Ski Alpin: Warum die ÖSV-Speed-Herren so gut sind wie schon lange nicht

Seitdem Sepp Brunner Österreichs Speed-Spezialisten dirigiert, scheint denen alles irgendwie leichter von der Hand zu gehen. Unter dem Neo-Abfahrtschef sind die ÖSV-Läufer so stark wie die vorangegangenen sechs Jahre nicht in den Ski-Weltcup gestartet. "Der Sepp sagt nicht viel, aber was er sagt, passt wie die Faust aufs Aug", beschrieb Vincent Kriechmayr den Einfluss des Steirers.

Seitdem Sepp Brunner Österreichs Speed-Spezialisten dirigiert, scheint denen alles irgendwie leichter von der Hand zu gehen. Unter dem Neo-Abfahrtschef sind die ÖSV-Läufer so stark wie die vorangegangenen sechs Jahre nicht in den Ski-Weltcup gestartet. "Der Sepp sagt nicht viel, aber was er sagt, passt wie die Faust aufs Aug", beschrieb Vincent Kriechmayr den Einfluss des Steirers.

Fünf Podestplätze holten die Österreicher in den ersten vier Speed-Rennen in diesem Weltcup-Winter in Nordamerika. Dank Kriechmayrs Erfolg im Beaver-Super-G war darunter auch ein Sieg. Besser waren die Speed-Cracks zuletzt in der Saison 2010/11, als sogar drei Siege bei gleicher Gesamtanzahl auf der Habenseite gestanden waren.

"Das Ziel in Lake Louise, dass man gut anfangt, ist erreicht worden. Wobei wir nicht mit allen zufrieden sind", schränkte Brunner gleich ein. Die Abfahrt danach in Beaver Creek, wo Kriechmayr als Sechster am besten abschnitt, verlief sowieso nicht wie erwartet. "Da haben wir nach dem Training schon gerechnet, dass wir mit ein paar Athleten ganz vorne mit dabei sind."

Schwächen in langen Kurven wurden ausgemerzt

Dennoch ist der Trend vielversprechend, das wollte auch der 59-Jährige nicht leugnen. Ein Quartett - Kriechmayr, Hannes Reichelt, Matthias Mayer und Max Franz - hat sich in der Weltspitze etabliert, jeder dieser vier stand schon auf dem Podium. Schon im Training stacheln sich die Läufer zu Bestleistungen an, Animositäten scheint es nicht zu geben.

"Wir haben in der Vorbereitung individuell bei jedem auf gewisse Sachen ein bisschen Wert gelegt", erklärte Brunner, der Florian Winkler als Abfahrtschef abgelöst hat. Zugleich habe er im Kollektiv Verbesserungspotenzial bei langen Kurven ausgemacht. "Da haben wir, glaube ich, alles gemacht dafür. Vielleicht funktioniert es auch nicht überall."

Gründe für den geglückten Start gebe es mehrere. "Es war erstens einmal eine sehr gute Vorbereitung, es war angenehm zu arbeiten mit den Burschen", sagte Brunner. Gezeigt habe sich das etwa schon in Chile, wo die ÖSV-Herren entgegen dem Plan diesmal nicht in Portillo, sondern in La Parva trainierten. "Da hat jeder gesagt, das war einmal gut und eine Abwechslung. La Parva hat auch extrem lange Kurven, das war sicher auch in Richtung Olympia kein Nachteil."

Teamgeist hat Priorität

In Übersee habe man auch die richtigen Verhältnisse vorgefunden, um an den bekannten Defiziten auf aggressivem Kunstschnee arbeiten zu können. Außerdem gab es diesmal keine Verletzungssorgen. "Wir sind auch relativ gesund in die Saison gestartet, das ist einfach für eine Abfahrtsmannschaft viel Wert. Wir wissen, dass da einige viel Potenzial haben, aber sie müssen gesund sein", machte Brunner deutlich.

Überragend wichtig ist für den Veteranen im Weltcup-Zirkus ein positiver Teamgeist. "Ich glaube, dass es wichtig ist, dass in der Mannschaft das Klima passt. Dann fühlen sich die Servicemänner wohl, die Trainer fühlen sich wohl, die Athleten fühlen sich wohl. Und wenn irgendetwas entsteht, muss man es gleich ansprechen", führte er aus.

"Bin überzeugt, die haben mehr drauf"

Brunners eigene ruhige, überlegte Art ist für die Schaffung dieser Komfortzone sicher nicht abträglich, wobei er seinen eigenen Beitrag nicht so wichtig sieht. "Ich glaube, wir haben brutal gute Trainerkollegen. Jeder von uns ist gleichgestellt", betonte er.

Als Kritik an den Vorgängern möchte Brunner seine Aussagen nicht verstanden wissen. "Ich glaube, dass auch im Vorfeld gut gearbeitet worden ist. Es hat da Verletzungen gegeben, und man muss dann auch ein bisschen ein Glück haben", meinte er.

Zudem gebe es ja noch viel zu tun. Als Arbeitsauftrag sieht der frühere Coach der Schweizer Abfahrer zum Beispiel die Kluft zwischen den Spitzenfahrern im Team und übrigen Läufern an, die nicht mehr als Nachwuchshoffnungen durchgehen. "Das hat vom Training her besser ausgeschaut, bis jetzt ist es nicht aufgegangen", räumte Brunner ein. "Ich bin immer noch überzeugt, die haben mehr drauf."

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