Ski Alpin: Kristoffersen: Warum er bei Hirscher-Siegen ausrastet

Nach normalen Maßstäben fährt Henrik Kristoffersen eine überragende Saison im alpinen Ski-Weltcup. Der 23-Jährige beendete zehn seiner zwölf Rennen auf dem Podest, schlechteste Platzierung war ein neunter Rang. An Marcel Hirscher beißt aber auch er sich die Zähne aus, was ihn mitunter emotional werden lässt. "Ich bin nur ein Mensch, ich bin kein Superman", sagte Kristoffersen in Kitzbühel.

Nach normalen Maßstäben fährt Henrik Kristoffersen eine überragende Saison im alpinen Ski-Weltcup. Der 23-Jährige beendete zehn seiner zwölf Rennen auf dem Podest, schlechteste Platzierung war ein neunter Rang. An Marcel Hirscher beißt aber auch er sich die Zähne aus, was ihn mitunter emotional werden lässt. "Ich bin nur ein Mensch, ich bin kein Superman", sagte Kristoffersen in Kitzbühel.

Frage: Nervt es Sie eigentlich, andauernd auf Marcel Hirscher angesprochen zu werden, der ihrem ersten Sieg in dieser Saison bisher immer im Weg gestanden ist?

Henrik Kristoffersen: "Nein. Voriges Jahr und das Jahr davor habe ich ganz viele Rennen gewonnen mit ein paar Hundertsteln oder so. Es war knapp in sehr vielen Rennen dieses Jahr. Es waren sechs Slalomrennen und ich war sechsmal auf dem Podest. Es ist nicht schlecht, das ist sicher. Im Sommer habe ich zu viel am Riesentorlauf gearbeitet. Das ist vielleicht ein bisschen der Grund, warum der Slalom nicht so gut geht wie voriges Jahr. Aber ich bin zufrieden. Wie gesagt, es ist knapp."

Frage: Hoffen Sie insgeheim, dass Hirscher nach so vielen Erfolgen vielleicht ein bisschen satt wird?

Kristoffersen: "Wenn man 53 Weltcup-Siege hat, wird man nicht satt. Das kann man fragen, wenn man zehn Siege hat, und es geht ein bisschen schwieriger. Wenn man 53 Siege hat, will man nur Rennen fahren und gewinnen."

Frage: Sie haben in dieser Saison Ihrem Ärger auch schon freien Lauf gelassen.

Kristoffersen: "Ich denke, ich war ein bisschen verärgert in Zagreb, das hat man im Fernsehen auch gesehen. Aber so war es bei Marcel auch voriges Jahr, als ich in Wengen mit neun Hundertstel Vorsprung gewonnen habe. Das ist ganz normal für einen Sportler. Ich war nicht verärgert, dass Marcel gewonnen hat und ich Dritter war. Ich war nur verärgert, dass ich diesen Fehler im Flachen gemacht habe, dann war die Chance für den Sieg vorbei. Ich bin nur ein Mensch, ich bin kein Superman. Ich denke, das ist ganz normal."

Frage: Teilweise fliegen Sie nach den Rennen gemeinsam nach Hause. Kommt es dann nach einer engen Entscheidung vor, dass gar nicht miteinander gesprochen wird?

Kristoffersen: "Wir sprechen immer. Wir sind Konkurrenten auf der Strecke, aber außerhalb der Strecke sind wir immer ganz freundlich."

Frage: Im Gesamtweltcup liegen Sie 174 Punkte hinter Hirscher. Das ist aufholbar, oder nicht?

Kristoffersen: "Ich denke nicht so viel an den Gesamtweltcup jetzt. Ich denke nur an das nächste Training, an das nächste Rennen. Ich habe zehn Stockerlplätze von zwölf Rennen, die wir gefahren sind. Es ist wirklich gut, aber es ist ganz schwierig im Gesamtweltcup, wenn Marcel jedes Rennen gewinnt. Aber es ist nichts entschieden, es sind noch zehn Rennen oder so."

Frage: Falls Sie bei den Olympischen Spielen Gold gewinnen, wären Sie dann weniger verärgert, dass Hirscher im Weltcup oft knapp die Nase vorne gehabt hat?

Kristoffersen: "Olympia ist nur ein Rennen, es ist nur ein Tag. Aber es ist ein Tag alle vier Jahre. Olympia ist groß, aber jetzt denke ich nicht an Olympia. Das kann man vielleicht machen, wenn man nach Südkorea fliegt. Ich möchte gerne jedes Rennen gewinnen. Ich bin ein Sportler. Ich denke, Marcel sagt sicher das Gleiche, und Aksel Lund Svindal sagt auch das Gleiche. Eine Entscheidung zwischen Olympia-Gold und Gesamtweltcup könnte ich nicht wirklich treffen. Der Gesamtweltcup ist so groß für einen Alpin-Skifahrer, das ist ein bisschen schwierig. Aber hoffentlich geht beides."

Frage: Wir sind hier in Kitzbühel, wo die berühmteste Abfahrt im Weltcup stattfindet. Hat auch der Slalom eine so besondere Anziehungskraft?

Kristoffersen: "Es ist sicher etwas Spezielles. Das Rennen gibt es so lange, so viele berühmte Läufer haben hier gewonnen. Ich denke, der Berg macht es so speziell. Es ist schwierig, aber es ist schön, hier zu gewinnen, weil es so eine große Auszeichnung ist. Es ist Kitzbühel, es ist der berühmteste Skiort der Welt. Aber um zu gewinnen, sind so viele Kleinigkeiten nötig, die in die richtige Richtung laufen müssen."

Frage: Finden Sie es schade, dass es keine Kombination hier mehr gibt?

Kristoffersen: "Ich kann nicht sagen, ich freue mich, dass es keine Kombination mehr gibt. Aber es ist okay. Das wäre ein bisschen zu viel für mich. Ich fokussiere mich ganz auf den Slalom jetzt."

Frage: Haben Sie das Projekt Super-G grundsätzlich aufgegeben?

Kristoffersen: "Ich denke, es ist eine Chance, dass wir in Kvitfjell fahren in diesem Jahr oder auch beim Finale in Aare. Aber dann wäre es nur eine Vorbereitung für später. Ich denke nicht so viel an den Super-G, ich fokussiere auf Slalom und Riesentorlauf, dann schauen wir, was ist. Das ist schwierig genug."

Frage: Wie erleben Sie den Trubel am Hahnenkamm-Wochenende?

Kristoffersen: "Normalerweise bin ich hier nur von Samstag bis Sonntag. Es sind zu viele Menschen, zu viele Partys. Man muss das ein bisschen ruhiger angehen, wenn man Athlet ist. In zehn bis zwölf Jahren kann man schauen, ob ich die Partys mitmachen kann, aber dann bin ich fertig mit dem Skifahren."

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