Chinesischer Apple-Rivale will an die Börse – 100 Milliarden Dollar Firmenwert


Es ist ein Paukenschlag für die Weltbörsen: Der global viertgrößte Smartphone-Hersteller hat seine Bewerbungsunterlagen für einen Gang an die Hongkonger Börse eingereicht. Noch in diesem Jahr will der Technikkonzern Xiaomi aufs Parkett gehen.

In den Dokumenten hat der Konzern nicht offengelegt, welche Summe er durch den Börsengang einsammeln möchte. Mit dem Deal vertraute Banker sagten jedoch, dass sich das Erlösziel auf zehn Milliarden Dollar belaufen werde, wie die in Hongkong erscheinende Zeitung South China Morning Post meldet.

Damit läge der geschätzte Marktwert des vor acht Jahre vom Chinesen Lei Jun gegründeten Unternehmens bei 100 Milliarden Dollar und somit noch vor dem chinesischen Google-Rivalen Baidu und dem E-Commerce-Riesen JD.com. Es wäre dann der drittgrößte chinesische Technologiekonzern hinter Tencent und Alibaba. Der Börsengang wäre der größte eines chinesischen Technologieunternehmens seit Alibabas 25-Milliarden-Dollar-Debüt im Jahr 2014.


Xiaomi bedeutet auf Chinesisch „Hirse“ und verkauft seine Geräte in 74 Länder. Nach Angaben des Gründers Lei Jun stammen 70 Prozent des Umsatzes aus dem Vertrieb von Smartphones. Andere smarte Geräte wie Luftfilter, Staubsauger und Wasserreiniger machen weitere 20 Prozent aus.

Durch die für den Börsengang eingereichten Unterlagen konnte die Öffentlichkeit zum ersten Mal Einsicht in die Finanzen des lange verschlossen agierenden Unternehmens gewinnen. Demnach liegt Xiaomis Umsatzerlös bei 18 Milliarden Dollar, davon stammen fünf Milliarden aus Geschäften in Übersee. Der Betriebsgewinn verdreifachte sich letztes Jahr auf mehr als 1,9 Milliarden Dollar.

Durch die Ausgabe von Vorzugsaktien an Investoren verzeichnete Xiaomi dennoch einen Nettoverlust von 6,9 Milliarden Dollar. Würde man diesen Sonderposten, der üblicherweise vor einem Börsengang anfällt, von der Bilanz abziehen, dann hätte Xiaomi 2017 einen Gewinn von 850 Millionen Dollar gemacht, wie aus den Unterlagen hervorgeht.

Allein im ersten Quartal 2018 lieferte der Konzern 27 Millionen Smartphones aus. Smartphones brachten im vergangenen Jahr mit gut 80 Milliarden Yuan rund 70 Prozent der Xiaomi-Erlöse ein. Die technisch hochgerüsteten, aber vergleichsweise günstigen Computer-Telefone, die online verkauft werden, hatten Xiaomi groß gemacht. Auf vernetzte Geräte und andere Elektronik entfiel 2017 rund ein Fünftel des Geschäfts. China blieb mit einem Umsatzanteil von 72 Prozent der wichtigste Markt von Xiaomi. 2015 wurden im Heimatland aber noch 94 Prozent der Erlöse erwirtschaftet.

Mit einem globalen Marktanteil von 7,5 Prozent liegt Xiaomi hinter Samsung, Apple und Huawei auf dem vierten Platz, zeigen Daten des Analysehauses Counterpoint Research. Aufgrund dieses Erfolgs und Xiaomis Wettbewerbsposition, meint Analyst Jia Mo von Canalys in Shanghai, habe die Firma den aktuellen Zeitpunkt für einen Börsengang gewählt.


Der Analyst urteilt aber auch, Xiaomi versuche mit dem Gang aufs Parkett, sein Image als reiner Smartphone-Hersteller abzuwerfen. Stattdessen wolle die Firma zunehmend als Technologieunternehmen wahrgenommen werden. „Davon hängt auch ihr Erfolg an der Börse ab“, sagt Mo. In China sei im ersten Quartal der Absatz von Handys um 21 Prozent zurückgegangen. In Indien wiederum erfreut sich Xiaomi großer Beliebtheit und ist mit einem Marktanteil von 31 Prozent der größte Handy-Verkäufer des 1,3-Milliarden-Einwohner-Lands.

Der Konzern gab an, 30 Prozent des durch den Börsengang eingesammelten Gelds solle in die Forschung und Entwicklung zu den Themen künstliche Intelligenz und Internet der Dinge fließen. Weitere 30 Prozent will Xiaomi in die globale Expansion stecken. 10 Prozent sollen Teil des Geschäftskapitals werden. Die verbleibenden 30 Prozent sollen in den allgemeinen Forschungsetat fließen.

In Hongkong können seit Dezember 2017 Aktien mit geminderten Anteilsrechten emittiert werden. Laut Jia ist das ein Grund, weshalb Lei, der weiterhin 31,4 Prozent Anteile am Unternehmen halten wird, Hongkong als Börsenplatz ausgewählt hat, und nicht die chinesischen Festlandsbörsen oder den Finanzplatz New York.

Ende März hatte Xiaomi sein neues Modell Mi Mix 2S präsentiert – damit will das Unternehmen zu den Marktführern Apple und Samsung aufschließen. Dementsprechend gab sich Gründer Lei Jun bei der Vorstellung in Schanghai wenig bescheiden: „Wir vergleichen es mit dem iPhone X, weil die Leute sagen, es sei das beste Smartphone“, sagte Lei. „Wir wollen einfach zeigen, dass wir den Branchenbesten bei vielen Features übertroffen haben.“

Für die Hongkonger Börse läutet die Entscheidung von Xiaomi eine neue Phase für die Stadt ein. Hongkong hat Ambitionen, mit dem US-Markt zu konkurrieren. Vor vier Jahren hatte Alibaba noch die New Yorker Wall Street für den Börsengang gewählt.