Sieben Gründe für Schalkes neue Stärke

Thorsten Langenbahn
Domenico Tedesco steht mit Schalke 04 derzeit auf Platz 3

Die königsblauen Fans auf der Dortmunder Nordtribüne rasteten aus – das 4:4 des FC Schalke war der emotionale Höhepunkt einer königsblauen Saison, wie sie sich die wenigsten S04-Anhänger erhofft hätten.

Schalke darf als Dritter der Bundesliga sogar von der Champions League träumen.

SPORT1 nennt sieben Gründe, die für den aktuellen Erfolg stehen.

- Domenico Tedesco

Nach dem Derby lobte bei Schalke jeder jeden, aber alle lobten vor allem einen: den Trainer. Domenico Tedesco traf nach dem 0:4 zur Pause genau den richtigen Nerv.

"Er hat uns klargemacht, dass wir aus der ersten Halbzeit nur lernen können, und dass das ein Stück weit zu der Reise dazugehört, die wir gemeinsam gehen wollen. Er hat jeden Einzelnen nochmal gepackt – das Ergebnis hat man dann in der zweiten Halbzeit gesehen", sagte Leon Goretzka.

Der Jungstar unter den Trainern ist konsequent. Dazu gehören auch unbequeme Entscheidungen wie die Absetzung von Benedikt Höwedes vor der Saison als Kapitän, die schließlich zur Flucht des Weltmeisters führte.

Für Tedesco zählt vor allem Leistung. Das kommt bei den Spielern gut an.

- Christian Heidel

Die Transferknaller in seiner ersten Saison hielten sich in Grenzen. Dennoch hat Schalkes Sportvorstand in seiner zweiten Saison einen ausgeglichenen Kader zusammengestellt.

Der langjährige Mainz-Manager holte im Januar zudem 1,5-Millionen-Schnäppchen Guido Burgstaller aus Nürnberg, im Sommer band er die umworbenen Nationalspieler Goretzka und Max Meyer an den Klub, ließ auch Talent Thilo Kehrer nicht von der Leine.

Heidel reduzierte zudem gemeinsam mit Tedesco den aufgeblähten Kader, um den Konkurrenzkampf auf ein gesundes Maß zurückzuholen. Gleichzeitig steht Heidel für die neue Sachlichkeit auf Schalke.

- Ralf Fährmann

Als Nachfolger von Höwedes trat der 29-Jährige ein schweres Erbe an. Doch Ralf Fährmann identifiziert sich nicht nur mit dem Malocherklub, sondern auch mit seiner neuen Rolle.

Erst 14 Gegentreffer, davon vier beim BVB, hat der Schalke-Schlussmann kassiert. Fährmann wirkt sicherer als je zuvor. In der Weiße-Weste-Statistik steht er erneut auf Platz zwei aller Keeper – und bringt sich damit sogar beim Bundestrainer ins Gespräch.

Wie emotional Fährmann sein kann, zeigte er einmal mehr vor der Dortmunder Südtribüne, wo er nach dem 4:4 mehrmals auf das Schalke-Wappen seines Trikots klopfte.


- Leon Goretzka

Der spielerische Leader explodierte bei seinem Jubel nach dem 4:4 im Derby förmlich. "Es ist ein Stück weit überwältigend", sagte der Schalke-Star hinterher.


Die knöcherne Stressreaktion im Unterschenkel hatte den 22-Jährigen lange Zeit außer Gefecht gesetzt. Doch als er gebraucht wurde, war Leon Goretzka wieder da – und sorgte im Derby nach seiner Einwechslung mit seinem Willen und seiner Präsenz mit für den Umschwung.

Nun soll Goretzka mit einem Rekordgehalt über die Saison hinaus gehalten werden.

- Der zwölfte Mann

Vor fünf Jahren wurde in der Veltins-Arena schon gepfiffen, wenn nur ein Pass nicht ankam – und das gerne schon nach 20 Minuten. Diese Ungeduld der königsblauen Anhänger hat sich gelegt. Die Fans sind mehr bei der Mannschaft, trauen ihr zu, wieder Großes zu erreichen.

Dieser Vertrauensvorschuss spiegelt sich auf dem Platz wider und verleiht der Knappen-Elf ein anderes Selbstbewusstsein als noch im Vorjahr.

Ein explizites Lob schickte Tedesco nach dem Derby an die Anhänger: "Uns nach einem 0:4 so zu supporten, das tut richtig gut und ist Balsam für die Seele."

- Guido Burgstaller

Vor dem Derby schickte Schalkes früherer Stürmer Klaas-Jan Huntelaar eine Videobotschaft mit den besten Wünschen an seine früheren Mitspieler. Größtenteils ist vom "Hunter" rund um die Veltins-Arena aber kaum noch die Rede.


Stattdessen lassen sich immer mehr Fans den Namen "Burgstaller" und die Nummer 19 aufs Trikot drucken. Der österreichische Nationalstürmer ist der erste Verteidiger der Königsblauen. Zusammen mit seinen Nebenleuten geht der Mittelstürmer früh auf die gegnerische Abwehr los, um den Spielaufbau zu unterbinden.

Wie sich Guido Burgstaller vorne reinhaut, sieht nicht immer elegant aus, aber ist gnadenlos effektiv. Neun Tore erzielte er in seinem ersten Halbjahr im S04-Dress, diese Saison hat er in zwölf Ligaspielen auch schon fünf Mal geknipst – die beste Ausbeute aller Schalker.

- Naldo

Abwehrchef, Kopfballmonster, guter Geist – Naldo ist der heimliche Kapitän dieser Mannschaft. Hinten abwehr-, vorne treffsicher. Zwei Tore hat der kopfballstarke 1,98-Meter-Mann diese Saison erzielt. Sein wichtigstes: das 4:4 in der Nachspielzeit im Derby.

Das 3-5-2-System mit drei Innenverteidigern passt perfekt zum 35-Jährigen, der mit seiner Erfahrung und Größe alle überragt. Mit 75 Prozent gewonnener Duelle ist er zweikampfstärkster Spieler der Knappen.

Wie groß das Zutrauen in seine Person ist, erzählte Christian Heidel nach Naldos Last-Minute-Tor im Derby: "Wie der Eckball kommt, habe ich zu Axel Schuster gesagt: Ich muss erstmal einen Schluck Wasser trinken, ich mach' mich bereit zum jubeln, Naldo köpft den rein!" Genau so kam es.