Siemens will offenbar Industriesparten bündeln

Unter dem Titel „Vision2020+“ will Siemens einem Medienbericht zufolge Divisionen zusammenlegen. Der Umbau soll noch im August erfolgen.


Siemens-Chef Joe Kaeser sprach vor ein paar Tagen beim Swissmem-Industrietag über die Chancen und die Risiken der Digitalisierung. „Wenn wir der Gesellschaft nicht erklären, was Industrie 4.0 ist und wie wir alle davon profitieren werden, werden wir in Zukunft keine autonom fahrenden Autos haben, sondern brennende“, warnte er.

Intern muss Kaeser derzeit vor allem seine neue Strategie „Vision 2020+“ erklären, und auch da spielt die Digitalisierung eine zentrale Rolle. In Workshops diskutiert die Siemens-Führung intensiv den künftigen Kurs des Technologiekonzerns.

Noch sind keine finalen Entscheidungen gefallen, wie in Industriekreisen betont wird. Doch befinden sich die Diskussionen in der finalen Phase: Die Strategie könnte nach Informationen des Handelsblatts schon Anfang August verkündet werden.

Erste Pläne sickern durch. So will Kaeser laut Industriekreisen aus fünf Industrie-Divisionen drei machen. Darüber hatte auch das „Manager Magazin“ berichtet. Demnach sollen unter anderem die Vorzeigesparte Digitale Fabrik und die Prozessautomatisierung zusammengelegt werden. Das Energiemanagement soll auf andere Divisionen aufgeteilt werden. Zudem könnten die Stromverteilnetze mit der Gebäudetechnik vereint werden. Im Umfeld von Siemens wurden die Überlegungen bestätigt. Es handle sich dabei nicht um radikale Veränderungen, sondern um einen neuen Zuschnitt, wie es ihn in den vergangenen Jahrzehnten bei Siemens immer wieder gab.

Kaeser hatte nach der Übernahme des Vorstandsvorsitzes den Konzern mit seiner „Vision 2020“ kräftig umgebaut. Schwerpunkt sind Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung. Er strich die Ebene der Sektoren und entwickelte den Konzern in Richtung einer Holding: Die verselbstständigte Medizintechnik kam als Healthineers an die Börse, die Windkraft wurde mit dem Konkurrenten Gamesa zusammengelegt, ein ähnlicher Schritt ist mit Alstom in der Bahntechnik geplant. Mit diesem „Flottenverbund“, wie er es selbst nannte, will Kaeser die Geschäfte selbstständiger und agiler machen.


Nach diesen Einschnitten wird die „Vision 2020+“ eine Weiterentwicklung, kein radikaler Umbau. Bei Siemens hieß es denn auch: „Mit der ‚Siemens Vision 2020‘ haben wir eine Unternehmensstrategie, die funktioniert.“ Die Zahlen würden dies unterstreichen. Der Münchener Konzern entwickelte sich zuletzt deutlich besser als Erzrivale General Electric.

Die Feinjustierung der Strategie passt auch zum neuen Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe. Der hält nicht viel davon, etwa alle fünf Jahre ein neues Programm zu verkünden, das dann sklavisch umgesetzt wird. Die Geschäfte müssten regelmäßig überprüft und die Strategie adjustiert werden, heißt es in seinem Umfeld.

Denn Siemens soll beweglich bleiben. Chancen und Risiken der Digitalisierung sind auch für die Konzerne groß. Diese folge einer binären Logik, sagte Kaeser in der Schweiz: „The winner takes it all.“ Die Verlierer würden, einem weiteren Abba-Song folgend, ihr persönliches „Waterloo“ erleben.