Siemens verteidigt Stellenstreichungen trotz ingesamt glänzender Geschäfte

IG Metall kündigt Widerstand gegen Siemens an

Der Technologiekonzern Siemens will trotz glänzender Geschäftszahlen massive Stellenstreichungen vor allem im Kraftwerksgeschäft vornehmen. Es gehe um "die Gesamtverantwortung für das Unternehmen", sagte Siemens-Chef Joe Kaeser am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in München. Den von Stellenstreichungen bedrohten Mitarbeitern stellte er eine Weiterbeschäftigung in anderen Konzernbereichen in Aussicht. Beschäftigte verschärften dennoch ihren Protest, vor der Konzernzentrale kam es zu einer Demonstration.

Siemens machte zunächst keine genauen Angaben, wieviele Beschäftigte in der Kraftwerkssparte betroffen sind und ob es auch zu den vor allem in Ostdeutschland befürchteten Werksschließungen kommen wird. Details sollen nach einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses am 16. November zunächst den Beschäftigten und dann der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden.

Dass es die Kraftwerkssparte treffen wird, steht aber fest. Der Markt vor allem für große Gasturbinen ist massiv zurück gegangen, eine Besserung ist nicht in Sicht. Kaeser sagte, "das ist ja nicht ein Siemensthema". Im Vergleich zur Konkurrenz habe sich der Konzern noch am besten gehalten. Dennoch müssten nun die Kapazitäten reduziert werden. Die Nachfrage werde sich wohl auch in Richtung Asien, Lateinamerika und Afrika verschieben.

Die Konzernführung steht seit Tagen auch wegen ihrer Informationspolitik in der Kritik. Die Ministerpräsidenten der Länder Berlin, Brandenburg, Thüringen und Sachsen warnten Siemens bereits vor strukturpolitischen Folgen, sollte es zu den befürchteten Werksschließungen in Ostdeutschland kommen. Die IG Metall kündigte mehrere Protestaktionen in Leipzig, Görlitz und Berlin an.

Auch in München protestierten Siemens-Beschäftigte. Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Jürgen Wechsler, kritisierte: "Siemens beruft sich auf 'Verantwortung' als einen seiner drei zentralen Unternehmenswerte. Da ist es nicht nachzuvollziehen, auf der einen Seite Milliardengewinne zu erwirtschaften, auf der anderen aber tausende Beschäftigte in eine ungewisse Zukunft entlassen zu wollen." Die IG Metall forderte eine Standortstrategie für alle Betriebe in Deutschland.

Nach dem am Donnerstag vorgelegten Geschäftsbericht brach in der Kraftwerkssparte im vierten Quartal der Umsatz um 20 Prozent und der Gewinn sogar um 40 Prozent ein. Für das gesamte abgelaufene Geschäftsjahr meldete Siemens dennoch konzernübergreifend "hervorragende Ergebnisse", diese lägen sogar über dem historischen Ergebnis des vorherigen Jahres. So stieg der Gewinn nach Steuern von knapp 5,6 Milliarden Euro auf fast 6,2 Milliarden Euro an.

Für das neue Geschäftsjahr 2017/2018 kündigte Siemens ein leichtes Umsatzplus an und auch einen etwas höheren Gewinn - allerdings wies der Konzern darauf hin, dass in dieser Prognose die Aufwendungen für einen möglichen Stellenabbau noch nicht berücksichtigt sind.

Derweil setzt Siemens weiter auf Börsengänge einzelner Sparten. Die Medizintechniksparte Siemens Healthineers solle weiter wie geplant in der ersten Hälfte des kommenden Jahres an die Börse gebracht werden, der Börsengang werde systematisch voran getrieben. Dazu berief der Konzern Jochen Schmitz zum Finanzvorstand der Sparte.