Sieben Forderungen, die Krieg bedeuten können

Kaum Chancen auf einen Kompromiss: Katar wird die Forderungen seiner Nachbarstaaten nicht erfüllen. Nun dürften Sanktionen folgen und eine lang anhaltende Konfrontation am Golf – mit Folgen für die deutsche Wirtschaft.


Wenn saudi-arabische Top-Offizielle an diesem Dienstag über Katar reden, dann schwingt derselbe Hass mit wie bei ihren Reden über den Erzfeind Iran. Das ist aber erst seit dem 5. Juni so – dem Tag, an dem Katars arabische Nachbarn das kleine Emirat blockierten, alle Luft-, See- und Landwege abschnitten sowie die diplomatischen Beziehungen abbrachen.

Nun hat Katar bis Mittwochmorgen Zeit, den Forderungskatalog Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrains und Ägyptens zu erfüllen. Am Mittwoch wollen die Außenminister der vier Blockade-Länder in Kairo über ihr weiteres Vorgehen gegen Katar beraten. Und die Antwort der katarischen Regierung in Doha auf ihren 13 Punkte umfassenden Forderungskatalog prüfen, die der katarische Außenminister am Montag dem Herrscher von Kuwait, Scheich Sabah, übergab. Er vermittelt zwischen den verfeindeten Staaten.

Auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) ist gerade auf großer Tour durch den Nahen Osten, seit Wochen spricht er bereits mit den Kontrahenten, ob bei persönlichen Treffen in Berlin und Wolfenbüttel oder per Telefon. Nun also vor Ort: Am Montag traf der deutsche Vizekanzler in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda ein, wo König Salman, die Regierung und die ganze Entourage dem heißen Sommer in der Hauptstadt Riad entfliehen. Ein Treffen mit Außenminister Adel al-Jubeir, dann ging es weiter zur Führung der VAE in Abu Dhabi, anschließend nach Kuwait und Katar.


„Mein Eindruck ist, dass jetzt doch alle Seiten bemüht sind, einen Raum zu finden, in dem man sich verständigen kann“, sagte Gabriel am Dienstagmorgen in Abu Dhabi. „Aber soweit sind wir noch nicht.“ Offiziell will der Außenminister gar nicht als Vermittler auftreten. Aber die Pendeldiplomatie ist eine deutsche Stärke. Er unterstütze „mit Nachdruck“ Kuwait bei den Vermittlungsversuchen. Das Schicksal der Region und der Konflikt „betrifft auch uns und unsere Interessen“, betonte der SPD-Politiker. In Dschidda unterstrich er nach seinem Treffen mit al-Jubeir die Notwendigkeit zur gemeinsamen Bekämpfung von Terrorfinanzierung. Das ist der offizielle Vorwurf, den die vier Blockade-Staaten gegen Katar erheben.

Inoffiziell geht es noch viel weiter: Katar mische sich massiv in die Politik Saudi-Arabiens, der VAE, Ägyptens und Bahrains ein, heißt es von Top-Offiziellen. Ob Finanzierung eines Anschlags auf die heilige islamische Stadt Mekka, Unterstützung schiitischer Oppositioneller gegen den sunnitischen König von Bahrain oder die Hilfe für die Moslembruderschaften in Ägypten oder den VAE.


Die Moslembruderschaften würden dort politischen Islam und Wahlen gegen Monarchie oder Militärherrschaft propagieren. In Saudi-Arabien sollen die Kataris angeblich die mutigen Umbaupläne des Kronprinzen Mohammed bin Salman durch Propaganda bezahlter Kritiker torpedieren. Hinter all dem soll das aufgrund seiner gigantischen Gasreserven megareich gewordene Land stehen, das nicht wisse wohin mit seinem überbordenden Ego. Katar wolle beweisen, dass es alle und alles kaufen könne, verlauten Offizielle der Contra-Seite – ob Fußball-WM in glutheißer Wüste oder scharfe Kritik in den Bruderländern.

