Sieg in Bremen: Schalke hat "Hunger" auf die Bayern

Schalke stürmte mit 2:1 das Weser-Stadion

Domenico Tedesco stand nicht der Sinn nach einer rauschenden Siegesparty. Anstatt mit seinen Profis auf der Rückfahrt den 2:1 (1:1)-Erfolg bei Werder Bremen zu feiern, verkrümelte sich der Trainer von Schalke 04 in seine Bank im Teambus.

"Ich habe jetzt drei Stunden Zeit, um das Spiel der Bayern zu analysieren", sagte Tedesco mit leiser, aber bestimmter Stimme.

Zweifel an der königsblauen Mission ließ er dabei allerdings nicht. Mit "Demut und Bereitschaft" wolle man in das Top-Spiel am Dienstag  gegen den FC Bayern gehen: "Und mit großem Hunger." Der Erfolg in Bremen nach Rückstand "macht Mut" - und er sorgt für eine breite Brust.

"Können ein Spiel drehen"

Drei Siege aus vier Spielen: Der beste Saisonstart seit sechs Jahren löst auf Schalke neue Hochgefühle aus. Die rund 5000 mitgereisten Fans feierten ihre Mannschaft nach dem Schlusspfiff minutenlang, und auch Manager Christian Heidel freute sich über einen "weiteren Entwicklungsschritt nach vorne. Wir sind in der Lage, ein Spiel zu drehen."

Und so nahm auch Matchwinner Leon Goretzka gleich die nächste Aufgabe ins Visier. "Gegen Bayern musst du mit sehr breiter Brust auftreten. Deswegen tat der Sieg gut", sagte der Nationalspieler, der die Partie mit seinem späten Treffer zum 2:1 (83.) endgültig gedreht hatte.

Der plötzliche Erfolg der Gelsenkirchener trägt vor allem die Handschrift Tedescos. Nach dem Rückstand durch Bremens Abwehrchef Lamine Sané (20.) und dem Ausgleich dank eines Eigentors von Milos Veljkovic wollte sich der 32-jährige Deutsch-Italiener nicht mit einem Zähler zufrieden geben. Er setzte in der Schlussphase mit drei Mittelstürmern alles auf eine Karte.

Rückkehr von Embolo

"Wir haben einen guten Plan an die Hand bekommen", lobte Goretzka. Abwehrspieler Thilo Kehrer meinte vielsagend: "Wir machen zurzeit vieles richtig, stehen aber erst am Anfang unseres Weges."


Ein Weg, auf dem auch der letztjährige Rekordeinkauf Breel Embolo wieder eine zentrale Rolle spielen könnte. Nach 336 Tagen, also mehr elf Monaten, Zwangspause wegen einer schweren Sprunggelenksverletzung mit Wadenbeinbruch feierte der Schweizer Nationalspieler ein zehnminütiges Comeback.

"Ich freue mich riesig", sagte Embolo. Ob er sich schon gegen Bayern mehr Spielzeit wünscht? "Es kann immer mehr sein, aber ich nehme jede Minute."

Die Stimmung bei den Bremern war dagegen das komplette Gegenteil. Noch schwerer als die Enttäuschung über das saisonübergreifend siebte Spiel ohne Sieg wog der Schock der Verletzung von Star-Angreifer Max Kruse. Der Stürmer erlitt bei einem Foul von Kehrer einen Schlüsselbeinbruch und wird wochenlang ausfallen.