Siemens-Chef Roland Busch: Mitarbeiter sollen offen im Umgang mit Fehlern sein

Robin Wille
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CEO Roland Busch
CEO Roland Busch

Roland Busch, CEO der Siemens AG, hat sich auf einer Branchenveranstaltung über die Transformation in der Industrie, eine agilere Arbeitsweise und die Folgen für Siemens geäußert. Bei einer Podiumsdiskussion der Hannover Messe sprach Busch vom "Dilemma der Marktführer" in Zeiten von schneller Transformation. Die Innovationszyklen würden durch die Digitalisierung massiv verkürzt: Etwas tausendfach testen, damit es auch zu 100 Prozent richtig ist, das funktioniere in dieser Welt nicht mehr, so Busch.

Die Hannover Messe ist eine der wichtigsten Industriemessen weltweit. In diesem Jahr findet die Messe wegen der Corona-Pandemie digital statt. Busch sprach dort mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Politik über die Chancen und Risiken für die Industrie in Deutschland.

"Wir müssen diese moderne Entwicklungskultur nach Deutschland bringen"

Vor Busch sprach zunächst Bulent Altan, Geschäftsführer von Mynaric, einem Startup aus der Raumfahrt-Branche. Altan bringt Erfahrungen aus dem Silicon Valley mit, er hat in den USA unter anderem für das Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla-Gründer Elon Musk gearbeitet. Heute pendele er zwischen Los Angeles und München. Er habe eine gute Perspektive darauf, was auf beiden Seiten des des Atlantiks möglich sei. Beide Seiten hätten eine gute Ingenieurskultur. "Die Kompetenz in Europa ist top", sagte Altan. Was öfters fehle, sei der natürliche Umgang mit Entwicklungskonzepten. "Agile Development" oder "Iterative Development", das sei in Deutschland noch nicht ganz angesiedelt. "Wir müssen diese moderne Entwicklungskultur nach Deutschland bringen", sagte Altan.

"Eine lernende Organisation"

CEO Busch sagte daraufhin, Siemens habe in der Vergangenheit sehr viel in digitale Technologien investiert. Zum anderen fange Siemens damit an, mehr Verantwortung in die Regionen zu geben. Der Konzern habe laut Busch über 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung. Hier wolle er zwei Dinge erreichen. Erstens: Empowerment. Busch will den Mitarbeitern mehr Verantwortung übertragen und weniger hierarchische Strukturen haben, damit diese eigenverantwortlich arbeiten können. Zweitens: Growth-Mindset. "Also das Thema Offenheit: Für Neues, für Fehler." Der Siemens-Chef will eine Fehlerkultur etablieren und über Fehler auch lernen, um schneller zu werden. "Eine lernende Organisation", nannte Busch das.

Sein Unternehmen sieht Busch dennoch gut für die Zukunft aufgestellt. Zurückblickend werde das Jahrzehnt ein Jahrzehnt der digitalen Transformation, der neuen Geschäftsmodelle und der Daten sein. Er glaube, dass Siemens besser wie keine andere Firma aufgestellt sei, um die reale und die digitale Welt miteinander zu verbinden. Wenn man wüsste, dass 60 Prozent der Industrie noch nicht automatisiert sei, dann sehe man, "was das für ein riesiges Potenzial ist".