„Sie haben Ihre Wähler veräppelt“: Ex-AfD-Spitzenkandidatin Frauke Petry bei Markus Lanz

Mittlerweile ist Frauke Petry Mitglied von „Die blaue Partei“. (Bild: ddp Images/BUG)

Sie gilt als eine der kontroversesten Figuren in der deutschen Politik: Zum ersten Mal war Frauke Petry, die ehemalige Spitzenkandidatin der Alternative für Deutschland (AfD), zu Gast bei „Markus Lanz“.

Petry, die mit der AfD große Erfolge feierte, verkündete nur einen Tag nach der Bundestagswahl im September ihren Ausstieg aus der rechtspopulistischen Partei. „Tatsächlich habe ich die Flucht nach vorne angetreten – zu einem Zeitpunkt, der bestimmt auch von vornherein nicht verständlich gewesen ist. Aber für mich war es der letztmögliche Zeitpunkt zum Ausstieg […]. Es war die Flucht nach vorne aus der Partei, solange ich diese Entscheidung noch erhobenen Hauptes selbst treffen konnte“, erklärte die 42-Jährige ihren Rückzug aus der AfD, und merkte an: „In der Tat hat sich die AfD in den letzten Monaten, auch im Wahlkampf, in eine Richtung entwickelt, die ich nicht mittragen konnte.“ Petry gründete nach ihrem Ausstieg aus der AfD „Die blaue Partei“.

Nikolaus Blome, stellvertretender Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, kritisierte Petrys Vorgehen: „Frau Petry, Sie haben dem Wähler gesagt: ‚Ich trete für die AfD an.’ Sie sind für die AfD in den Bundestag gewählt worden und am Tag darauf sind Sie ausgetreten. Ich habe das Gefühl, Sie haben Ihre Wähler veräppelt. Sie sind vor den Geistern geflohen, die Sie selber in die AfD gerufen haben.“ Petry wiederum entgegnete, dass diese Argumentation „nicht stringent“ sei: „Denn Sie führen gerade das Direktmandat an. Da geht es um die direkte Personenwahl – in einem Wahlkreis, in dem ich sehr offen über die Probleme der eigenen Partei gesprochen habe.“

Kritik an Petry kam vom stellvertretenden „Bild“-Chefredakteur Nikolaus Blome. (Bild: INTERTOPICS/Bug)

Lanz fragte bei Petry nach, seit wann sie denn vorhatte, aus der AfD auszusteigen. „Ich weiß nicht, ob das durchgedrungen ist, was im Sommer, am 9. Juli, in Sachsen passiert ist. Ich bin ja Direktkandidaten in einem durchaus schwierigen Wahlkreis gewesen. Schwierig vor allem für die CDU, weil ich dort den CDU-Kandidaten mit 37,4 Prozent verdrängt habe. Meine ehemaligen Kollegen aus dem dortigen Kreisvorstand […] haben versucht, mich dieser Kandidatur zu entheben, nachdem sie mich vorher Monate lang dringend gebeten haben, genau dort zu kandidieren. Das war für mich keine leichte Entscheidung, da hinzugehen, weil wir inhaltlich durchaus immer schon Spannungen hatten – was für eine junge Partei vielleicht nicht ungewöhnlich ist“, so die Politikerin. Man habe versucht, sie als Spitzenkandidatin abzuwählen, was nicht gelungen sei. Angefangen habe es aber auch schon beim Parteitag in Köln – da wäre bereits spürbar gewesen, „dass die Mehrheit der Delegierten nicht willens war, dem Wähler zu erklären, wo die Partei hinwill.“

Hierbei gehe es um die Diskrepanz einer konstruktiven Rolle gegenüber der einer Daueropposition. „Einer braunen Daueropposition?“, hakte Lanz ein. „Das trifft nicht für alle Teile der AfD zu. Das ist, glaube ich, auch ein Teil dessen, warum die AfD so immun geworden ist gegen mediale Kritik – ich sage nicht Angriff, sondern berechtigte Kritik: Weil es zu oft gespielt wurde, wenn es nicht gestimmt hat. Es gibt die Problemfälle, da bin ich bei Ihnen – aber es stimmt eben nicht für die Mehrheit der Mitglieder.“

Dennoch sieht Petry auch positive Seiten an ihrer ehemaligen Partei: „Eine Opposition im Bundestag […] war dringend notwendig. Und das ist die AfD, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin: Sie bringt eine Kontroverse in die Politik, die dringend notwendig war, die es eben mit der CDU und der SPD schon lange nicht mehr gibt.“

Auf die Frage, ob sie finde, dass man den innerparteilichen Kampf gegen rechtsextreme Tendenzen verloren habe, antwortete sie: „Wir haben auf jeden Fall den Kampf gegen diverse Strömungen in der Partei verloren. […] Und das war der Grund, weiterzukämpfen für die vernünftigen Gründe der AfD, Euro-Kritik, Kritik an der Migrationspolitik […], das war es wert, vorangebracht zu werden. Das Hauptproblem junger Parteien ist häufig, dass sie schwer zu führen sind. Die AfD rutscht jetzt wirtschaftspolitisch nach links in eine sozialistische Ecke ab, gleichzeitig mit einem stark patriotischen bis nationalen Anteil.“

Im Anschluss erzählte der Journalist Andreas Englisch von seiner Reise mit Papst Franziskus nach Myanmar. „Das war die schwierigste Reise, glaube ich, seit vielen Jahren für einen Papst“, so Englisch über die Reise des Kirchenoberhauptes, auf der er sich unter anderem mit dem de-facto-Staatsoberhaupt Aung San Suu Kyi traf. Englisch, der seit Langem in Rom lebt, erklärte passend zum Tag auch die Herkunft des Heiligen Nikolaus. Außerdem zu Gast: die Zwillinge Frederick und Gerrit Braun, die das „Miniatur Wunderland“ in Hamburg erschufen.