Offiziell umfasst die Forderungsliste an Katar 13 Punkte. Sie sei so gestrickt, dass Katar sie ablehnen müsse, kritisierte Katars Außenminister Mohammed Abdulrahman Al-Thani schon bald nach der Veröffentlichung vor nun elf Tagen. Inzwischen wurde er konkreter und ließ in seiner an Kuwaits Herrscher übergebenen offiziellen Antwort seines Landes wissen, dass Katar viele Forderungen gar nicht erfüllen könne: Die geforderte Auslieferung iranischer Revolutionsgarden-Vertreter scheitere schon daran, dass sie sich gar nicht in Doha aufhielten. Das sind die Hauptforderungen an Katar:


1 – Stopp der Terrorfinanzierung und 2 – Abbruch Iran-Beziehungen


Hiermit meinen die vier Blockade-Staaten vor allem Katars vermeintliche Unterstützung der palästinensischen Hamas, der libanesischen Hisbollah, der Moslembruderschaft, der Extremisten-Miliz „Islamischer Staat“ und der al-Nusra Front, die in Syrien gegen Diktator Baschar al-Assad kämpft, aber als Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida gilt.

Die Hamas herrscht im Gaza-Streifen, während die von den anderen arabischen Golfstaaten unterstützte Regierung von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas nur auf der West-Bank herrscht. Im Gazastreifen bezahlt Katar Wohnungsbau und greift schon einmal tief in die Taschen, wenn die Hamas die dortigen Verwaltungsbeamten nicht bezahlen kann.

Katar nenne die Hamas Widerstandskämpfer, dabei sei sie als Terrororganisation eingestuft, sagen Vertreter der Katar-Gegner. Kontakte zur Hisbollah, al-Qaida und dem IS bestreitet Katar.

„Wenn man sich vorstellt, was die beste Lösung wäre, die herauskommen kann aus diesem Konflikt, dann glaube ich, (es ist) eine gemeinschaftliche Verabredung über die Beendigung jedweder Unterstützung terroristischer oder extremistischer Organisationen“, sagte Bundesaußenminister Gabriel in Dschidda.


Daran müsste sich dann nicht nur Katar, sondern auch Saudi-Arabien halten, schoss er einen kleinen Giftpfeil in Richtung der Blockade-Länder. Denn auch saudi-arabischen radikalen Stiftungen wird immer wieder vorgeworfen, radikalislamische Organisationen, Moscheen und Schulen zu finanzieren.

Katar merkte süffisant an, dass in den Flugzeugen beim 9/11-Anschlag auf die Twin Towers in New York saudi-arabische und VAE-Staatsbürger als Terroristen saßen – aber keine Kataris.

2 – Abbruch der Beziehungen zum Iran

Die arabischen Golfstaaten werfen der Führungsmacht der moslemischen Schiiten vor, sich Saudi-Arabien und Bahrain als Teil eines neuen Persischen Reichs einverleiben zu wollen und alle Schiiten weltweit als iranische Staatsbürger anzusehen.

Saudi-Arabien, wo die heiligen Stätten Mekka und Medina liegen, versteht sich als Schutzmacht der Sunniten – der großen Mehrheit der Moslems. Iran, so lautet ein weiterer Vorwurf, wolle seine Islamische Revolution (im Jahr 1979, Imam Chomeini gegen den Schah von Persien) exportieren und überall ein Mullah-Regime etablieren.


3 – Schließung von Al-Jazeera und 4 – Militärbasis schließen


Der in Doha ansässige TV-Sender Al-Jazeera hat immer wieder kritisch auch über arabische Staaten berichtet – so etwa über das diktatorische Regime des im „Arabischen Frühling“ gestürzten Hosni Mubarak in Ägypten.

