Ski Alpin: Veith: "War mir sicher, dass es vorbei ist"

Anna Veith kehrt diese Woche in Lake Louise wieder auf die Rennpisten zurück. Die Olympiasiegerin musste nach ihrer schweren Verletzung von 2015 eine ganze Saison pausieren und ihr Comeback im Vorjahr für eine neuerliche Knieoperation abbrechen.

Anna Veith kehrt diese Woche in Lake Louise wieder auf die Rennpisten zurück. Die Olympiasiegerin musste nach ihrer schweren Verletzung von 2015 eine ganze Saison pausieren und ihr Comeback im Vorjahr für eine neuerliche Knieoperation abbrechen.

Nun fühlt sich die Salzburgerin (28) deutlich besser und bereit für einen neuerlichen Versuch. "Ich brenne aufs Rennfahren" sagt Veith im APA-Interview.

Frage: Sie kehren diese Woche nach einer langen und schwierigen Aufbauphase in Lake Louise auf die Rennpisten zurück. Mit welchem Gefühl?

Anna Veith: Ich freue mich sehr darauf. Die Trainingsphase war sehr lange und es war wichtig, Kilometer zu sammeln. Nun brenne ich doch schon sehr aufs Rennfahren. Ich bin bereit.

Frage: Sie waren in den Saisonen 2014 und 2015 in vielerlei Hinsicht die Beste der Welt. Wo stehen Sie im Vergleich dazu heute?

Veith: Natürlich noch nicht dort. Aber ich habe meine Erfahrungen gemacht und versucht, körperlich besser zu werden. Ich bin sicher einige Schritte weiter als letztes Jahr, aber natürlich noch nicht dort.

Frage: Wie war der Weg zurück und wo, denken Sie, stehen Sie?

Veith: Die ersten Schneetage waren sehr emotional. Ich habe mir bewusst Zeit genommen fürs körperliche Training, um wieder stärker zu werden und schlussendlich wieder besser Skifahren zu können. Es ist alles sehr gut gelaufen und eigentlich bin ich vor dem Plan. Ich bin daher sehr zufrieden, wie es gelaufen ist.

Frage: Ihre Knie diktieren den Fortschritt haben Sie zuletzt gesagt. War es so?

Veith: Richtig. Ich habe zwar relativ schnell mein Gefühl fürs Skifahren wieder gefunden. Die Hürde für mich war immer das Körperliche sowie die Steigerung im Training so zu machen, dass meine Knie nicht überreagieren. Das ist gelungen. Es haben immer Anpassungen stattgefunden, es war nie ein Rückschritt da.

Frage: Was war die größte Herausforderung beim letzten Training in Nordamerika?

Veith: Das Gefühl fürs Skifahren war wie gesagt rasch wieder da. Aber ich konnte nicht gleich auf Hundert steigern, sonst wäre ich gleich wieder zurückgefallen. Bei Sehnenverletzungen erfolgt die Anpassung über lange Zeit. Ich war gefordert, geduldig zu bleiben und nicht zu viel zu wollen, Pausen zu machen. Es war eine echte Geduldsprobe.

Frage: Sie sind vergangene Saison - verspätet - erstmals in den Weltcup zurückgekehrt und mussten wieder abbrechen. Wo stehen Sie im Vergleich dazu heute?

Veith: Körperlich ist es kein Vergleich. Letztes Jahr hatte ich ständig Schmerzen. Vor allem das rechte Bein hatte viel weniger Muskulatur, deshalb habe ich mir damals weniger zugetraut. Es gab gute Tage wie in Cortina und weniger gute wie in Garmisch. Daran habe ich gearbeitet, deshalb stehe ich jetzt auf ganz anderem Level da.

Frage: Sind Sie im Vorjahr zu früh zurückgekehrt? War es ein Fehler?

Veith (schmunzelt): Wenn man auf den Verletztenstatus und die Weltrangliste schaut, schaut es so aus. Aber wenn man sieht, was ich gelernt habe, war es das absolut Richtige. Ich war zum Zeitpunkt des Einstiegs über eineinhalb Jahre weg vom Rennfahren. Ich brauchte die Rennerfahrung und das Gefühl, um weitermachen zu können. Das Skifahren hatte ich ja nicht verlernt, es fehlte nur an den körperlichen Voraussetzungen.

Frage: Speziell die Saison 2015 war am Ende eine wahre Schlacht um die große Kugel. Dann kam im Herbst die schwere Verletzung. Haben Sie damals daran gedacht, aufzuhören?

