Sie setzt auf den „Trump-Effekt“: Ist dieses Ex-Playboy-Model Putins schärfste Konkurrentin?

Gesicht der schweigenden Mehrheit? Xenia Sobtschak will Russland umkrempeln. (Bild: AP Photo)

Am 18. März will Xenia Sobtschak bei der russischen Präsidentschaftswahl antreten. Doch viele Russen nehmen der TV-Moderatorin ihr plötzliches politisches Engagement nicht ab. Ihre Vermutung: Sobtschak ist lediglich eine Marionette des Kremls.

Emmanuel Macron hat es in Frankreich vorgemacht, Sebastian Kurz zog wenig später in Österreich nach: Junge Politiker in Europa haben derzeit gute Chancen, bei Wahlen eine Mehrheit im Volk zu finden. Nun möchte auch eine junge Russin der Regierung ihres Landes vorstehen und einen politischen Wandel herbeiführen: Die 35 Jahre alte Moderatorin Xenia Sobtschak will im März zur ersten Präsidentin Russlands gewählt werden.

Doch sowohl was ihre Aussichten auf das höchste Amt im Staate angeht, als auch was die Beweggründe für ihre Kandidatur betrifft, hegen viele Wähler zwischen Moskau und Krasnojarsk Zweifel. Denn Sobtschaks Ruf ist ziemlich ramponiert. Der „Stern“ bezeichnete die Blondine vor einigen Monaten als „die russische Paris Hilton“ – und das nicht ohne Grund.

Im Jahr 2006 posierte sie nackt für den Playboy. Sie moderierte die russische Ausgabe von „Germany’s Next Topmodel“ und die skandalträchtige Realityshow „Dom-2“ (Haus-2). Ein britischer Fernsehkritiker hatte einst gesagt, das echte „Big Brother“ wirke gegenüber „Dom-2“ anständig und human. In den Klatschspalten inszenierte sich Sobtschak zudem als It-Girl und Partygängerin. Prominent und reich – diese Kombination hat auch schon beim amtierenden US-Präsidenten gewirkt. Das Ex-Playmate hofft laut eigener Aussage auf einen „Trump-Effekt“. „Meine Popularität ist gigantisch. Ich bin die einzige Person neben Putin, die alle Russen kennen. Es gibt sonst niemanden in diesem Land, der so bekannt ist wie ich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mich viele Leute wählen würden. Ich weiß genau, wie man eine Marke groß macht“, so Sobtschak selbstbewusst gegenüber der „Associated Press“.

Seit 2010 betätigt sich Sobtschak politisch. Bei einer der Anti-Korruptions-Demos im Jahr 2011, als Wladimir Putin eine dritte Kandidatur ankündigte, schloss sie sich den Demonstranten an. Heute ist sie in der russischen Politik neben dem Aktivisten Alexej Nawalny die prominenteste Stimme, die offen gegen Korruption Stellung nimmt. Eine Kandidatin „gegen alle“ wolle sie sein. Doch wie glaubwürdig ist Sobtschak?


Der ausschlaggebendere Grund, aus dem viele Russen der Polit-Newcomerin misstrauen, ist ihre Herkunft. Die 36-Jährige entstammt nämlich dem Kreml-Adel. Ihr im Jahr 2000 verstorbener Vater Anatoli Sobtschak war einst Bürgermeister von St. Petersburg und gilt als der Ziehvater von Wladimir Putin. Kritiker unterstellen Xenia Sobtschak, sie sei eine Marionette des Präsidenten und trete lediglich zur Wahl an, um die immer lauter werdende Opposition ruhigzustellen.

Das schmälert die Aussicht auf einen Erfolg bei der Präsidentenwahl am 18. März. Was ihrer Kandidatur aber wohl am meisten schadet, ist eine Aussage, die Sobtschak 2012 in einem Interview von sich gab. Damals sagte sie, die Ereignisse des 20. Jahrhunderts haben dazu geführt, dass Russland zu einem „Land des genetischen Abschaums“ verkommen sei. Viele Russen nehmen ihr dieses Verdikt bis heute übel.