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Die SNB wird zur Klimaaktivisten-Bühne: Der Tag mit Bloomberg

(Bloomberg) -- Es gehört nicht viel Hellseherei dazu, ein Thema des heutigen Freitags vorherzusagen: Die Generalversammlung der Schweizerischen Nationalbank wird mit Sicherheit wieder zur politischen Bühne. Auch dieses Jahr werden neben den üblichen meinungsstarken Best-Age-Kleinaktionären auch Aktivisten verschiedenster Couleur die Veranstaltung für ihre Zwecke usurpieren. Klimaaktivisten haben das bereits angekündigt — sie hinterfragen die Leitlinien für die Investitionen der 743 Milliarden Franken schweren Devisenreserven. Das haben sie sich rund 800.000 Franken kosten lassen, für die sie SNB-Aktien gekauft haben, um heute in Bern abstimmen zu können.

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Sie stören sich an den Öl- und Gasaktien, die in den Reserven der SNB enthalten sind, darunter (per Jahresende) Exxon-Papiere im Wert von 1,9 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Franken), Chevron für 1,4 Milliarden Dollar und ConocoPhillips für 611 Millionen Dollar. “Unsere Hauptforderung ist sehr simpel: Raus aus diesen Investitionen!”, sagt Jonas Kampus, Aktivist bei der Schweizer Klima-Allianz. “Wenn die Carbon-Bubble platzt, dann ist das CS-Debakel Peanuts.”

Dass diese Credit-Suisse-“Peanuts” in Bern ebenfalls wortreich zur Sprache kommen werden und auch hier Präsident Thomas Jordan nicht ungeschoren davonkommen wird — das dürfte allerdings eine weitere risikofreie Vorhersage für den heutigen Tag sein.

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • Mercedes sieht die Marge im Autobau nun am oberen Rand des Jahresausblicks. Der Absatz werde in den nächsten Monaten vom Auftragsbuch profitieren, hieß es.

  • Die Übernahmeofferte von Silver Lake Management für die Software AG hat Paul Singer auf den Plan gerufen. Sein Hedgefonds Elliott baute dem Vernehmen bei den Darmstädtern eine Aktienposition auf.

  • Chinas Handelsminister hat bei einem Treffen mit Vizekanzler Robert Habeck Besorgnis über deutsche Exportbeschränkungen geäußert.

  • Zur Begrenzung des Verschuldungsgrads will ProSiebenSat.1 die Dividende auf weniger als ein Zehntel senken. Neuer Finanzchef wird Martin Mildner, der das Ressort zuletzt bei United Internet inne hatte.

ANALYSEN:

  • Die europäischen Banken haben nicht unter den Einlagenabflüssen gelitten, die US-Institute heimgesucht haben. Der Zusammenbruch der Credit Suisse scheint ein Einzelfall zu bleiben.

  • Die von der EU vorgeschlagenen neuen Schuldenregeln lassen eine Mehrheit der Mitgliedstaaten ohne ausreichende Mittel zur Finanzierung des Klimawandels zurück.

  • Die EZB düfte laut einer Bloomberg-Umfrage unter Volkswirten ihr Zinserhöhungstempo in der nächsten Woche auf einen Viertelprozentpunkt reduzieren.

AKTIENMÄRKTE | Die Börsen in Asien tendieren am Freitag freundlich. Schub in Tokio brachten Kursverluste beim Yen. Japans Zentralbank behielt ihre ultralockere Geldpolitik unter dem neuen Gouverneur Kazuo Ueda bei, kündigte aber eine Überprüfung an. Die Wall Street schloss am Donnerstag so fest wie seit Januar nicht mehr. Einen Kurssprung von 10% gab es bei der Facebook-Mutter Meta angesichts steigender Werbeeinnahmen. Nachbörslich kletterte die Aktie von Intel mehr als 6%, nachdem der Chipkonzern für den Jahresverlauf eine Margenausweitung in Aussicht stellte. Amazon.com indessen warnte vor nachlassendem Wachstum im Cloud-Geschäft. Für Europa deuten die Futures auf einen etwas festeren Handelsauftakt.

RENTENMÄRKTE | Am europäischen Staatsanleihemarkt überwog am Donnerstag merklich das Verkaufsinteresse. 10j Bunds gingen mit 6 Bp höherer Rendite aus dem Handel, bei italienischen BTP lag das Plus bei 8 Bp. Heute stehen die deutschen Verbraucherpreisdaten im Fokus. Vorläufige Inflationsdaten kommen auch aus Frankreich und Spanien. Für die Eurozone werden heute Zahlen zum Wirtschaftswachstum vorgelegt.

ROHSTOFFMÄRKTE | Der Ölmarkt erholt sich am Freitag den zweiten Tag in Folge etwas vom Preissturz, zu dem es am Dienstag und Mittwoch gekommen war. Mit Blick auf den zu Ende gehenden April steuert der Markt auf den sechsten Monatsverlust in Folge zu angesichts der Sorge vor einer Nachfrageeintrübung in den USA und Asien. Der Goldmarkt geht wie am Donnerstag seitwärts.

TERMINE AM FREITAG

  • Quartalszahlen: Stratec, Covestro, Fuchs Petrolub, Mercedes-Benz, Wacker Chemie, OMV, Drägerwerk, Erste Group Bank, Electricite de France, Remy Cointreau, Eni, Sony, Natwest, Sto, Allgeier, Kuka,

  • Hauptversammlungen: Bayer, Merck KGaA, Schweizerische Nationalbank

  • Deutsche Verbraucherpreise: NRW (07:30), Bayern, Brandenburg, Hessen (10:00), bundesweit (14:00)

  • Sonstige Konjunkturdaten: BIP Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, EU; Import-/Exportpreise, Arbeitsmarktdaten; Inflation Frankreich, Spanien

  • Bank of Japan, Zinsentscheidung

  • US-Quartalszahlen: Chevron, Exxon

  • 15:00 Informelles Treffen der Eurogruppe

  • Verdi, Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS), Fortsetzung der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Luftsicherheitsbereich

  • Ratingüberprüfung für EFSF (Moody’s); ESM (Moody’s); Finnland (S&P); Frankreich (Fitch); Schweden (S&P); EFSF (Fitch)

--Mit Hilfe von Boris Groendahl.

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