Sigmar Gabriel: Erste Vorlesung wegen Protest unterbrochen

Demonstranten protestierten im Hörsaal wegen Sigmar Gabriels Nähe zum Iran (Bild: dpa)

Der ehemalige Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat seine erste Vorlesung als Gastdozent an der Universität Bonn gehalten. Dabei musste er die Antrittsvorlesung wegen einer Protestaktion unterbrechen.

Demonstranten hatten im Hörsaal Transparente mit der Aufschrift “Gegen Iran-Siggi – Für Israel” aufgehängt. Gabriel hatte vor allem in seiner Zeit als Wirtschaftsminister die Annäherung an den Iran vorangetrieben. Der Ex-Minister reagierte mit Humor: “Sie müssen sich jetzt umdrehen, die hängen da ein Plakat zu Israel raus. Wenn Sie sich das nicht anschauen, sind die enttäuscht”, sagte er den Zuhörern.

An die Demonstranten gerichtet erklärte Gabriel, dass er ein intensives Verhältnis zu Israel habe, da es in seiner Familie sowohl überzeugte Nationalsozialisten als auch Holocaust-Überlebende gegeben habe. Seine Verbundenheit zu Israel würde ihn jedoch nicht davon abhalten, etwa die Politik gegenüber den Palästinensern zu kritisieren. Für diese Äußerung erntete Gabriel erneut Buh-Rufe.

Kritik an europäischer Syrien-Politik

In seiner Vorlesung mahnte Gabriel eine europäische Syrien-Strategie an: “Es ist eine wahre Herkulesaufgabe, die Europa da zu bewältigen hat”. Er kritisierte, dass Europa zuletzt wieder ohne gemeinsame Linie agiert habe: Frankreich und Großbritannien hätten sich mit den USA an den Militärschlägen beteiligt, Deutschland und andere europäische Länder hätten sich zurückgehalten. “Diese Spaltung ist wirklich gefährlich, weil sie andere Mächte dazu ermuntert, uns zu testen”, sagte Gabriel.

Sigmar Gabriel kritisierte in seiner Vorlesung das Fehlen einer einheitlichen Linie der EU zu Syrien (Bild: dpa)

Der vor einem Monat aus dem Amt geschiedene Ex-Minister sprach über das Thema “Deutschland in einer unbequeme(re)n Welt”. Er hatte sich noch als Außenminister bereiterklärt, in diesem Sommersemester ehrenamtlich einen Lehrauftrag an der Traditionsuni zu übernehmen.

Auch die ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck und Christian Wulff, Ex-Finanzminister Peer Steinbrück und der frühere Außenminister Joschka Fischer waren nach dem Ende ihrer politischen Laufbahn als Gastdozenten aktiv geworden.

(mit Material der dpa)