Skispringen: Heinz Kuttin knöpft sich seine Adler vor

Im Nordischen Bereich des ÖSV bleibt kaum ein Stein auf dem anderen - und das ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in Seefeld. Der schwer angeschlagene Skisprung-Cheftrainer Heinz Kuttin hört auf, teilte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit. Und Ex-Kombinierer Mario Stecher folgt auf den bisherigen Sportlichen Leiter Ernst Vettori.

Die ÖSV-Skispringer verlassen auch den zweiten Saisonhöhepunkt nach der Tournee mit leeren Händen. Clemens Aigner, Manuel Poppinger, Michael Hayböck und der Einzel-Vierte Stefan Kraft mussten sich im Teambewerb der Skiflug-Titelkämpfe in Oberstdorf mit Rang fünf, dem bisher schlechtesten WM-Abschneiden, zufriedengeben. Gold ging wie schon 2016 an die favorisierten Norweger.

Einzelweltmeister Daniel Andre Tande, Robert Johansson, Andreas Stjernen und Johann Andre Forfang gewannen überlegen vor Slowenien, Polen und Deutschland. Während seine österreichischen Trainerkollegen Alexander Stöckl mit den Siegern und Stefan Horngacher mit Polen über neuerliche Medaillen jubeln durften, war Heinz Kuttin ziemlich geladen.

Kuttin: "Irgendwann reicht es"

Der ÖSV-Cheftrainer nahm seine Schützlinge mit ungewohnt scharfen Worten in die Pflicht. "Wir sind enttäuscht, das war nicht gut. Wir haben sehr viel getan, sehr viel gearbeitet, aber wir bringen es nicht in den Wettkampf rein. Jetzt werde ich viele Sachen abstellen", polterte Kuttin. Erholung außerhalb des Teamgefüges sei zuletzt zu kurz gekommen. "Regenerationszeit ist das Wichtigste, da haben die Burschen einfach zu wenig. Da müssen sie sich selber bei der Nase nehmen, das wird einer der wichtigsten Punkte sein."

Nach dem ersten medaillenlosen Abschneiden in seiner Amtszeit sei seine Geduld erschöpft. "Irgendwann reicht es, sie können viel mehr. Du musst arbeiten, Vertrauen geben, du musst aber auch mal einen Tritt in die Hintern geben", betonte der Kärntner.

An der Fitness und der Technik scheitere es jedenfalls nicht. "Alle sind körperlich fit, springen technisch gut und wir sind mit dem Material dabei - außer bei den Norwegern", sagte Kuttin und verteilte einen kräftigen Seitenhieb auf die Anzüge der Sieger. "Das sind eigene Stoffe, sie fliegen, sie schauen auch sehr groß aus - es wird alles passen für die Norweger, für uns war es anders. Irgendwas Gutes ist da drinnen, dass sie so gut fliegen", sagte Kuttin über die matt-dunkle Bekleidung. Die Norweger waren demnach auch schon am Kulm mit diesen Anzügen angetreten und hatten auch dort dominiert.

ÖSV-Adler im Teambewerb chancenlos

Seine Truppe war aber auch gegen Slowenien, Polen und Deutschland völlig chancenlos. Mit dem angeschlagenen Hayböck und ohne die nicht nominierten Gregor Schlierenzauer und Manuel Fettner war Bronze im Feld von lediglich acht europäischen Nationen (u.a. fehlte Japan) mehr als 100 Punkte entfernt. Auf die Norweger waren es mehr als 170. Vor zwei Jahren am Kulm hatten Kraft, Hayböck, Fettner und Poppinger noch Bronze geholt.

WM-Debütant Aigner (200 m/202 m) reihte sich zu Beginn an der fünften Stelle ein, dabei blieb es auch nach den wenig berauschenden Flügen von Poppinger (194,5/208), des leicht am Unterarm verletzten Hayböck (187/212) und Kraft (200/202).

Kraft: "Ich bin nicht am Grübeln"

Der erfolgsverwöhnte Kraft war dementsprechend geknickt. "Wir sind natürlich enttäuscht, wir müssen uns zusammennehmen und nach vorne schauen. Das Wunder ist leider ausgeblieben", meinte der Doppelweltmeister von Lahti. Ihm selbst und dem restlichen Team fehle einfach die gewisse Leichtigkeit und Lockerheit.

Bis Olympia habe man aber noch etwas Zeit. "Wir haben noch zwei, drei Wochen, wieder näher ranzukommen", so Kraft. Für sich selbst mache er sich aber keine Sorgen. "Ich werde mich körperlich super vorbereiten, ich bin nicht am Grübeln, dass es nicht hinhauen wird", sagte der im Saisonverlauf dreimal drittplatzierte Salzburger.

Hayböck nahm nach seinem Sturz mit den passablen Flügen trotz der Verletzung am Unterarm auch etwas Positives mit. "Jetzt fahre ich mit einem besseren Gefühl weg als mit einem Sturz als letzten Sprung. Zumindest für mich hat es sich ausgezahlt, dass ich die Zähne zusammengebissen habe."

Viel Zeit zum Wundenlecken bleibt aber nicht. Vor der Olympia-Einkleidung am Dienstag steht noch ein gemeinsames Training in Planica an, ehe es weiter zum Weltcup nach Zakopane geht. Dort sind dann voraussichtlich auch wieder die zuletzt formschwachen Schlierenzauer und Fettner dabei.

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