Silicon Friedrichshafen

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Das soziale Netzwerk für den Blockwart

Nextdoor, das soziale Netzwerk zwischen Dienstleistung und Denunziantentum, bekommt neues Geld. Das heizt die Diskussion über die Zukunft von Online-Gemeinden und Verantwortung der Tech-Konzerne erneut an.


Ein wehmütiger Blick ins alte Europa erfasst derzeit das Silicon Valley, genauer gesagt ein Blick nach München. Dort hat am Dienstag der Chiphersteller Nvidia aus dem kalifornischen San Jose einen Partner für ein völlig autonom fahrendes Elektrofahrzeug nach dem Level fünf vorgestellt. Dies ist das höchst mögliche Level, die Testflotte soll noch 2018 auf deutschen Straßen rollen, und es ist – die Post!

Es ist der nächste böse Stich, den der gelbe Brief- und Paketzusteller den Autogiganten dies- und jenseits des Atlantiks zufügt. Ford, BMW und Tesla wollen irgendwann um 2021 vollautonom fahren.

Honda, Toyota oder Renault-Nissan wetten auf 2020, Volvo will ab 2021 zumindest auf der Autobahn fahrerlos chauffieren. Testfahrzeuge haben sie alle schon auf den Straßen. Aber sie haben alle noch einen Sicherheitsfahrer mit an Bord, sind also maximal Level drei auf der fünfstelligen Skala.


Die Deutschen Post schickt ihren Elektro-Transporter Streetscooter ins Rennen, der schon Anfang des Jahres Furore gemacht hatte. Mit einer Reichweite von gut 80 Kilometern und einer Spitzengeschwindigkeit von 85 km/h säuseln 3400 Stück des quietschgelben Spielmobils durch die Städte und liefern Pakete der DHL aus ¬ allerdings noch immer mit einem Fahrer an Bord.

Bis Anfang 2019 soll sich das ändern. Denn alle Fahrzeuge sind so ausgestattet, dass sie mit Kameras, Radar und anderen Sensoren nachgerüstet werden können. Dann senden die Teslas aus Bonn ihre Daten in ein Steuerungssystem des traditionsreichen Autozulieferers ZF (das ZF stand übrigens mal für „Zahnradfabrik“) aus Friedrichshafen, in dem kalifornische Supercomputer von Nvidia im Einsatz sind.



Nvidias Super-Computer im Kofferraum


Wahrscheinlich ist dann sogar der jüngste Nvidia-Supercomputer mit dem Codenamen „Pegasus“ an Bord, der ebenfalls am Dienstag in München gezeigt wurde. Pegasus ist die dritte Auflage von Nvidias „Drive PX“-Grafikcomputer und mit 320 Billionen Rechenschritten pro Sekunde nicht nur zehnmal schneller als sein Vorgänger. Er ist auch wesentlich sparsamer als die aktuelle Version, verspricht Nvidia.

Schon heute haben Fahrzeuge theoretisch die Möglichkeit, vollautonom zu fahren. Nur bleibt dann im Kofferraum neben all der Hardware kaum noch Platz für die Ladung. Zudem saugen die Nvidia-Rechner derzeit noch 2000 Watt pro Stunde aus den ohnehin chronisch leeren Akkus des Elektroautos. Mit Pegasus sähe die Leistungsbilanz erheblich besser aus.


Die Post mit ihrer Tochter DHL hat natürlich noch mehr im Sinn als nur autonom von einem Ort zum anderen zu fahren. Der Fahrer soll Zusteller werden. Steigt er aus dem E-Lieferwagen aus, soll der Streetscooter dem Postler wie ein treues Hündchen folgen. DHL erhofft sich so eine Effektivitätssteigerung um 30 Prozent, hieß es in München.

Wie wird die Zukunft aussehen? Der Ex-Fahrer wird zum Ex-Zusteller und braucht einen neuen Job. DHL-Kunden suchen sich ihren Zustell-Termin online aus, und selbst wenn es mitten in der Nacht oder am Sonntag ist, wird ein von Robotern, oder Ex-Fahrern bepackter Streetscooter ausrücken und nach Eingabe eines Pin-Codes das begehrte Paket herausrücken.


Immer dienstags schreiben Britta Weddeling und Axel Postinett, Korrespondenten des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.