So angeschlagen sind die Darts-Stars

Franziska Wendler
·Lesedauer: 4 Min.

Noch keine zwei Wochen ist es her, als das Viertelfinal-Duell zwischen Deutschland und den Niederlanden bei der Darts Team-WM auf der Kippe stand.

Superstar Michael van Gerwen hatte zum wiederholten Male mit Rückenproblemen zu kämpfen und musste sich einer "medizinischen Untersuchung" unterziehen.

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Ähnlich geht es auch immer wieder Gary Anderson. Die Darts-Legende kämpft schon seit Jahren mit starken Rückenschmerzen. "Es ist hart. Es tut weh, ihr wisst gar nicht wie sehr. Es ist, als würde ich ein Baby kriegen", gestand er einst im Interview mit SPORT1.

Aktuell machen dem Flying Scotsman starke Kniebeschwerden zu schaffen. Beim Grand Slam of Darts kann der Schotte nur über die Bühne humpeln (16. bis 24. November LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM).

Van den Bergh bräuchte Operation

Schwierig sieht es auch bei Dimitri Van den Bergh aus. Der Belgier, der zu Beginn der Woche für einen neuen Average-Rekord beim Grand Slam sorgte, laboriert an einem Meniskusriss. Dieser müsste zwar operiert werden, dafür findet der 26-Jährige aber keine Zeit und spielt stattdessen mit einer Schiene.

"Ja, es stimmt, ich muss den Meniskus bei einer OP rausholen lassen. Aber ich habe erst die Möglichkeit dazu, wenn der Kalender der PDC das zulässt", sagt Van den Bergh SPORT1.

Zwar betont der Belgier, dass ihn die Verletzung und die Schiene nicht sonderlich beeinträchtigen, trotzdem zeigt die Situation: die Terminhatz macht die Lage nicht einfacher.

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Eines wird beim Blick auf die Darts-Elite deutlich: Körperliche Probleme nagen an vielen Spielern. Und nicht nur das!

Auch die mentale Gesundheit diverser Spieler ist arg angekratzt.

Lewis musste Pause einlegen

Erst im September hatte Jamie Lewis den Darts-Fans mitgeteilt, dass er im Alter von nur 28 Jahren eine Pause einlegt. "Ich denke, es ist für mich an der Zeit, von dem Sport, den ich liebe, Abstand zu nehmen und mich auf mich selbst zu konzentrieren", erklärte er und fügte an, dass er sich "schreckliche Gewohnheiten" zu Eigen gemacht habe, die seine Gesundheit beeinträchtigen.

Bei seinem Comeback Ende Oktober gegen den Deutschen Robert Marijanovic zeigte Lewis dann eine desaströse Vorstellung - und wurde daraufhin im Netz teils rüde beschimpft.

"Ja, ich habe wie ein Idiot gespielt, aber ich muss wirklich mit diesem Mist fertig werden, wenn ich mich in mir wohlfühlen würde, wäre es eine andere Geschichte gewesen", schrieb der Darts-Profi später in den Sozialen Netzwerken.

Angstzustände und Panikattacken machen dem Waliser augenscheinlich schwer zu schaffen.

Marijanovic von Angstzuständen geschockt

Marijanovic, der die Probleme hautnah mitbekommen hatte, zeigte sich im Interview mit SPORT1 geschockt. "Er hat von Angstzuständen gesprochen. Er war alleine und hat auf mich nicht unbedingt einen positiven Eindruck gemacht. Was mich geschockt hat, war seine Leistung. Ich habe danach mit ihm geredet und ihm gesagt, dass ich hoffe, dass er das alles überwindet. Dass er wieder in die Spur kommt."

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Mit seinen mentalen Problemen ist Lewis aber nicht der Einzige. Auch Luke Humphries hat zugegeben, mit Angst, Panikattacken und Herzrasen zu kämpfen.

Nach einem Match gegen Darts-Legende Phil Taylor im Jahr 2018 hatte er erstmalig damit zu kämpfen. Seitdem bereitet ihm auch der Gang in ein Flugzeug große Probleme - weil es in der Luft keinen Ausweg gibt. "Man fängt an, das Schlimmste zu denken. Werde ich sterben? Seltsame Dinge. Aber man lernt, es zu kontrollieren", so der 25-Jährige.

Humphries hat ebenfalls zu kämpfen

Diese Panikattacken zu kontrollieren, fällt nicht immer leicht. Beim Training in privaten Räumen mag dies mitunter noch leichter gehen als bei der Darts-WM vor tausenden Leuten. "Viele Menschen mit Angst wären niemals in der Lage, im Ally Pally auf die Bühne zu treten", so Humphries.

Der Brite selbst hat es geschafft, einfach war es aber nicht. "Ich will nicht sagen, dass ich ein Held bin, aber es hat mich viel Mut gekostet, weiterzumachen, auch wenn ich gekämpft habe."

Dass die Darts-Szene teilweise am Stock geht, hat auch Van den Bergh mitbekommen. Bei der Frage nach den Gründen, ist er jedoch ratlos: "Warum das alles so knapp hintereinander passiert? Ehrlich, ich weiß es nicht."

In diesem Jahr dürfte es aufgrund der Coronakrise bei der WM im Ally Pally nicht allzu voll werden - wenn überhaupt Zuschauer zugelassen werden. Für einige Spieler wäre es eine Erleichterung.

Doch der Druck und die Angst zu versagen bleiben.

"Ich hoffe", sagt Van den Bergh, "dass all die Spieler, die aktuell Probleme haben, bald wieder Darts genießen können."