Siemens-Aktie: Sollte man jetzt wegen 4,41 % Dividendenrendite zugreifen?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Ist der DAX noch günstig? Oder ist er in den zuletzt wieder positiveren Zeiten mit deutlich zweistelligen Zuwächsen inzwischen wieder etwas teurer bewertet? Gerade in Anbetracht der rückläufigen Zahlenwerke womöglich keine einfache Frage, mit der Investoren gerade zu kämpfen haben.

Was das große Ganze betrifft, das findet natürlich auch im Kleinen statt. Sprich bei der Frage, ob einzelne Aktien, wie eben auch die von Siemens (WKN: 723610), jetzt noch attraktiv bewertet sind. Oder eben nicht mehr, weil sie sich zwischenzeitlich ordentlich verteuert haben.

Ein grundsätzliches Attraktivitätskriterium könnte es dabei bei dem Mischkonzern noch immer geben: die Dividende. Schauen wir im Folgenden daher einmal, was Investoren dazu jetzt wissen sollten und wie es um die Bewertung und die weiteren Aussichten bestellt ist.

Die Dividende im Blick

Es ist ganz zu Anfang dieses Jahres gewesen, da hat der Mischkonzern ein weiteres Mal eine moderat erhöhte Dividende von 3,90 Euro je Aktie ausgezahlt. Bei einem inzwischen deutlich günstigeren Kursniveau von 88,23 Euro (08.05.2020, maßgeblich für alle Kurse) würde das jetzt einer Dividendenrendite in Höhe von 4,41 % entsprechen. Grundsätzlich noch immer ein Ausschüttungsniveau, das attraktiv sein könnte.

Vor allem, weil die Historie sehr attraktiv ist. Seit über zwei Jahrzehnten zahlt Siemens inzwischen eine stets zumindest stabile Dividende aus. In den letzten Jahren ist diese außerdem stets um zehn Cent pro Jahr angehoben worden. Sprich, sollte diese Historie weitergehen, so könnten im kommenden Jahr 4,00 Euro winken. Oder eben eine Dividendenrendite von 4,53 %, die ein weiteres Mal moderat höher wäre.

Dafür könnte außerdem das derzeitige Ausschüttungsverhältnis sprechen. Gemessen an einem 2019er-Gewinn je Aktie in Höhe von 6,41 Euro beläuft sich dieser Wert lediglich auf knapp 61 %. Sowohl relativ als auch absolut könnte daher weiterer Spielraum für künftige Erhöhungen vorhanden sein. Aber reicht das aus, um eine Investitionsthese zu rechtfertigen? Nein, natürlich nicht. Lass uns daher ab jetzt die Bewertung und die weiteren Aussichten noch in den Fokus rücken.

Der Blick auf das Zahlenwerk

Grundsätzlich könnte auch die Bewertung, unabhängig von der Dividende, zumindest moderat sein. Gemessen am derzeitigen Kursniveau und dem 2019er-Gewinn beläuft sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis so beispielsweise auf knapp 13,8. Teuer sieht dann doch definitiv anders aus. Auch ein Umsatz je Aktie in Höhe von 106,13 Euro und ein daraus resultierendes Kurs-Umsatz-Verhältnis von unter 1 könnte diesen Rückschluss nahelegen. Jedoch könnte das derzeitige Bewertungsbild etwas trügen.

Siemens hat im Kontext der aktuellen Quartalszahlen nämlich erklärt, dass man die eigenen Prognosen wohl nicht halten können wird. Das könnte heißen, dass sogar ein Gewinn von unter 6,30 Euro, das Mindestmaß der eigentlich gültigen Prognose, durch das Coronavirus nicht erreicht werden kann. Entsprechend dürfte sich das Bewertungsmaß noch verteuern. Und mit diesem das Ausschüttungsverhältnis steigen.

Meine Vermutung: Die Dividende dürfte dennoch sicher sein. Womöglich würde Siemens sogar aus der Substanz zahlen. Allerdings zeigen die derzeitigen Aussichten, dass das aktuelle Bewertungsmaß nicht unbedingt fundamental preiswert sein muss. Zumindest nicht, wenn das Coronavirus anhält und die Unsicherheiten anhalten. Wobei es natürlich ratsam sein kann, diese schwierige Zeit einfach durchzustehen.

Es könnte bessere Perspektiven geben

Unterm Strich könnte es schließlich auch wieder deutlich bessere Wochen, Monate, Quartale und Jahre geben: Bereits ein 2017er-Gewinn je Aktie in Höhe von 7,44 Euro zeigt, dass Siemens langfristig zu mehr fähig sein kann. Ein Wert, der Mut macht.

Zumal das Management den Gesamtkonzern künftig anders mit mehr Fokus auf einzelne Bereiche aufstellen will. Wie ein Einblick in die Strategie der künftigen Quartalszahlen gezeigt hat, sollen weitere Segmente eigenständig werden. Das betrifft unter anderem die Energy-Sparte sowie auch kriselnde Bereiche, die unter der Rubrik „verkaufen oder verselbstständigen“ geparkt gewesen sind.

Mehr Fokus und ein eigenständiges Management können hier zu mehr Effizienz führen, was die Profitabilität steigern könnte. Das würde mittel- bis langfristig womöglich mehr Gewinn bedeuten. Wobei die Eigenständigkeit ebenfalls heißt, dass Siemens nicht mehr der vollständige Besitzer der Einheiten ist. Durch die Erlöse kann jedoch das künftige Kerngeschäft gestärkt werden. Außerdem können Werte generiert werden, die aktuell noch in der Konzernstruktur untergehen.

Die Perspektive scheint daher von besseren Zeiten, der Aussicht auf mehr Effizienz, aber auch von mehr Eigenständigkeit geprägt zu sein. Ein interessanter Mix, der im Kontext des Konzernumbaus jetzt weiter angegangen wird.

Die Dividende reicht nicht, aber …

Im Endeffekt sollte man die Siemens-Aktie daher natürlich nicht bloß für ihre grundsätzlich attraktive und historisch zuverlässige Dividende kaufen. Eigentlich sollte man das mit keiner Aktie machen, es sei denn, einem gefallen das Geschäftsmodell und die Perspektive.

Siemens besitzt dabei Chancen und vor allem kurzfristige Risiken. Ob einem dieser Mix in Anbetracht der aktuellen Bewertung zusagt, ist daher die Frage, die man sich stellen sollte.

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