Siemens-Chef Joe Kaeser findet Trumps Strafzölle lausig

Nicht nur aus der Politik hagelt es Kritik an Trumps Strafzöllen. Jetzt meldet sich auch Siemens Chef Joe Kaeser zu Wort.


Die Zahl der Kritiker an Donalds Trump Strafzöllen wächst. Auch Siemens-Chef Joe Kaeser stellt Trumps Entscheidung ein vernichtendes Urteil aus. „Nach einer großartigen Steuerreform, um neue Jobs zu schaffen, ein lausiger Ansatz zu fairem Handel. Nicht gut für Kunden, nicht gut für Jobs. Nicht gut für eine freie Welt“, schrieb Kaeser beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Kaeser hatte Ende Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos zusammen mit anderen europäischen Konzernchefs an einem Dinner mit Trump teilgenommen – und gesagt: „Glückwunsch zur Steuerreform.“ Ein Lob, für dass er sich verteidigen musste. Am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz im Februar sagte Kaeser deshalb, dass es sehr gute Chance gebe, dass die US-Steuerreform neue Jobs schaffe. „Daher habe ich dem amerikanischen Präsidenten zu seiner Steuerreform gratuliert.“ Jedoch nicht zu seinem ersten Amtsjahr. Nach der Entscheidung für Strafzölle dürfte sich Kaeser in seiner Meinung bestätigt sehen.

Zuvor hatte China die angekündigten Strafzölle auf Stahl und Aluminium kritisiert. Sie dürften einen „riesigen Einfluss“ auf den internationalen Handel haben. Multilaterale Handelsmechanismen würden ernsthaften Schaden nehmen, teilte das chinesische Handelsministerium am späten Freitagabend auf seiner Webseite mit. „Wenn die US-Maßnahmen chinesische Interessen verletzen, wird China mit anderen betroffenen Ländern zusammenarbeiten, um seine Rechte und Interessen zu schützen“, hieß es.


Peking hat Trump vorgeworfen, weltweit geltende Handelsrichtlinien durch US-Gesetze zu Stahl und Technologie zu untergraben, statt in dem Konflikt zur Welthandelsorganisation zu gehen und dort eine Lösung zu suchen. Kanada, Japan und Südkorea, US-Verbündete und bedeutende Exporteure von Stahl und Aluminium, haben die Vereinigten Staaten aufgefordert, von den geplanten Strafzöllen ausgenommen zu werden.

Am Donnerstag hatte Trump auf Importe von Stahl in die USA Strafzölle von 25 Prozent und für Aluminium zehn Prozent angekündigt. Mit Blick auf einen drohenden Handelskrieg schrieb er am Freitag via Twitter: „Wenn ein Land (USA) viele Milliarden Dollar im Handel mit so gut wie jedem Land verliert, mit dem es Geschäfte macht, sind Handelskriege gut, und einfach zu gewinnen.“

Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau hatte das Vorhaben scharf kritisiert. Es ergebe keinen Sinn, dass die US-Regierung als Argument für die Strafzölle eine angebliche Bedrohung der nationalen Sicherheit anbringe, Kanada und die USA zugleich aber in Militärfragen eng zusammenarbeiteten.

Die amerikanische Stahlindustrie hat in den vergangenen Jahren bereits Schutz vor ausländischen Wettbewerbern erhalten. Washington trieb andere Länder etwa zur Begrenzung ihrer Importe in die USA oder warf ihnen vor, unfaires Preis-Dumping zu betreiben. Trump will mit dem Schritt eine Industrie schützen, in der rund 140.000 Amerikaner beschäftigt sind. Durch den Preisanstieg auf Stahl könnten die Strafzölle zugleich eine weit größere Gruppe von Arbeitnehmern treffen: 6,5 Millionen, die in der Stahlverarbeitung tätig sind – etwa bei Auto- und Flugzeugherstellern und Zulieferern in der Bauindustrie.

Handelsminister Wilbur Ross versuchte, über den Fernsehsender CNBC Sorgen zu zerstreuen, dass die Stahlverarbeitung Schaden nehmen könne. Die Bedenken seien stumpfsinnig, sagte er und rechnete vor, bei einem Auto im Wert von 35.000 Dollar kämen durch die Strafzölle lediglich 175 Dollar hinzu.