Al-Jazeera ließ immer auch die jungen Revolutionäre des Aufbruchs in der arabischen Welt zu Wort kommen. Al-Jazeera hat mit beIN SPORTS zudem einen mächtigen Sportkanal aufgebaut, der zur ernsthaften Konkurrenz bei der Vergabe von Sport-Übertragungsrechten geworden ist.

Saudi-Arabien und andere werfen Al-Jazeera, seiner Website und anderen katarischen Internet-Medien vor, Terrorpropaganda zu betreiben. So sei der inzwischen von einer US-Spezialeinheit in einer Kommandoaktion in Pakistan erschossene al-Qaida-Terrorchef Osama bin Laden im Programm als „Held“ oder „Kämpfer gegen den US-Imperialismus“ dargestellt worden statt als blutrünstiger Terrorboss.

Bin Laden war saudi-arabischer Staatsbürger, er entstammt der Bin-Laden-Familie, die einen der mächtigsten Baukonzerne am Golf besitzt.

4 – Schließung der türkischen Militärbasis bei Doha

Dort, wo auch die USA ihre 11.000 Mann starke Al Udeid Air Base unterhalten, hat Ankara seit 2014 auch einen kleinen Stützpunkt. Er wurde in jenem Jahr vereinbart, als die arabischen Nachbarn schon einmal Katar unter Druck setzten: Für neun Monate zogen sie ihre Botschafter aus Doha ab – als Protest gegen Katars Politik der Unterstützung vor allem der Moslembruderschaft in Ägypten.

Das ist Riad bis heute ein Dorn im Auge: Saudi-Arabien stärkt mit Milliarden Ägyptens Militärmachthaber al-Sisi, Katar die islamistischen Moslembrüder. „Die verbrennen unser Geld“, echauffierte sich kürzlich ein ranghoher Vertreter der Anti-Katar-Koalition.


Die türkische Militärbasis bei Doha ist seit Ausbruch der Krise am 5. Juni von 88 auf 113 Mann verstärkt worden. 5.000 Soldaten und Offiziere können es nach dem Willen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Katars Emir Tamim bin Hamad Al-Thani werden.

Die Türkei ist aber vor allem den um Vorherrschaft in der Region bemühten Saudis ein Dorn im Auge – wegen Erdogans Willen eines „neo-osmanischen Reiches“.

Die US-Airbase bei Doha sei das US-Hauptquartier für alle Einsätze im Nahen Osten, betonte der frühere CIA-Chef und Militärkommandeur in Afghanistan, David Petraeus, in einem Interview mit dem französischen „Journal du Dimanche“. Und: „Unsere Partner sollten sich daran erinnern, dass Katar auf unsere Bitten hin Delegationen der (afghanischen) Taliban und der (palästinensischen) Hamas in Doha empfangen hat.“


5 – Opposition nicht fördern und 6 – Ende von Außenpolitik


Katar mische sich mit der Finanzierung oppositioneller Gruppen in Saudi-Arabien, VAE, Bahrain und Ägypten massiv in die Politik dieser Länder ein, heißt es. Dies müsse sofort beendet werden.

Alle namentlich genannten Anführer von Organisationen, die von Katar aus Terror und Propaganda verbreiteten, müssten sofort ausgeliefert werden. Katar wurden dafür zehn Tage eingeräumt. Diese Frist wurde um 48 Stunden bis Mittwochmorgen verlängert.

Katars Außenminister behauptet, viele dieser Menschen seien gar nicht in Doha. Riad betont, man wisse genau wo diese Personen sich aufhielten und von wem sie finanziert würden – etwa per Barschecks katarischer Botschafter.

6 – Ende von Katars eigener Außenpolitik

Eine weitere Forderung: Ende einer eigenen Außenpolitik Katars und Bezahlung einer hohen „Kompensation und Reparationsleistungen“ für die dadurch angerichteten Schäden. Die Summe solle mit Katar verhandelt werden.


