Wie Skoda die Zwei-Millionen-Marke knacken will

Skoda greift in den kommenden Jahren immer mehr die große Schwester Volkswagen an – das Ziel sind zwei Millionen Autos pro Jahr. Klappen soll das mit neuen SUV und erstmals einem echten Konkurrenten für den Golf.


Die Zeiten, in denen Skoda allein auf einen günstigen Preis und ein paar nette „Simply-Clever-Details“ achtete und sich mit Konkurrenten wie Ford, Opel oder Toyota beschäftigte, scheinen endgültig vorbei zu sein. Wer sich das Modellportfolio für die kommenden Jahre anschaut, merkt schnell, dass auch die Zeiten von Zurückhaltung im eigenen Konzern der Vergangenheit angehören.

Denn, dass der Superb einem VW Passat mächtig zusetzt und unter Firmenautos selbst bei den Einstiegsvarianten eines Audi A6 räubert, ist nichts Neues. Doch es kommt noch dicker, denn besonders der neue Skoda Spaceback setzt den VW Golf unter Druck. Vielleicht nicht in Ländern wie Deutschland, der Schweiz oder England, doch in Regionen, wo der Golf auf keinem güldenen Modellthron parkt, könnte das neue Kompaktklassemodell der Tschechen eine echte Chance haben.

Optisch orientiert sich der rund 4,30 Meter lange Fünftürer besonders von vorn am 2018 frisch überarbeiteten Skoda Fabia. Der bekommt an Gesicht und am Heck mit LED-Leuchten mehr Konturschärfe und genau die kommt auch dem kommenden Golf-Bruder zugute, der seinen Namensannex Rapid wohl verlieren dürfte und dann nur noch als Skoda Spaceback auf Kundenfang geht. Der alte Ostcharme stehe der Kundenansprache im Wege – so hört man aus Skoda-Kreisen.




Im Vergleich zum derzeit recht blassen Spaceback, der bevorzugt über günstige Preise in den Markt gedrückt wird, wirkt der 2019 vorgestellte Nachfolger deutlich schicker. Ist die Front trotz des breiteren Kühlergrills allzu eng mit dem Fabia verwandt, wird das Heck die Schokoladenseite mit breiten Rückleuchten und einer schwarzen Glasheckscheibe, die sich effektvoller als beim aktuellen Modell bis zum Nummernschild zieht. Der lange Radstand sorgt für ein großzügiges Raumangebot für bis zu fünf Personen und einen Laderaum, der die 400-Liter-Marke deutlich knacken dürfte.

Der neue Octavia wird eine Klasse größer

Das Motorenportfolio aus dem Volkswagen-Konzernregal bietet seine Überraschungen. Insbesondere effiziente Turbobenziner mit drei und vier Zylinder und einem Leistungsspektrum zwischen 95 und 150 PS sollen für die entsprechende Kundennachfrage sorgen. Das Dieselangebot sollte zwischen 90 und 150 PS liegen. Der Kunde hat dabei die Wahl zwischen Sechsgang-Handschaltung und Siebengang-Doppelkupplung.

Ein Allradantrieb bleibt dem Skoda Spaceback ebenso vorenthalten wie dem Spaceback SUV, dessen Namen noch nicht endgültig feststeht. Er wirkt insbesondere durch seinen langen Radstand und die blasse Seitenlinie nebst gesichtsloser Front eher wie ein Kombi, denn als ein echter SUV. Hier hätte Skoda ebenso mehr riskieren können wie Volkswagen bei seinem Polo-SUV namens T-Cross.




Mehr Dynamik in die Marke soll der kommende Skoda Octavia bringen. Ehemals ein tschechischer VW Golf mit Stufenheck zum Schnäppchenpreis klettert mit völlig neuem Design und leicht gewachsenen Abmessungen eine Klasse nach oben und schließt ab 2019 die Lücke zwischen Spaceback und Superb. Wie seine Brüder basiert auch er auf dem modularen Querbaukasten des Volkswagen-Konzerns.



Das erste Elektroauto kommt 2020


Statt der schwachen Einstiegsmotoren gibt es auch technisch eine Höherpositionierung und somit auch einen entsprechenden Nachschlag bei Leistung, Komfort und besonders den zukünftigen Fahrerassistenzsystemen. Anzunehmen, dass er ab 2020 den gleichen Plug-In-Hybridantrieb bekommt, mit dem Skoda ab 2019 bereits seinen Superb und den Superb Kombi ausstattet. Das Antriebsmodul ist weitgehend identisch mit dem des aktuellen VW Passat GTE. Dessen 115 PS starkes Elektromodul sorgt derzeit für eine Gesamtleistung von 218 PS und 222 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die maximale Reichweite wird jedoch durch eine Vergrößerung des 120 Kilogramm schweren Akkupaketes auf 70 Kilometer steigen, um die strengeren Vorgaben speziell in China zu erfüllen.




Bis die neuen Modelle Spaceback, Octavia und besonders der Elektro-SUV in 2020 kommen, müssen Modellpflegen die Skoda-Kunden bei Laune halten. Hier bekommen Fabia und Superb leichte Retuschen, die sich in erster Linie auf Front und Heck sowie die Lichttechnik beschränken, wo auf LED-Module umgestellt wird und mehr Chrom das Topmodell Skoda Superb noch begehrlicher als ohnehin schon macht.

Drei SUV bis 2020

Aus dem SUV-Einzeldarsteller Kodiaq wird bereits ab diesem Winter ein Duett aus Kodiaq und dem kleinen Bruder Karoq, ehe 2019 / 2020 dann der Einsteiger-SUV aus der Spaceback-Familie dazukommt. Bis dahin sollte Skoda seine Produktionsprobleme dann auch spätestens im Griff haben, denn aktuell sind die Wartezeiten besonders auf die SUV oft bis zu einem halben Jahr.




Freuen können sich die Fans des bis zu siebensitzigem Skoda Kodiaq jedoch nicht nur auf eine Plug-In-Version, sondern zeitnah auch auf eine RS-Sportvariante. Der wird vom bekannten Zweiliter-Bi-Turbodiesel angetrieben, der derzeit bereits VW Passat und Tiguan mit seinen 240 PS mächtig Beine macht. Sollte auch eine Nachfrage nach einem RS-Benziner bestehen, steht ein 280 bis 300 PS starkes Zweiliter-Triebwerk bereit. Speziell für den chinesischen Markt soll zudem eine Coupé-Variante des Skoda Kodiaq mit nur fünf Sitzplätzen folgen. Er soll insbesondere die Konkurrenz von Mazda CX-4, BMW X4 und Mercedes GLC angreifen. Skoda scheint auf seinem Weg zu 1,5 und dann 2,0 Millionen Fahrzeugen pro Jahr kaum zu stoppen.