Skandal-Abbruch? So erklärt Gut-Behrami ihr Lustlos-Aus

SPORT1
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Skandal-Abbruch? So erklärt Gut-Behrami ihr Lustlos-Aus
Skandal-Abbruch? So erklärt Gut-Behrami ihr Lustlos-Aus

Mit ihrem kuriosen Abgang hat die Schweizerin Lara Gut-Behrami beim Weltcupfinale der Skifahrerinnen für mächtig Wirbel gesorgt!

Die Gesamtweltcup-Zweite war am Sonntag im Riesenslalom-Lauf in Lenzerheide ohne erkennbaren Grund einfach am vierten Tor vorbeigefahren. Nach rund drei Sekunden war das Rennen für die 29-Jährige schon wieder beendet. (Ski alpin: Rennkalender der Saison 2020/21)

Im Anschluss verschwand die Star-Läuferin zunächst ohne sich selbst zu äußern, nachdem sie den Rest der Strecke mit gesenktem Kopf bis zum Zielbereich hinunterrutschte.

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Warum schied Gut-Behrami früh aus?

Das Seltsame am Aus: Ein Fahrfehler oder körperliche Beschwerden waren bei Gut-Behrami nicht zu sehen.

Stattdessen wirkte es wie ein Lustlos-Aus, scheinbar ohne den Schwung wirklich zu versuchen, fuhr die Schweizerin geradeaus. Das merkwürdige Ausscheiden ließ zunächst viele Fragen offen. Fragen, die zunächst unbeantwortet blieben, weil die 29-Jährige erst einmal auf Tauchstation ging.

Der Schweizer Frauen-Chef Alois Prenn rätselte ebenfalls über die Gründe, Alpin-Direktor Walter Reusser erklärte dem Blick: "Sie sagte, sie sei müde und ausgelaugt."

Statement von Gut-Behrami mit Verspätung

Erst später, am Nachmittag, nahm Gut-Behrami dann selbst Stellung zu dem Vorfall. Offenbar war doch ein körperliches Hemmnis der Grund für ihr Verhalten.

"Ich war den ganzen Morgen schon am kämpfen. Ich wollte trotzdem fahren und es probieren", wird sie im Blick zitiert: "Beim zweiten Tor habe ich gemerkt, dass es alles andere als ein sicheres Hinunterfahren wäre. Und mir ist es wichtiger, dass ich die Saison gesund beende."

Bei ihrer Entscheidung habe sich auch eine alter Verletzung im Hinterkopf gehabt. "Ich habe es versucht, aber es ging heute nicht. Diese Piste ist schwierig. Da brauchst du Spannung, Vertrauen und Energie. Das letzte Mal, als ich es mit der Brechstange probierte, riss ich mir das Kreuzband", erinnerte sich Gut-Behrami.

Mit ihrer Saisonleistung ist sie trotzdem mehr als zufrieden. "Es war eine unglaubliche Saison. Ich werde mich nicht fertig machen, weil ich es am letzten Tag nicht mehr abrufen konnte", erklärte die Athletin weiter. "Wir sind Athleten, aber es ist, glaube ich auch, verständlich, dass es irgendwann einfach nicht mehr geht."

Neureuther findet deutliche Worte

Dass Gut-Behrami zunächst für so viel Wirbel gesorgt hatte mit ihrem merkwürdigen Aus, lag auch an ihrem lautstarken Protest gegen die FIS zuletzt.

ARD-Experte Felix Neureuther zeigte sich stark verwundert über den Auftritt der Doppelweltmeisterin. "Sowas habe ich noch nie gesehen. Entweder war das Arbeitsverweigerung, ein Protest oder sie hatte einfach keine Lust mehr. Das muss irgendeinen Hintergrund haben. So scheidest du nicht aus", stellte der ehemalige Slalom-Star klar: "Geht es gegen den Schweizer Skiverband oder die Organisatoren? Ihr ist alles zuzutrauen."

Von außen betrachtet schien es durchaus denkbar, dass die Aktion von Gut-Behrami als stiller Protest gegen die Entscheidungen des internationalen Ski-Verbandes gerichtet war. Die jüngsten Umstände sprechen für diese Annahme.

Witterungsbedingte Absagen der beiden Speedrennen in Lenzerheide nahmen der 29-Jährigen nämlich die große Chance, den Gesamtweltcup noch zu gewinnen. (Ski alpin: Alle Weltcup-Stände)

Gut-Behrami mit scharfer Kritik an der FIS

Die besonders in Speed-Disziplinen starke Schweizerin hatte zuletzt wegen des geplanten Kalenders gewettert.

"Ich glaube, Fairness ist etwas anderes", hatte Gut-Behrami erklärt. "Es wäre nicht schlecht, wenn die FIS vielleicht irgendwann einmal daran denken würde, dass es gut wäre, wenn wir von Anfang an die gleiche Anzahl Rennen in jeder Disziplin hätten", kritisierte die Weltmeisterin.

Bei 22 Technik-Rennen (9 Slaloms, 9 Riesenslaloms, 4 Parallelrennen) stehen bei den Frauen nur 13 Speed-Events (8 Abfahrten, 5 Super-G) auf dem Plan. Dazu kommen drei Kombinationen - für Gut-Behrami insgesamt also weniger gute Aussichten in Zukunft.

Der Gesamtweltcup ging diese Saison jedenfalls an die Slowakin Petra Vlhova. Seit dem Slalom am Samstag hatte Gut-Behrami keine Möglichkeit mehr, die Konkurrentin zu verdrängen.

Die öffentliche Kritik an ihrem Aus und der folgende Shitstorm in Sozialen Medien blendete Gut-Beharmi aus.

"Ich habe meinen Weg gefunden, meine Balance", verkündete die streitbare Schweizerin am Sonntag: "Ich weiß, wem ich vertrauen kann. Und ich habe verstanden, dass ich nicht alle mögen muss und mich nicht alle mögen müssen."