Skispringen: DSV-Adler enttäuschen beim Skifliegen

Erst sportliche Flaute, dann Absage wegen starker Winde: Die deutschen Skiflug-Asse Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler haben eine WM-Generalprobe zum Vergessen hingelegt.

Erst sportliche Flaute, dann Absage wegen starker Winde: Die deutschen Skiflug-Asse Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler haben eine WM-Generalprobe zum Vergessen hingelegt.

Am Kulm in Bad Mitterndorf war Eisenbichler am Samstag als Zehnter noch der beste der enttäuschenden DSV-Adler, am Sonntag fiel der letzte Wettkampf vor den am Donnerstag in Oberstdorf beginnenden Weltmeisterschaften wegen zu gefährlicher Bedingungen aus.

"So ganz einfach ist es nicht zu erklären, woran es gefehlt hat", sagte Wellinger, nachdem er auf dem riesigen Bakken in der Steiermark beim Sieg des Norwegers Andreas Stjernen nur 15. geworden war: "Im ersten Durchgang war ich zu früh, da bin ich nicht ins Gleiten gekommen. Irgendwie fehlt noch die Leichtigkeit."

Weder der 22 Jahre alte Team-Olympiasieger noch der deutsche Rekordhalter Eisenbichler konnten ihre großen Ambitionen für die Titelkämpfe in Oberstdorf untermauern.

Hoffen auf Richard Freitag

Die Hoffnungen liegen nun einerseits auf der Rückkehr des nach seinem Sturz von Innsbruck in Bad Mitterndorf fehlenden Richard Freitag. Andererseits darauf, dass beim "Wellenbichler"-Duo der Knoten kurzfristig platzt.

"Ich fahre auf jeden Fall mit Optimismus zur WM", sagte Eisenbichler nach der in seinen Augen gerechtfertigten Absage ("Sicherheit geht vor") am Sonntag im ZDF: "Ich habe schon gute Sprünge gemacht. Wenn ich besser in die erste Flugphase komme, dann kann ich richtig weit fliegen."

Bundestrainer Werner Schuster meinte: "Der Grat hier am Kulm ist sehr schmal. Wenn man einen kleinen Fehler macht, dann kostet das 20, 30 Meter." Kleine Fehler und keine dicken Böcke waren es bei Wellinger und Eisenbichler - immerhin das stimmte zuversichtlich, zumal die Anlange in Oberstdorf einfacher zu springen ist als der tückische Kulm.

Bei teils starkem Rückenwind auf der "schwierigsten Schanze im Jahr" (Schuster) hatten Eisenbichler und Wellinger schon im ersten Durchgang mit 204,0 bzw. 196,0 m alle Chancen auf eine Topplatzierung verspielt, im zweiten Durchgang gelang Eisenbichler (217,0) und Wellinger (211,5) bei verlängertem Anlauf immerhin Schadensbegrenzung.

Stjernen sprang bei seinem ersten Weltcuperfolg auf 229,0 und 226,0 m. Der 29-Jährige, dessen Vater Hroar ebenfalls einmal im Weltcup gewann, rettete 2,5 Punkte Vorsprung auf seinen Landsmann Daniel Andre Tande, der mit der Tagesbestweite von 240,5 m im zweiten Durchgang noch von Platz sieben vorrückte.

Amman landet auf Rang drei

Dritter wurde der viermalige Olympiasieger Simon Ammann aus der Schweiz, der erstmals seit fast drei Jahren wieder auf dem Podium stand. Der 45 Jahre alte Japaner Noriaki Kasai, Skiflug-Weltmeister von 1992 (!), erzielte als Fünfter sein bestes Saisonergebnis.

Der polnische Überflieger Kamil Stoch, der bei Vierschanzentournee alle vier Springen gewonnen hatte, lag als 21. wie die Deutschen weit zurück. Der bei der Tournee enttäuschende Weltrekordler Stefan Kraft (Österreich) erlitt beim Heimspiel als Neunter den nächsten Rückschlag.

Nicht den Sprung in den zweiten Durchgang schafften zwei der größten Skispringer der Geschichte. Der nach seinem Comeback weiter formschwache Österreicher Gregor Schlierenzauer (28), Skiflug-Weltmeister von 2008, kam mit 173,5 m auf den drittletzten, Tournee-Rekordsieger Janne Ahonen (40), mit 170,0 m auf den vorletzten Platz.

Freitag, der in Oberstdorf mit reichlich Physiotherapie und Training auf dem Fahrrad-Ergometer die Sturzfolgen von Innsbruck bekämpft, ist für die WM fest eingeplant. "Die Chancen stehen gut, dass er starten kann", sagte Schuster. Gerade für den Team-Wettkampf in Oberstdorf ist ein gesunder Freitag unersetzlich.

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