Veith: In dem Moment der Verletzung war ich mir sicher, dass es vorbei ist. Die zwei Saisonen vorher haben so viel Kraft verbraucht. Als ich hörte, dass die Patellasehne gerissen ist, war für mich klar, das war's, es wird wohl nicht mehr gehen.

Frage: Was hat Sie bewogen, doch weiterzumachen?

Veith: Mein Umfeld hat mir den Rücken gestärkt. Ich habe gemerkt, wer aller für mich da ist und dass ich gar nicht aufgeben kann. Aber es war bald klar, dass es eine harte Zeit wird.

Frage: Was haben Sie dann konkret getan?

Veith: Mich darauf konzentriert, gesund zu werden. Aber oft habe ich mich gefragt, ob das mit dem Skifahren noch Sinn macht, weil es demotivierende Phasen gab, in denen nichts mehr weiterging. Aber Gott sei Dank auch Tage, wo mir klar war, Skifahren ist mein Leben. Es war eine extreme Achterbahnfahrt.

Frage: Und heute?

Veith: Heute bin ich extrem glücklich, dass die Entscheidung für das Skifahren gefallen ist. Ich spüre es nun wieder jeden Tag, dass das meine Leidenschaft ist und dass das Feuer wieder da ist.

Frage: Sie sind zweifache Weltcup-Gesamtsiegerin, Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin. Unter welchem Motto steht der kommende Karriereteil?

Veith: Es ist ein Bonus. Ich muss keinem mehr was beweisen, ich tu' das nur noch für mich. Ich denke, ich kann es auch mehr genießen, weil ich nun weiß, dass das alles nicht selbstverständlich ist.

Frage: Sie haben durch den Markenwechsel von Cornelia Hütter nun eine "Teamkollegin" bei Head. Wie arbeiten Sie zusammen?

Veith: Wir haben den gleichen Servicemann und profitieren voneinander. Conny war auch verletzt und hat später als die anderen begonnen. Aber sie war in Chile und hat die neuen langen Ski dort auf Schnee gebracht und viele Kilometer gemacht. Also hat sie mir Arbeit abgenommen. Sie profitiert umgekehrt von meiner Erfahrung. Also sind wir ein gutes Team.

Frage: Wie lauten Ihre konkreten Erwartungen für die Rückkehr in Lake Louise?

Veith: Es ist perfekt, dort anzufangen. Ich kenne die Strecke ja sehr gut und möchte mir im Training eine gewisse Sicherheit holen. Von der Abfahrt selbst erwarte ich keine Wunderdinge, ich bin in den letzten zwei Jahren ja genau sechs Tage Abfahrt gefahren. Der Super-G ist die Disziplin, in der ich mich am sichersten fühle. Hier kann ich den Rückstand vielleicht am schnellsten wettmachen.

Frage: Worauf freuen Sie sich besonders?

Veith: Das Gefühl, am Start eines Rennens zu stehen, ist definitiv mit nichts zu vergleichen. Ich brenne extrem drauf. Mir ist es beim Zuschauen nicht gut gegangen, weil ich gerne schon in Killington gefahren wäre. Aber ich bin noch nicht so weit. Umso mehr freue ich mich, dass es nun in Lake Louise für mich los geht.

Frage: Wie geht dann der Winter in punkto Einsätze weiter?

Veith: Nach Kanada geht es nach St. Moritz, dann Val d'Isere und so weiter. Vielleicht probiere ich im Jänner mal den Riesentorlauf, es muss passen. Ich habe ja eine Nummer nach den 30.

Frage: Sie haben jetzt auch in Nakiska trainiert, wo David Poisson kürzlich tödlich verunglückt ist. War das Thema hier für Sie beim Training?

Veith: Wenn man hier auf der Piste ist, wird man einfach immer wieder mit dem Tod von David konfrontiert und denkt schon sehr viel drüber nach. Aber wenn man selbst fährt, muss man einfach fokussiert bleiben und konzentriert arbeiten.

Frage: In Österreich hat Ex-Rennläuferin Nicola Werdenigg sexuelle Übergriffe im Skiteam angeprangert. Ihre Meinung dazu?

Veith: Ich denke, für sie persönlich ist es sicher sehr wichtig, das alles öffentlich zu machen. Und auch sehr mutig. Es muss auch möglich sein, über solche Dinge öffentlich zu reden und sie aufzuarbeiten. Schwierig finde ich jedoch, dass jetzt der Weltcup-Tross komplett in so ein Licht gerückt ist, das nicht mehr stimmt. Weil es ja um Vergangenes geht. Ich kann hier nur für mich sprechen - und sagen, dass ich nie mit so etwas konfrontiert war.

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