So erlebte SPORT1 Eishockey-Geschichte

Jonas Nohe
Nach dem sensationellen Sieg gegen Schweden steht das DEB-Team bei Olympia im Halbfinale

Den Weltmeister besiegt, die Medaillen vor Augen: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft schreibt bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang an ihrem eigenen Märchen.

Im Viertelfinale gegen Schweden erlebten die deutschen Fans im Kwandong Hockey Centre von Gangneung ein wahres Wechselbad der Gefühle.

So erlebte SPORT1 den historischen Abend in der Halle:

Die Stimmung vor dem Spiel

Eigentlich war alles angerichtet für ein Eishockey-Spektakel: Der euphorisierte Außenseiter Deutschland gegen den Weltmeister aus Schweden, zur Primetime um 21.10 Uhr Ortszeit, ein Platz im olympischen Halbfinale als Preis für den Sieger.


Die Kulisse aber war alles andere als spektakulär. Die junge Frau, die als DJ Joojoo versuchte, mit einer Mischung aus Queens "We will rock you" und derben Techno-Klängen das Publikum zu animieren, war nicht zu beneiden.

Immerhin sorgte ein beachtlicher deutscher Fanblock schon vor dem ersten Bully mit Schlachtrufen und Fangesängen für Stimmung.

Bei den eingängigen Rhythmen klatschten dann sogar die koreanischen Besucher mit.

Die bangen Anfangsminuten

Die Vorfreude unter den deutschen Fans wich schnell bangen Blicken, denn: Weltmeister Schweden brannte direkt ein Feuerwerk ab.

Nach nur dreieinhalb Minuten war Deutschland nach einer Strafe gegen Christian Ehrhoff erstmals in Unterzahl - und in den folgenden zwei Minuten ging quasi im Sekundentakt ein Raunen durch die Halle.

Schuss um Schuss um Schuss feuerten die Schweden in Richtung deutsches Tor ab. Für die Skandinavier standen schon über zehn Abschlüsse auf der Anzeigetafel, da leuchtete bei den Deutschen noch eine große runde Null.


Nur zwei Faktoren verhinderten einen frühen deutschen Rückstand: ein bisschen Glück und ganz viel Danny aus den Birken, der erneut überragende Rückhalt im deutschen Kasten.

Der deutsche Doppelschlag

Plötzlich zappelte der Puck auf der anderen Seite in den Maschen: Im zweiten deutschen Powerplay zog Christian Ehrhoff ab, Schwedens Keeper Viktor Fasth ließ die Scheibe unter dem Arm hindurchgleiten.

Ungläubige Blicke auf der Tribüne - und das Staunen wurde noch größer: Keine 30 Sekunden nach dem 1:0 legte Marcel Noebels im Nachsetzen das 2:0 nach.

Die deutschen Fans lagen sich in den Armen, erstmals kam das Gefühl auf: Das kann hier heute fürs Halbfinale reichen!

Die deutschen Fans

Mit dem Zwei-Tore-Vorsprung im Rücken erreichte auch der deutsche Support ein neues Level.

Im Unterrang feuerten die Skispringer Markus Eisenbichler und Karl Geiger kräftig an, etwas weiter oben drückte Maria Höfl-Riesch die Daumen. Martin Schmitt und Sven Hannawald gingen  nach den deutschen Treffern steil.


Ein Vertreter einer deutschen Reisegruppe aber warnte vor dem Schlussdrittel: "Ich war schon bei so vielen Eishockeyspielen: Ich weiß, dass man bis zur 58. Minute 2:0 führen und am Ende noch verlieren kann."

Die schwedische Aufholjagd

Fast genau so sollte es kommen!

Mit dem Mute der Verzweiflung, all ihrer Klasse und dem Vorteil, einen Tag zuvor kein K.o.-Spiel mit Overtime bestritten zu haben, bliesen die Schweden zur Aufholjagd.

Nach nicht einmal vier Minuten im dritten Drittel stand es nur noch 1:2. Münchens Publikumsliebling Dominik Kahun stellte zwar den alten Abstand wieder her, dennoch blieb der Eindruck: Deutschland wackelt!

Eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Felix Schütz nutzten die Schweden binnen sieben Sekunden zum erneuten Anschlusstreffer, nur zwei Minuten später fiel das 3:3.

"Als der Ausgleich kam und ich auf die Uhr hochgeschaut und noch achteinhalb Minuten gesehen habe, ging es mir nicht so gut", gestand Kahun nach dem Spiel.

Den deutschen Fans ging es nicht anders - aber die deutschen Kufencracks retteten sich in die Overtime.

Die entscheidenden Sekunden

Verlängerung ist bei diesen Winterspielen längst Deutschland-Zeit: Sieg im Penalty-Shootout zum Vorrundenabschluss gegen Norwegen, Overtime-Sieg gegen die Schweiz zum Start in die K.o.-Phase.


Diesmal zwang Patrick Reimer, der die beiden Siege zuvor verletzt verpasst hatte, den Puck nach 1:30 Minuten in der Verlängerung über die Linie.

Im ersten Moment herrschte eine merkwürdige Stimmung in der Halle. Selbst die deutschen Spieler jubelten zunächst nur verhalten. Auch die Schiedsrichter wollten noch mal sichergehen, ob alles mit rechten Dingen zugegangen war. Scheibe im Tor? Kein Foul am Torhüter?

Fast schon gespenstische Stille machte sich im Kwandong Hockey Centre breit - bis zu den erlösenden Worten des Referees: „We have a good goal!“


Auf einen Schlag brachen alle Dämme, die deutschen Spieler stürmten gesammelt aufs Eis, hoben eines der Tore aus der Verankerung und feierten in einer riesigen Jubeltraube den Halbfinaleinzug.

Auf der Tribüne klatschten Promis und Fans minutenlang Beifall.

Ein würdiges Ende eines historischen Eishockey-Abends.