"Jetzt reicht's einfach mal!" Warum der Ski-Boss Flick dankbar ist

Andreas Pfeffer
·Lesedauer: 3 Min.

Dreimal WM-Silber!

Deutschland hat bei der Ski-WM in Cortina d'Ampezzo die Erwartungen bereits übertroffen. Kira Weidle, Romed Baumann und Andreas Sander haben so beeindruckend vorgelegt, dass selbst der sonst eher fordernde Alpindirektor Wolfgang Maier positiv überrascht wurde. (Ski alpin: Alle Rennen im LIVETICKER)

"Die Favoriten setzen sich zwar oft durch, aber im Endeffekt kann jeder der besten 20 Rennfahrer*innen der jeweiligen Disziplin ein Rennen gewinnen. Deshalb haben wir die Möglichkeit gesehen, zwei Medaillen gewinnen zu können", verrät Maier im Gespräch mit SPORT1 seine ursprüngliche Erwartungshaltung. (Weltcup-Stände im Ski alpin)

Sander fuhr im Rennen seines Lebens überraschend zu Silber in der Abfahrt, zuvor sorgten schon Baumann (Super-G) und Weidle (Abfahrt) für völlig unerwartete Silbermedaillen.

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Maier unterstützt Flick nach Lauterbach-Kritik

Doch trotz des Medaillen-Rauschs schlägt der deutsche Ski-Boss Alarm - und lobt Trainer Hansi Flick vom FC Bayern.

Der Sextuple-Coach hatte am Wochenende den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach nach dessen Kritik an Bayerns Katar-Reise angegriffen und ihn als "sogenannten Experten" bezeichnet.

DSV-Sportdirektor Maier fühlt sich durch Trainingsverbote in der Jungend von der Politik massiv ausgebremst. "Ohne Nachwuchs überlebt keine Nationalmannschaft. Egal, in welcher Sportart. Dass man den Kleinen die Lebensfreude nimmt, das kann ich nicht verstehen", wettert der Funktionär und offenbart sich als Unterstützer von Flick: "Ich war auch total happy, dass Hansi Flick auch mal gesagt hat: Jetzt reicht's einfach mal."

Maier kritisiert Corona-Politik

"Wir sind leider die einzige Nation, die während der Pandemie keine Kinder mehr in den Skisport bringen darf", poltert der Ski-Boss. Andere Länder hätten zwar auch Lockdowns, "aber die Italiener, die Franzosen und die Schweizer haben das alle cleverer gemacht. Sie geben Kindern zumindest die Möglichkeit, sich noch im Skisport zu bewegen."

Nicht so Deutschland. Nur 200 Kinder, die in der Gesamtförderung sind, dürften aktuell trainieren. "Wir haben sehr gute Hygienekonzepte erstellt. Trotzdem hat in erster Linie die bayerische Staatsregierung alles untersagt", klagt Maier und verweist auf Österreichs Präsidenten, der sagt, er bringe im Schnitt 120.000 Kinder in den Schnee.

Der Kurs der deutschen Regierung im Umgang mit Nachwuchssportlern in Pandemie-Zeiten sei dagegen ein großes Problem.

"Die Hygienekonzepte sind extrem gut entwickelt worden: Kinder dürfen nur einzeln den Lift nutzen, wir haben die Maskenpflicht kontrollieren lassen. Wir haben alles gemacht, was man von uns wollte und trotzdem lässt man die Kinder nicht trainieren", ärgert sich der 60-Jährige.

Andere Nationen können Deutschland davonfahren

Ohne die nötigen Grundlagen sieht er für die Zukunft schwarz.

"Ein Spitzensportverband wie der DSV kann nur Leistung generieren, wenn die Vereine unsere Kinder in den Schnee bringen können. Und ich finde es nicht mehr verhältnismäßig, was man hier gerade betreibt", sagt Maier und fordert: "Lasst die Kleinen doch einfach in die Natur raus und Sport machen. Sport ist eine Lösung der Pandemie und nicht der Verursacher."

Man müsse nun befürchten, dass andere Nationen den Deutschen in den nächsten Jahren davonfahren. "Das ist zu erwarten", blickt Maier skeptisch in die Zukunft: "Den Trainingsvorsprung kann man in dieser Zeit nicht so einfach wieder aufholen."

Dabei wäre gerade durch die Sensations-Silbermedaillen gerade jetzt die Chance für den DSV so groß, wie der Sportdirektor wehmütig erklärt: "Viele Menschen sind total geflasht von den Bildern und den Ergebnissen in Cortina. Jetzt werden die Idole kreiert, denen Kinder nacheifern möchten."