PSA-Chef Tavares kassiert Millionenprämie für die Opel-Sanierung


Die Situation bei Opel sei „dramatisch“ betonte PSA-Chef Carlos Tavares schon kurz nach der Übernahme des deutschen Autobauers. Und er empfahl den Rüsselsheimern einen strikten Sparkurs.

Seitdem wurde nicht nur die Führung von Opel kräftig umgekrempelt, auch die Mitarbeiter sollen Vorschläge entwickeln, wie die Marke schlanker aufgestellt werden kann. Zuletzt war berichtet worden, dass Opel eine Prämie von bis zu 20.000 Euro ausgelobt hatte, wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Die tarifliche Gehalterhöhung, die von der IG Metall ausgehandelt wurde, soll gestundet werden.

Für die PSA-Führung soll sich die Sanierung der deutschen Traditionsmarke dagegen schon auszahlen, bevor sie begonnen hat. Auf der anstehenden Hauptversammlung will sich PSA-Chef Carlos Tavares einen kräftigen Bonus genehmigen lassen, berichtet das Fachmagazin „Automotive News“.


Tavares selbst soll demnach bis zu eine Million Euro zusätzlich kassieren, sein Finanzchef Jean-Baptiste des Chatillon immerhin noch 500.000 Euro. Die Begründung: Beide hätten herausragendes für das Unternehmen geleistet, weil sie in nur 100 Tagen den Sanierungsplan PACE entwickelt hätten, mit dem Opel und Vauxhall fit für die Zukunft gemacht werden sollen.

Ende Juli 2017 hatten die Franzosen die Marken für rund 1,3 Milliarden Euro vom damaligen Mutterkonzern General Motors (GM) übernommen. Seitdem fährt Opel auch im Besitz der Franzosen Verluste ein. In den letzten fünf Monaten des Jahres 2017 betrug das Defizit 179 Millionen Euro. Seit 1999 summieren sich die Verluste in Rüsselsheim sogar auf über eine Milliarde Euro.

Bis 2020 soll Opel die Kosten pro Auto um 700 Euro senken. Gemeinsam wollen die Konzerne Synergien in Höhe von 1,1 Milliarden Euro heben. Durch die gesunkenen Kosten soll die Gewinnschwelle für Opel auf 800.000 verkaufte Fahrzeuge sinken – so steht es im PACE-Plan.


Auch in den kommenden drei Jahren sollen Tavares und de Chatillon mit weiteren Bonuszahlungen dazu motiviert werden, den Sanierungsplan für Opel erfolgreich umzusetzen, heißt es aus dem Konzern.

Darum sollen die Aktionäre dem Konzernchef ein Gehalt von 6,7 Millionen Euro genehmigen, rund zwei Millionen mehr als im Vorjahr.

Das Fixgehalt fällt mit 1,3 Millionen Euro im Branchenvergleich immer noch mager aus. Doch durch den Opel-Bonus wächst das Tavares-Gehalt deutlich. Zusätzlich soll Tavares rund 130.000 Aktien im Wert von zwei Millionen übertragen bekommen.

Finanzchef de Chatillon soll dagegen ein Gehalt von 2,8 Millionen Euro kassieren – 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei anderen PSA-Bossen wächst das Gehalt noch deutlicher. Europachef Maxime Picat kassiert mit 2,3 Millionen Euro fast 250 Prozent mehr als im Vorjahr.

Trotz der deutlichen Gehaltssteigerungen bleiben die PSA-Chefs im Branchenvergleich bescheiden. Matthias Müller von Volkswagen kassierte im Jahr 2017 fast zehn Millionen Euro, Daimler-Chef Dieter Zetsche verdiente 13 Millionen Euro. Der bestbezahlte Autoboss im Jahr 2017 kommt aber vom ehemaligen Opel-Mutterkonzern. Im ersten Jahr nach dem Verkauf von Opel kassierte GM-Chefin Mary Barra rund 19 Millionen Euro.