Sieben irre Fakten: Weshalb alle Island lieben

Andreas Kloo
Lautstark feierten die isländischen Fans am Montag die Qualifikation für die WM

Das Märchen geht weiter. Nach dem sensationellen Marsch bis ins EM-Viertelfinale 2016 hat es das kleine Island nun auch zur WM in Russland geschafft.

Damit ist das Land nun offiziell kein Fußballzwerg mehr. Dennoch sticht die kleine Insel aus allen Fußball-Nationen heraus. Das Team und die Fans haben mit ihrer Andersartigkeit längst weltweit die Herzen erobert.

SPORT1 nennt sieben kuriose Fakten, die WM-Teilnehmer Island so außergewöhnlich machen.

- Kleinstes Land der WM-Geschichte

Mit seiner WM-Premiere sorgt Island gleich mal für einen Rekord. Es ist das kleinste Land, das sich jemals für eine WM qualifiziert hat. 334.000 Einwohner leben auf der Insel im Nordatlantik. Bislang hielt den Rekord Trinidad und Tobago, das sich 2006 mit 1,3 Millionen Einwohnern qualifiziert hatte.

Island ist damit übrigens auch kleiner als das kleinste deutsche Flächenbundesland. Im Saarland leben 997.000 Menschen.


- Fans und Schlachtgesänge:

Die Isländer schafften es bei der EM 2016 vor allem dank ihrer Fans in die Herzen aller Fußball-Anhänger. Zehn Prozent aller Isländer sollen sich damals in Frankreich aufgehalten haben, um ihr Team anzufeuern.

Sie sorgten für schöne Bilder bei dieser von Hooligan-Krawallen überschatteten EM.

Das gemeinsame Klatschen mit dem langgezogenen "Huh"-Rufen ist dadurch jetzt weltbekannt und hielt sogar auf dem Münchner Oktoberfest Einzug.

Der Schlachtgesang der Isländer hebt sich wohltuend ab von den auf Dauer doch recht eintönigen Schlachtrufen wie "Die Nummer 1 der Welt sind wir" oder "Deutschland! Deutschland!" (wahlweise zu ersetzen durch "Italia! Italia!" oder andere Ländernamenrufe) anderer Nationen.

Auch am Montag Abend war das ganze Land wieder auf den Beinen, um ihre Fußballer anzufeuern. Die Innenstadt von Reykjavik war beim Public Viewing voll. Von Jugendlichen bis zu Rentnerinnen - alle feierten gemeinsam.


- Unsterblicher Kommentator:

Mit einem Moment machte sich Gudmundur Benediktsson unsterblich. Der Kommentator beim isländischen TV-Sender RUV begleitete Islands Siegtor im letzten EM-Gruppenspiel gegen Österreich dermaßen schrill und losgelöst, dass er sofort zum weltweiten Hit wurde.


Übersetzt hörte sich das in etwa so an: "Meine Stimme ist weg, aber das ist egal. Wir sind durch. Arnor Ingvi Traustason hat getroffen. Island 2, Österreich 1. Wer hätte das gedacht! Wer hätte das gedacht! Der Schlusspfiff ist da! Ich habe mich noch nie, nie so gut gefühlt."

Ähnlich emotional ging es bei ihm zu, als Island das Achtelfinale gegen England drehte. Mittlerweile ist Benediktsson eine echte Berühmtheit: Auch die Nachricht, dass er seinen Job als Co-Trainer bei einem isländischen Erstligisten verloren hat, ging um die Welt.

- Zahnarzt als Trainer

Heimir Hallgrimsson ist seit der EM alleiniger Nationaltrainer, zuvor führte er die Mannschaft gemeinsam und gleichberechtigt mit dem Schweden Lars Lagerbäck.  


Das hatte zur Folge, dass er seinen eigentlichen Beruf aufgeben musste. Denn bis dahin arbeitete der 49-Jährige weiterhin als Zahnarzt, seine Praxis auf den Westmännerinseln wird er vorerst nicht mehr betreuen.

- Regisseur hütet das Tor

Thor Halldorsson (keine Wortspiele mit Namen, bitte - gilt auch für Stürmer Sigthorsson) ließ bei der EM Superstar Cristiano Ronaldo ebenso verzweifeln wie die englischen Angreifer. Und das, obwohl er 2005 noch Hobby-Kicker war. Elf Jahre später stand er bei einem großen Turnier im Tor. Auch im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen das Kosovo hielt er seinen Kasten sauber.


Doch auch er hat eigentlich einen anderen Beruf. Im "richtigen Leben" ist er Filmregisseur, bis vor zehn Jahren verdiente er damit sein Geld, hauptsächlich mit Musikvideos und Training.

Unter anderem produzierte er 2012 das Musikvideo für den isländischen Beitrag zum Eurovision Song Contest.

- Aus allen Ländern – nur Island nicht

Trainer Hallgrimsson muss seine Spieler zu den einzelnen Partien jeweils aus ganz Europa einsammeln. Die elf Akteure aus der Startelf am Montag sind in sieben verschiedenen Ländern aktiv. Die Mehrheit spielt in England, am bekanntesten ist der Ex-Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson vom FC Everton.


- Isländer schreibt Länderspiel-Geschichte

Der beste isländische Fußballer aller Zeiten ist der inzwischen zurückgetretene Eidur Gudjohnsen. Er schaffte es sogar zum FC Barcelona. Fußball-Geschichte schrieb er aber durch einen anderen Fakt.

Bei seinem Länderspiel-Debüt gegen Estland am 24. April 1996 wurde der damals 17-Jährige für seinen Vater Arnor eingewechselt. Dass ein Sohn für seinen Vater in einem Länderspiel eingewechselt wurde, hat es bislang nur dieses eine Mal gegeben.