park. Er geht durch Mark und Bein.

Er erzeugt einen unglaublich großen Druck, der sogar im Brustkorb zu spüren ist. Auf der Pressetribüne kann ich mein eigenes Wort kaum hören. Sich mit dem Nebenmann unterhalten? Nur schwer möglich! (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

Mich beeindruckt es, dass die Spieler dort unten auf dem Rasen trotz des Mega-Krachs Höchstleistungen bringen können. Wer Timo Werner heute noch müde dafür belächelt, weil er vor vier Jahren bei einem Auswärtsspiel von Leipzig bei Besiktas aufgrund des Lärms mit Kreislaufproblemen ausgewechselt werden musste, muss einmal hier gewesen sein. Er wird es verstehen können.

Besiktas-Fans halten Lautstärke-Weltrekord

Die Stimmung ist gigantisch. Dabei ist das Stadion coronabedingt nur zur Hälfte gefüllt. Die 20.000 Adler-Anhänger machen aber locker Krach für 60.000. Sie halten nicht umsonst seit einigen Jahren den Lautstärke-Weltrekord (141 Dezibel - so laut wie ein Düsenjet). „Hier musst du erstmal bestehen“, sagte BVB-Coach Marco Rose. „Eine unglaubliche Atmosphäre. Und es waren nicht mal alle da.“

Niemanden hält es hier auf den Sitzen. Alle Fans stehen. Vor, während und nach dem Spiel. Zwischen Fans und Mannschaft herrscht eine Symbiose. Die Spieler laufen, weil ihnen die Anhänger Beine machen. Auf dem Weg in die Kabine bedanken sich die Spieler sogar schon in der Halbzeit beim Publikum, klatschen am Mittelkreis symbolisch Beifall. Die Fans applaudieren frenetisch. (Die BVB-Spieler in der SPORT1-Einzelkritik)

Fans spendieren Reportern Kaffee

Wie gastfreundschaftlich die türkischen Fans - trotz der Anspannung - doch sind, wird in der 36. Minute klar. Ein paar Anhänger, die rechts neben der Pressetribüne stehen, haben Gefallen an uns deutschen Reportern gefunden. Sie geben uns einen Kaffee aus, freuen sich, dass wir hier sind.

In der Nachspielzeit bebt der Vodafone Park nochmal. Der Anschlusstreffer von Montero löst eine regelrechte Eruption aus. Der Boden vibriert. Das anschließende Pfeifkonzert beim Anstoß des BVB ist so laut, dass ich zum wiederholten Male an diesem Abend zu meinen Ohropax (eine Empfehlung eines türkischen Kollegen) greifen muss.

Um 21.41 Uhr Ortszeit wird das Spiel abgepfiffen. Die Besiktas-Fans singen und tanzen trotz der 1:2-Pleite. Sie sind geblieben und schreien lauthals den türkischen Schlager „Ateşini Yolla“ von Hakan Peker. Die Jungs nebenan, die uns zuvor einen Kaffee geholt haben, applaudieren in unsere Richtung.

Ich habe die Besiktas-Hölle überlebt. Es war ein Erlebnis. Ich komme sicher gerne wieder in diesen Hexenkessel. Dann aber mit komplett vollen Rängen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Champions League)

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