Die eigenständige und nicht mit dem Golf-Kooperationsrat GCC (Saudi-Arabien, VAE, Bahrain, Kuwait, Oman und Katar) abgestimmte Politik Dohas habe zum „Verbrennen unseres Geldes“ geführt, werfen die Katar-Blockierer dem Land vor. Saudi-Arabien und die VAE stecken Milliarden in den Aufbau Ägyptens, auch in die Schaffung einer völlig neuen Hauptstadt außerhalb Kairos.

Aber die politische Dividende kann Militärmachthaber al-Sisi, der laut Menschenrechtsgruppen den Nilstaat mit noch eiserner Faust führt als der im „Arabischen Frühling“ gestürzte Diktator Mubarak, nicht einfahren. Das liege sowohl an den „Fake News“ bei Al-Jazeera, das inzwischen in Ägypten, Saudi-Arabien und andernorts gesperrt wurde, als auch an der katarischen Unterstützung der al-Sisi Gegner – der Moslembruderschaft.

Auch die saudi-arabischen Reformbemühungen der ambitionierten „Vision 2030“ – die das Königreich fit machen soll für die Ära nach dem Öl – würden durch die aus Doha finanzierte Propaganda unterminiert. Dafür soll Katar zahlen. Wie viel? Das bleibt unklar.


7 – Monatliche Berichtspflicht


Katar soll jeden Monat den Mitgliedstaaten des Golf-Kooperationsrats GCC Bericht ablegen, inwiefern die Forderungen nun erfüllt werden. „Dies alles ist kein Forderungskatalog, sondern eine Verunglimpfung“, kommentiert Marwan Bishara, politischer Chef-Analyst bei Al-Jazeera, das Gesamtpaket.

Katar wird es in Großteilen ablehnen. Doha betont das im GCC-Vertrag festgeschriebene Recht auf Souveränität. Nun solle versucht werden, diese von außen zu unterminieren. In Doha wird mittlerweile ganz offen darüber gesprochen, dass Katar das Recht auf eigene Politik genommen werden solle.

Am Ende sollten der Emir Tamim und sein noch immer im Hintergrund agierender Vater gestürzt werden, die das Königshaus in Riad infrage stellten. Einige dort in der saudi-arabischen Hauptstadt sehen ohnehin bis heute Katar als Teil Saudi-Arabiens an.

Sollte Emir Tamim nicht freiwillig gehen und an eine andere Familie übergeben, sei sogar ein militärischer Einmarsch wie in Bahrain auf dem Höhepunkt des „Arabischen Frühlings“ durch saudi-arabische und emiratische Truppen nicht mehr ausgeschlossen.


„Der Konflikt am Golf geht nicht nur die an, die dort miteinander im Zwist liegen, sondern betrifft auch uns und unsere Interessen“, sagte Bundesaußenminister Gabriel. Damit meint er vor allem den Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS), in dem die Golfstaaten eine wichtige Rolle spielen, aber er meint auch eigene wirtschaftliche Interessen.

Denn im Rahmen des gigantischen Umbaus in Saudis „Vision 2030“ sowie im Vorfeld der Fußball-WM 2022 in Katar sind deutsche Firmen in der Region stark engagiert. Schon beim Atomabkommen mit Iran hatte Saudi-Arabien verlangt, deutsche Unternehmen sollten sich dort und nicht im Iran engagieren.

Dies dürfte Riad jetzt in Bezug auf Katar wiederholen. Zudem dürften die arabischen „Brüder“ – im Falle des erwartbaren Nicht-Einlenkens Dohas – in Kürze die Finanzkanäle nach Katar kappen und Wirtschaftsbeziehungen noch härter sanktionieren.

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Katar: Aufstieg eines Zwergs

Größe

Das Emirat Katar im Osten der arabischen Halbinsel ist geografisch zwar nur etwa halb so groß wie Hessen, gewinnt international aber sowohl politisch als auch wirtschaftlich immer mehr an Bedeutung. Große Vorkommen an Erdöl und Erdgas machten Katar zu einem der reichsten Länder der Erde. Das Land ist 2022 Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft.

