So bereiten die Eishockey-Cracks das nächste Wunder vor

Jonas Nohe
Vor dem Halbfinale gegen Kanada entspannen die deutschen Eishockey-Herren am Strand

Das erste Eishockey-Wunder bei Olympia ist vollbracht, das nächste soll direkt folgen.

Keine 48 Stunden nach dem dramatischen Overtime-Sieg im Viertelfinale gegen Weltmeister Schweden wollen die deutschen Kufencracks auch Rekord-Olympiasieger Kanada das Fürchten lehren.

Wie sah die kurze Zeit zwischen den beiden Kracher-Duellen aus? Wie bereitet sich das Team von Bundestrainer Marco Sturm am Spieltag vor? Und welche Rituale sollen auf der Jagd nach der ersten Olympia-Medaille seit 1976 helfen?

SPORT1 erklärt, wie die deutschen Eishockey-Helden das nächste Olympia-Wunder vorbereiten.

Der Tag nach dem Schweden-Coup

Nach dem dramatischen Spielende um 23.30 Uhr Ortszeit am Mittwochabend hieß es für die Mannschaft am nächsten Tag vor allem Ausruhen und den Kopf freibekommen. (SERVICE: Der Medaillenspiegel)

"Wir waren mit der Mannschaft am Meer ein bisschen spazieren", berichtete Yannic Seidenberg bei SPORT1. Es sei darum gegangen, "einfach mal was anderes zu sehen, mal raus aus dem Olympischen Dorf zu kommen", ergänzte Teamkollege Marcel Goc.


Seidenberg begab sich anschließend zum Osteopathen seines Vertrauens und schaute auf dem Weg dorthin im Deutschen Haus vorbei. Der Rest der Mannschaft entspannte derweil im Athletendorf und verfolgte im Fernsehen das packende Frauen-Finale zwischen den USA und Kanada.

Mannschaftstraining stand am spielfreien Tag keines an.

"Heute vom Eis weggeblieben"

"Der eine oder andere geht vielleicht in das Fitnessstudio, das wir im Dorf haben, und bewegt sich ein bisschen", meinte Seidenberg, "aber wir sind heute vom Eis weggeblieben."


Am Abend stand noch mal ein Teammeeting und ein gemeinsames Abendessen an. SERVICE: Zeitplan des Olympischen Eishockey-Turniers

"Dann heißt es noch mal gut schlafen und am Morgen fängt dann die Spieltagroutine wieder ganz normal an", sagte Goc bei SPORT1.

So läuft der Spieltag

Jene Spieltagroutine sieht um 11 Uhr ein gemeinsames Aufwärmen im Gangneung Hockey Centre vor, wo gut zehn Stunden später das Duell mit den Kanadiern steigt.


Dabei geht es vor allem darum, den Körper durchzubewegen und den Kreislauf zu aktivieren. Im Anschluss wird noch einmal etwas für den Kopf getan. "Da gibt es noch mal eine Besprechung, auch mit einer kurzen Videobesprechung, in der noch mal eine Analyse vom letzten Spiel gemacht wird", kündigte Goc an.

Nach dem Mittagessen im Olympischen Dorf haben die Spieler am Nachmittag noch mal Zeit für sich. Viele von ihnen legen sich dann noch einmal hin und versuchen, einen Mittagsschlaf zu machen.

Gut möglich allerdings, dass dabei einigen die Nervosität und Vorfreude auf das vielleicht größte Spiel ihrer Karriere diesmal einen Strich durch die Rechnung macht. Gegen Abend gibt es dann noch einmal einen kleinen gemeinsamen Snack.

"Bei den späten Spielen ist es wichtig, dass man rechtzeitig und das Richtige isst, damit der Speicher voll ist, wenn der Schiri um 21.10 Uhr die Scheibe einwirft", erklärt Goc.


Rituale und Motivationshilfen

In der Halle geht es dann nur noch darum, den Körper auf Betriebstemperatur zu bringen - und sich mental auf das Spiel einzustimmen.

Dazu haben die deutschen Kufencracks den einen oder anderen Motivationstrick auf Lager.

"Bei uns in der Kabine hängt ganz groß als Schild das Motto 'Glaube!'. So sind wir in jedes Spiel reingegangen", berichtet Seidenberg SPORT1. Dieser Glaube und "der unbedingte Wille, das Spiel gewinnen zu wollen", seien schon gegen Schweden "der ausschlaggebende Punkt" gewesen.


Außerdem hängen an den Wänden der Umkleide immer die Namensschilder des gesamten Spieler-, Trainer- und Betreuerstabs. "Unsere Wall of Fame", wie Bundestrainer Sturm es nannte.

Dort finden sich auch die Namen der Spieler, die auf Abruf zur Nachnominierung bereitstehen - und der NHL-Profis um Philipp Grubauer, Leon Draisaitl und Tom Kühnhackl, die im Sommer 2016 die Olympia-Qualifikation sicherten, jetzt in Südkorea aber nicht dabei sein können.

"Die Jungs sind bei uns in der Kabine an der Wand, die sind alle bei uns", erklärte Sturm den Gedanken hinter der Aktion. (Alle Olympia-Entscheidungen im LIVETICKER)

In den letzten Partien hat sich bei der Mannschaft zudem ein neues Ritual unmittelbar vor dem Spiel eingebürgert: Statt Trainer Marco Sturm verlesen in der Kabine die beiden für die deutsche Mannschaft zuständigen Teambetreuer die Startformation - auf Englisch und auf Koreanisch.

Bringt das erneut so viel Glück wie zuletzt, hätte Deutschland am Freitagabend bereits eine olympische Eishockey-Medaille sicher.