Sieht aus wie Leder, ist aber keins: Diese 3 coolen Alternativen verändern die Modewelt

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Das Thema Nachhaltigkeit und der Kampf gegen Ressourcenverschwendung und CO2-Emmissionen werden auch in der Modewelt immer wichtiger. Zeit, sich nach den Diskussionen um Pelz und synthetischen Kunstpelz einem weiteren Rohstoff zu widmen, für den es längst tier- und umweltschonende Varianten gibt: Leder.

Die Designerin Stella McCartney hat in ihren Kollektionen schon immer auf den Einsatz von Leder und Pelz verzichtet. Das sieht man vielen Entwürfen – wie diesem Mantel – gar nicht an. (Bild: Getty Images)

Für Leder gibt es in der Mode vom Schuh über Hosen und Jacken bis zu Accessoires vielfältige Einsatzmöglichkeiten, doch anders als beim Pelz bemühen sich bisher wenige Designer, auf tierisches Leder zu verzichten und es anderweitig zu ersetzen. Stella McCartney, die als einzige Designerin im Luxus-Segment schon immer auf echtes Leder verzichtet und stattdessen Kunstleder verarbeitet hat, wird dafür kritisiert, dass der Ersatzstoff im Grunde aus Plastik besteht und darum alles andere als umweltverträglich ist. Dabei gibt es längst Alternativen, für die weder Tiere noch Umwelt leiden müssen.

Veganes Leder aus Reishi-Pilzen

Die Onlineausgabe der US-”Vogue“ hypte gerade veganes Leder, das aus den dichten Wurzelfasern von Reishi-Pilzen gewonnen wird, die unter der Erde wachsen und Myzelen genannt werden. Das Material soll tierischem Leder nicht nur im Aussehen extrem gleichen, sondern sich auch so anfühlen und sogar so riechen.

Grüner wird's nicht: Nachhaltige Labels, die uns auf ganzer Linie überzeugen

Der Künstler Philipp Ross hat über 20 Jahre mit lebenden Materialien geforscht, aus denen er zunächst Skulpturen und Möbel herstellte, bevor er sich dann auf die Modewelt konzentrierte. Er entwickelte eine spezielle Methode, mit der die Myzelen so manipuliert werden können, dass sie sich während des Wachsens miteinander verbinden.

In Zusammenarbeit mit dem Start-up MycoWorks aus San Francisco wurde mittlerweile eine Möglichkeit entwickelt, das vegane Leder in verschiedenen Dichten, Stärken und sogar Formen heranzuziehen, so dass am Ende auch keine oder nur ganz wenig Reste übrig bleiben. Dazu ist das natürliche Material, das wasserfest, reißfest und atmungsaktiv ist, zu 100 Prozent biologisch abbaubar.

Piñatex

Die spanische Designerin Carmen Hijosa hat ebenfalls einen Lederersatz aus einem Naturprodukt entwickelt, das einen entscheidenden Vorteil hat: Es muss nicht einmal extra angebaut oder gezüchtet werden. Das sogenannte Piñatex wird aus den Fasern der Ananas-Blätter hergestellt, die ansonsten bei der Ernte weggeworfen würden. Hijosa bezieht die Blätter von philippinischen Bauern, für die die Blätter neben den Früchten eine zweite Einnahmequelle sind, und lässt sie dann in einer Textilfabrik in Barcelona verarbeiten.

Die Biomasse, die bei der Produktion übrigbleibt, ist auch kein Abfall, sondern kann als Dünger oder Biogas verwendet werden. Die Designerin hat das Start-up Ananas Anam gegründet, das unter anderem mit dem Label Noani zusammenarbeitet.

Inspiration für den Winter 2020/21: Street Styles der Berlin Fashion Week

Kork

Kork hat in mehrerer Hinsicht Gemeinsamkeiten mit echtem Leder: Es ist wasserabweisend, atmungsaktiv, schützt gegen Kälte und ist strapazierfähig. Zudem ist es extrem leicht, was in Hinsicht auf den Tragekomfort sogar einen Pluspunkt verschafft. Während zum Beispiel in Portugal die Menschen den Anblick von Schuhen, Taschen und Hüten aus Kork bereits gewohnt sind, sind sie in Deutschland noch ein besonderer Hingucker.

Das Label Bleed, das ausschließlich vegane Produkte anbietet, setzt Kork seit mittlerweile fünf Jahren unter anderem für die Herstellung von Jacken, Gürteln, Geldbeuteln und Laptop-Taschen ein. Dafür wird der Kork aus der Rinde der Korkeiche gewonnen, die in nachhaltig betriebenen Schutzgebieten kultiviert wird, ein natürlich nachwachsender Rohstoff ist und nicht abgeholzt werden muss.

VIDEO: Berliner Fashion Week - Mode aus Autositzen, Kaffee und Ananasfasern