Skandal um Nazi-Lieder: SPÖ zieht Konsequenzen

Die Affäre um rassistische Liederbuchtexte der Burschenschaft Germania erschüttert auch die österreichischen Sozialdemokraten. Einer der Verdächtigen ist demnach ein ranghohes Mitglied der SPÖ, bestätigte die Partei. Diese schloss den Mann am Dienstagabend aus. Rassistisches Gedankengut sei mit der SPÖ nicht vereinbar, so die Begründung.

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn und drei weitere Mitglieder der Burschenschaft Germania nach dem NS-Verbotsgesetz. Das ausgeschlossene SPÖ-Mitglied soll in den 90er Jahren die Illustrationen des umstrittenen Liederbuchs gestaltet haben.

Darin heißt es unter anderem, "gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million" - in Anspielung auf die mehr als sechs Millionen ermordeten Juden im Zweiten Weltkrieg.

Die Regierung in Wien will die umstrittene Burschenschaft nun auflösen. Bundeskanzler Sebastian Kurz sagte, ein entsprechendes Verfahren sei eingeleitet worden.

In der Liederbuchaffäre war zuerst der FPÖ-Spitzenkandidat für Niederösterreich Udo Landbauer unter Druck geraten. Als stellvertretender Germania-Vorsitzender will er von den NS-verherrlichenden Liedtexten allerdings nichts gewusst haben.

Als die Vorwürfe wenige Tage vor der Landtagswahl in Niederösterreich bekannt wurden, legte Landbauer sein Amt in der Burschenschaft nieder und forderte Aufklärung. Die Freiheitlichen konnten bei der Wahl zwar stark zulegen, Landbauer sieht sich jedoch mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

Trotz anhaltender Kritik steht FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache weiter hinter Landbauer.