Skurriler Backstage-Ärger für WWE-Riesen

Martin Hoffmann
Big Cass ging in diesem WWE-Segment bei SmackDown Live weiter als abgesprochen

Es war eines der skurrilsten WWE-Segmente des Jahres. Und die Geschichte dahinter ist noch skurriler.

Wie das gut informierte Portal Pro Wrestling Sheet berichtet, hat sich Wrestling-Riese Big Cass Ärger mit den Liga-Bossen eingehandelt - weil er einen kleinwüchsigen Doppelgänger seines Rivalen Daniel Bryan länger verprügelte als im Drehbuch vorgesehen.

Womöglich ist das der Grund dafür, dass der 2,13-Meter-Mann bei der jüngsten Großveranstaltung Backlash eine recht ruhmlose Niederlage einstecken musste.

Big Cass wendet sich an Vince McMahon

Stein des Anstoßes war ein Segment in der letzten Ausgabe der TV-Show SmackDown Live vor Backlash: Cass (bürgerlich: Colin Cassady) sollte darin den abwesenden Bryan verhöhnen, indem er eine Mini-Version seines Gegners beleidigte und zum Schluss attackierte.

Cass verpasste dem kleinen Bryan einen Big Boot, also einen Tritt gegen den Kopf. Laut Skript sollte dies auch der Abschluss des Segments sein, Cass allerdings hielt es für einen guten Einfall, hinterher noch mit Faustschlägen nachzulegen.

Die zuständigen Producer der Show lehnten diesen Vorschlag ab - worauf der 130-Kilo-Mann seine Idee an WWE-Boss Vince McMahon herangetragen haben soll. Von dem bekam er ebenfalls eine Abfuhr (SPORT1 erklärt: So funktioniert die Showkampf-Liga WWE).


WWE-Verantwortliche sauer

Cass ließ sich jedoch nicht von seiner fixen Idee abbringen und brachte die Hiebe trotzdem an. Der 31-Jährige verärgerte damit die Verantwortlichen.

Dass an dieser Geschichte etwas dran ist, zeigt ein Blick auf die digitale Zweitverwertung des Segments: Cass' Schläge wurden aus dem offiziellen YouTube-Video von WWE herausgeschnitten, auch in der Bildergalerie auf der Homepage findet sich die Szene nicht.


Auffällig: Wenige Tage nach dem Ärger verlor Cass bei Backlash überraschend klar gegen rund 35 Kilo leichteren Bryan. Der steht als etablierter Topstar zwar höher in der Hierarchie, die Art und Weise, wie Cass verlor, sorgte aber für Verwunderung: Er geriet in den Aufgabegriff Yes Lock und klopfte in Sekundenschnelle ab.

Am kritischen Punkt seiner Karriere

Die Strafe für sein Verhalten bei SmackDown? Es ist nicht erwiesen, würde aber ins Bild passen. Es kommt immer wieder vor, dass Wrestler für missliebiges Backstage-Verhalten vor der Kamera gedemütigt werden - man denke an den Fall Baron Corbin.

Einen Gefallen wird Cass sich mit seiner Dickköpfigkeit gewiss nicht getan haben: Das frisch aus einer längeren Verletzungspause zurückgekehrte Big-Man-Talent befindet sich gerade an einem kritischen Punkt seiner Karriere, an dem sich bald entscheiden wird, ob WWE ihm einen dauerhaften Push gewährt, ihn als Topstar inszeniert oder fallen lässt. Zu große Eigenwilligkeit kommt bei denen, die darüber zu entscheiden haben, erfahrungsgemäß nicht gut an. Bryan selbst wurde einst sogar zwischenzeitlich gefeuert, weil er bei einem seiner ersten Auftritte - dem legendären Debüt der Gruppierung Nexus - Ringsprecher Justin Roberts unabgesprochen mit dessen Krawatte würgte.


Ganz haben die WWE-Oberen allerdings nicht den Stab über Cass gebrochen: Er durfte Bryan nach der Niederlage attackieren und damit eine Fortsetzung der Fehde gegen den früheren World Champion einleiten.