Psychotherapeut: Sieben Anzeichen dafür, dass einem ins Gesicht gelogen wird

David J. Lieberman hat wissenschaftliche Methoden entwickelt, um Lügner zu entlarven. Hier sind Tipps, wie man Lügen erkennen kann.

Eine eingeschränkte Mimik könne darauf hindeuten, dass eine Person lügt, erklärt David Lieberman, ein Psychotherapeut, der auch schon Agenten des FBI ausgebildet hat. - Copyright: 10'000 Hours/Getty Images
Eine eingeschränkte Mimik könne darauf hindeuten, dass eine Person lügt, erklärt David Lieberman, ein Psychotherapeut, der auch schon Agenten des FBI ausgebildet hat. (Bild: 10'000 Hours/Getty Images)

Stellt euch vor, ihr konfrontiert einen Mitarbeiter, den ihr verdächtigt, während der Arbeit zu trinken. Oder ihr setzt euch mit einem Angestellten zusammen, der Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung vehement abstreitet. Wie könnt ihr herausfinden, ob ihr es mit einem Lügner zu tun habt oder mit jemandem, der die Wahrheit sagt?

"Indem man nicht nur genau darauf achtet, was die Leute sagen, sondern auch darauf, wie sie es sagen, kann man herausfinden, was wirklich in ihrem Kopf vor sich geht", sagt David J. Lieberman, Autor des neuen Buches "Mindreader: The New Science of Deciphering What People Really Think, What They Really Want, and Who They Really Are".

Und damit hat er recht. Lieberman ist ein erfahrener Psychotherapeut, der wissenschaftlich fundierte Methoden anwendet, um die Worte und Handlungen von Menschen zu deuten. In den vergangenen 25 Jahren hat er Agenten des FBI, des US-Geheimdienstes CIA und anderer Nachrichtendienste quasi zu menschlichen Lügendetektoren ausgebildet.

Dieser Inhalt stammt von einem Drittanbieter. Um diesen anzuzeigen, müssen Sie Ihre Datenschutzeinstellungen ändern.
Dazu hier klicken.

In einem exklusiven Interview mit dem "Write About Now Podcast" sprach Lieberman über einige typische Anzeichen, die auf Täuschung und Manipulation hindeuten.

Hier sind sieben Dinge, auf die ihr achten solltet.

1. Lügner reden zu viel

Achtet auf die unmittelbare Antwort der Person, nachdem ihr gefragt habt, ob sie etwas getan hat. "Als allgemeine Richtlinie gilt, dass eine wahrheitsgemäße Antwort kurz und direkt ist", so Lieberman in dem Podcast-Interview. Lügner hingegen hielten oft einen langen Monolog mit viel "Predigen" und "Moralisieren". Lügner rechtfertigen dem Psychotherapeuten zufolge ihre Antworten mit allen möglichen Ausreden, wie zum Beispiel "Ich bin nicht so ein Mensch" oder "Wie ich dir schon sagte...". Im Grunde genommen reden sie also über 100 verschiedene Sachen, ohne eine direkte Antwort auf eure Frage zu geben.

2. Lügner probieren, euch die Wahrheit schmackhaft zu machen

Wenn euch jemand die Wahrheit erzählt, ist die Person nicht daran interessiert, euch von etwas zu überzeugen. Sie will euch nur die Wahrheit sagen, doch "ein Lügner ist daran interessiert, euch etwas zu verkaufen", sagt Lieberman. "Das bedeutet, dass diese Person in der Regel weit über den Punkt hinaus ausführt, an dem eine ehrliche Person aufgehört hätte. Es besteht die Tendenz, zu viel zu erklären."

3. Lügner sind erleichtert, wenn das Gespräch zu Ende ist

Lügen kostet viel mehr Energie, als die Wahrheit zu sagen – es kann anstrengend sein. Aus diesem Grund seien Lügner oft erleichtert, wenn sie ihr Netz der Täuschungen zu Ende gesponnen haben. Lieberman sagt jedoch, dass dieses Gefühl der Erleichterung auch ein Warnsignal sein könne. "Versetzt euch in die Lage einer ehrlichen Person, die zu Unrecht beschuldigt wurde. Wenn das Gespräch zu Ende ist, denkt man sich: 'Moment mal. Ihr habt mir gerade etwas vorgeworfen.' Ihr seid verärgert und genervt, vielleicht auch verbittert – aber ihr seid nicht erleichtert."