Viele Ausländer

Rund 2,2 Millionen Menschen leben in Katar, von denen der Großteil aus dem Ausland kommt und als Gastarbeiter beschäftigt ist. Das Land hat zahlreiche Beteiligungen an europäischen Unternehmen, darunter etwa Anteile am VW-Konzern und an der Baufirma Hochtief. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira hat seinen Sitz in Katar.

Öl und Geopolitik

Katar ist Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und hat unter anderem zusammen mit Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten den Golfkooperationsrat mitgegründet, der eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik in der Region als Ziel hat. Südlich der Hauptstadt Doha befindet sich der größte Stützpunkt der US-Armee in der arabischen Welt.

Schelte

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert Katar für die Ausbeutung von Gastarbeitern und eingeschränkte Meinungsfreiheit.

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Der Konflikt in Katar

Warum ist das Emirat Katar so wichtig?

Das Land hat nur rund 270.000 Staatsbürger - ist aber weltweit der größte Produzent von flüssigem Erdgas und teilt sich ein gewaltiges Unterwasser-Gasfeld mit dem Iran. Außerdem werden vom Luftstützpunkt Al-Udeid aus Angriffe der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition gegen die Terrormiliz im Irak und in Syrien geflogen.

Die Rolle der Medien

Zudem ist in Katar das Nachrichten-Netzwerk Al-Dschasira ansässig, das in Verhandlungen mit Gruppierungen, von denen sich viele Regierungen lieber fernhalten, oft eine größere Rolle spielt. So half das Netzwerk beispielsweise dabei, Mitglieder der Herrscherfamilie aus einer Geiselnahme zu befreien. Außerdem sicherte Al-Dschasira die Freilassung von Geiseln im syrischen Bürgerkrieg.

Warum steht Katar im Konflikt mit den mächtigsten arabischen Ländern?

Spannungen zwischen Katar und Saudi-Arabien sind bereits vor zwei Wochen an die Oberfläche getreten. Katar gab an, dass die staatlich geführte Nachrichtenagentur und der offizielle Twitter-Account des Landes gehackt worden seien, um eine Falschnachricht zu verbreiten. Darin soll der katarische Emir, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, den Iran eine "regionale und islamistische Macht, die nicht ignoriert werden kann" genannt haben.

Kampagne in den Medien

Medien auf der arabischen Halbinsel ignorierten das Dementi Katars und verbreiteten weiterhin den Kommentar, während Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten den Zugang zu Al-Dschasira und mit dem Netzwerk verbundenen Seiten blockierten. Saudische Medien starteten eine aggressive Kampagne, die Katar vorwarf, Terrorgruppen mit Verbindungen zu Al-Kaida und der Terrormiliz Islamischer Staat zu unterstützen - und damit die Region zu destabilisieren und Verbündeten in den Rücken zu fallen. Weitere Medien schienen sogar einen Machtwechsel in Katar zu befürworten und warfen dem Emir vor, ein Geheimtreffen mit den Kommandeur der Iranischen Revolutionsgarde, Kassem Soleimani, abgehalten zu haben.

Vorwurf der Unterstützung der Muslimbruderschaft

Die Vereinigten Arabischen Emirate schienen wegen Katars Unterstützung von Islamisten in der Golf-Region und Libyen schon länger verärgert zu sein. Saudi-Arabien und Ägypten werfen Katar zudem vor, die als Bedrohung eingestufte Muslimbruderschaft zu unterstützen. Saudi-Arabien hält Katar außerdem vor, vom Iran gestützte Terroristengruppen in seiner Provinz Katif und dem angrenzenden Bahrain sowie Rebellen im Jemen zu fördern. Auch westliche Regierungen haben Katar vorgeworfen, sunnitische Extremisten wie den Al-Kaida-Zweig in Syrien zu dulden oder sogar zu fördern. Das Land unterstützt außerdem die Hamas im Gazastreifen.