4. Lügner lächeln mit ihrem Mund, nicht mit ihrem Gesicht

Achtet auf das "Cheese"-Lächeln im Gesicht eines Lügners. "Wenn jemand eine Emotion vortäuscht, umfasst sie nicht das ganze Gesicht", sagt der Experte. "Das Lächeln umfasst nicht den oberen Teil des Gesichts, sondern nur die untere Gesichtshälfte."

Lügner lächelten entsprechend mit geschlossenem Mund, gespannten Lippen und ohne Bewegung der Stirn. Ein echtes Lächeln erhellt das ganze Gesicht.

5. Lügner geben vor, entspannt zu sein

"Wenn jemand vorgibt, unschuldig zu sein, versucht er, das Bild einer ruhigen und selbstbewussten Person zu vermitteln", erklärt Lieberman. Die Betroffenen neigen dazu, sehr selbstbewusste Dinge zu tun, wie beispielsweise imaginäre Fussel aus ihrer Hose zu entfernen oder sich zu strecken und zu gähnen. Und warum? Weil der gesunde Menschenverstand ihnen sagt, dass eine unschuldige Person sich so verhält und dass schuldige Menschen nervös sind.

Dies könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. "Eine Person, die zu Unrecht beschuldigt wird, wird nicht ruhig und selbstbewusst sein – sie wird sich aufregen", sagt Lieberman. "Eine Person, die euch weismachen will, nicht nervös zu sein, wirkt viel weniger nervös als eine Person, die tatsächlich nicht nervös ist. Denn Lügner überzeichnen oft eine Emotion, die sie gar nicht wirklich haben."

6. Lügengeschichten sind zu perfekt

Wenn eine Person die Wahrheit sagt, vor allem wenn es sich um etwas sehr Dramatisches handelt, wird die Geschichte wahrscheinlich keinen logischen Ablauf haben. Lieberman erklärt, dass Menschen oft mit dem emotionalsten Teil beginnen und dann nach und nach die Lücken füllen würden.

"Eine Person, die sich eine Geschichte ausdenkt, wird, nachdem sie zum Schlüsselereignis gekommen ist, aufhören. Sie wird nicht mehr weitermachen. Denn das ist es, was sie euch zu vermitteln hat", so Lieberman. "Eine ehrliche Schilderung der Geschehnisse schließt aber auch die emotionalen Folgen ein, also wie sich die Person gefühlt hat." Ein Lügner werde seine Geschichte auch mit vielen überflüssigen Details auffüllen. Weil er keine wirklichen Details habe, kompensiere er über und "fügt viele Details ein, die irrelevant sind".

7. Lügner benutzen unbestimmte Pronomen

Lieberman schult die Agentinnen und Agenten der Strafverfolgungsbehörden darin, auf die Personalpronomen zu achten, die Verdächtige verwenden. "Pronomen können verraten, ob jemand versucht, sich von seinen Worten zu distanzieren oder sich ganz von ihnen zu trennen", führt er in seinem Buch "Mindreader" aus. So wie ein Lügner vielleicht von euch wegschaut oder Schwierigkeiten hat, Augenkontakt herzustellen, wird er sich also von seinen eigenen Worten distanzieren und persönliche Pronomen wie "ich", "mir" oder "mein" vermeiden.

Stattdessen spricht der Lügner oft in der zweiten Person, mit vielen "du"-Aussagen, oder er bezieht sich auf "sie" oder "diese" Person. Das unterbewusste Signal sei hier, dass der Lügner ein zu schlechtes Gewissen habe, um sich direkt auf sich selbst zu beziehen, erklärt der Experte in dem Podcast-Interview.

Es gibt keine Wunderwaffen

Der Psychotherapeut Lieberman betont, dass jeder dieser Hinweise für sich genommen nicht unbedingt beweise, dass jemand lüge. Die Techniken, um Lügner zu entlarven, seien "keine Wunderwaffen". "Aber wenn man sieben, acht, neun Hinweise in einem einzigen Satz hat, dann kann man sehr deutlich erkennen, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht."

(Dieser Artikel ist zuerst bei "Entrepreneur" erschienen und wurde von Alexis Haupt aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.)

Im Video: Social Media - Abschalten hilft der Psyche