Was sind die Konsequenzen des Streits?

Die Kappung der Verbindungen könnte für Katar längerfristige wirtschaftliche Konsequenzen haben - die sich wiederum auf Millionen von Wanderarbeitern und Auswanderern übertragen würden. Ein Großteil der Nahrungsmittel für Katar kommt aus Saudi-Arabien über die einzige Festland-Grenze Katars, die Saudi-Arabien nun aber geschlossen hat.

Risiko des Konflikts

Nach Angaben des Risiko-Beratungsunternehmens Eurasia Group ist die Gefahr eines Staatsstreiches erheblich gestiegen. Eine Änderung in der Regierung Katars könnte auch Fragen über die Zukunft des US-Luftstützpunktes aufwerfen und die Hamas ihren bisher größten Gönner kosten.

USA als Schlichter

US-Außenminister Rex Tillerson rief die Parteien dazu auf, ihre Streitigkeiten beizulegen. Saudi-Arabien hat den sich im Land aufhaltenden Katarern eine Frist von 14 Tagen gegeben, um das Land zu verlassen. Zudem sollen Saudis Katar weder bereisen oder sich dort ansiedeln. Katar zog seine Truppen aus der von Saudi-Arabien angeführten Koalition im Bürgerkriegsland Jemen zurück. Ägypten und Saudi-Arabien schlossen den Luft- und Seeraum für Katar - was vor allem die Fluglinie Qatar Airways betrifft, einen der größten Passagierbeförderer der Region. Die saudische Fluglinie Ethihad Airways, FlyDubai und die größte Fluggesellschaft im Nahen Osten, Emirates, stellten Flüge nach Katar ein.

Gibt Katar nach?

Katar bestreitet seine Unterstützung für Terroristengruppen in Syrien und anderen Länder. Und das, obwohl dem Land vorgeworfen wird, sunnitische Rebellengruppen zu fördern, die die syrische Regierung des Amtes entheben wollen. Offenbar ging katarisches Geld auch an Gruppen wie die Muslimbruderschaft. Die katarischen Herrscher zeigen sich von dem Konflikt bisher jedoch unbeeindruckt. Medien des Landes verbreiteten eine Karikatur, die sich darüber lustig machte, dass der saudische König Salman Fake News verbreite.

Katar gegen Saudi-Arabien

In der vergangenen Woche hatte Katars Emir den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani angerufen, um ihm zu Wiederwahl zu gratulieren - eine klare und offene Widerlegung saudischer Bemühungen, Katar auf Linie zu bringen. Der Emir Katars könnte sein Land aus dem Golf-Kooperationsrat zurückziehen.

Wie geht es weiter?

Bereits vor drei Jahren hatten mehrere Golfstaaten wegen Katars Unterstützung für die Muslimbruderschaft ihre Botschafter für neun Monate aus Katar abgezogen. Details des Abkommens, das den Konflikt damals löste, wurden nie offiziell bekannt - aber darunter waren Zusagen Katars, die Förderung der Bruderschaft einzustellen. Die aktuellen Forderungen an Katar sind derzeit noch verschwommen, es könnte jedoch zu einem ähnlichen Ablauf wie vor drei Jahren kommen - oder beide Seiten könnten sich noch mehr in ihre Positionen verbeißen.

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Glossar - der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

"¦ gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

"¦ von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit "Islamismus" solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

"¦ bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

"¦ dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

"¦ sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels - der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

"¦ haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

"¦ ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

"¦ bedeutet wörtlich "Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz" für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem "großen Dschihad" als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen "inneren Schweinehundes" und dem "kleinen Dschihad", dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als "Gotteskrieger" verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.