Sicherung des Domumfelds: Tonnenschwere Barrieren sollen Anschläge verhindern

Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick zusammengestellt.

Stadtverwaltung und Polizei haben auf den Terroranschlag in Barcelona am 17. August reagiert und am Mittwoch die Sicherheitsmaßnahmen im Domumfeld verstärkt. Polizeipräsident Uwe Jacob spricht von einer „hohen abstrakten Anschlagsgefahr“. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Welche Gefahren sieht Polizeipräsident Uwe Jacob für das Domumfeld?

„Wir haben uns nach dem Anschlag in Barcelona zusammengesetzt und überlegt, was das für Köln bedeutet“, sagt Jacob. Die abstrakte Gefahr rund um den Dom könne sich theoretisch bis zu einem konkreten terroristischen Anschlag entwickeln.

Dass in Barcelona auch die Kathedrale Sagrada Família ein Ziel der Terroristen gewesen sei, verdeutliche die Gefahr für die Domumgebung. Lastwagen und Autos seien bei den Attentaten in Nizza, Berlin, London und zuletzt in Barcelona als Tatwaffe verwendet worden – ein Grundmuster sei erkennbar. Davor müsse auch der Kölner Dom beschützt werden.

Wie wollen Stadt und Polizei verhindern, dass Terroristen mit Lkw und Pkw auf die Domplatte fahren?

An drei Stellen, an denen Attentäter mit einem Fahrzeug auf die Domplatte gelangen könnten, werden Sperren eingerichtet. Das betrifft zunächst eine Lücke an der Straße Am Hof, unmittelbar neben dem Dom-Hotel. Diese wird unter anderem genutzt, um Material für den Weihnachtsmarkt und für den Bühnenaufbau bei Konzerten anzuliefern.

Die Lücke wird mit einem Polizeifahrzeug in der Größe eines Lieferwagens blockiert, das als mobile Schranke dient und bei Bedarf weggefahren werden kann. Eine weitere Stelle befindet sich am Wallrafplatz seitlich des Blau-Gold-Hauses. Dort haben Arbeiter mit einem Gabelstapler drei jahrhundertealte, schwere Domsteine platziert, die früher in der Kathedrale verbaut waren.

Auch dort soll ein Polizeifahrzeug als mobile Schranke gesetzt werden, damit unter anderem Rettungsfahrzeuge zum Dom gelangen können. Ein vierter Domstein wurde im schmalen Domgäßchen neben dem Domforum aufgestellt, obwohl dort selbst ein Kleinwagen kaum durchpassen würde.

Ab wann sind die Sperren in Betrieb?

Auch wenn Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Polizeipräsident die Barrieren am Mittwoch medienwirksam präsentiert haben, sind diese zurzeit noch völlig wirkungslos. Die Polizeifahrzeuge, die jeweils mit zwei Beamten besetzt sein werden, sollen erst in einigen Tagen vor Ort sein. Die am Mittwoch während der Pressekonferenz anwesenden Polizisten wurden nach Endes des Termins wieder abgezogen. 

Spätestens zum Start des Chinafestes auf dem Roncalliplatz am Wochenende soll der Einsatz beginnen. „Wir müssen vorher noch Personal umschichten“, sagt ein Polizeisprecher. Laut Polizeipräsident Jacob ist geplant, dass die Beamten lediglich zwischen 10 Uhr und 22 Uhr vor Ort sein sollen. Außerhalb dieser Zeit seien dort ohnehin nur wenige Menschen unterwegs.

Warum wird lediglich der Dom vor Fahrzeugen geschützt, obwohl in der Schildergasse, der Hohe Straße und auf den Ringen ebenso viele Menschen unterwegs sind?

„Die Frage ist, wo fängt man an, wo hört man auf“, sagt Polizeipräsident Jacob. Der Dom sei besonders schützenswert, weil er das westliche Lebensgefühl verkörpere und mit dem Petersdom in Rom zu den wichtigsten katholischen Gotteshäusern gehöre. Er halte es für eine geniale Idee, dass der Dom seine Besucher nun mit den Dom-Steinen selbst schütze. „Wir können und wollen aber nicht alles schützen – das würde den Terroristen nur in die Hände spielen“, so Jacob.

Wie soll der Bahnhofsvorplatz geschützt werden?

Der Bahnhofsvorplatz ist zwar bereits mit Pollern bestückt. Diese lassen sich allerdings mit einem Werkzeug ohne großen Aufwand entfernen. „Das entspricht nicht mehr dem Stand der Technik“, sagt Stadtdirektor Stephan Keller.

Die Anlagen müssten daher erneuert und verbessert werden. Es sei allerdings nicht möglich, den Verkehr dort vollständig zu verbannen. Ebenso wie auf der Domplatte müssten Rettungsfahrzeuge und der Lieferverkehr einen Zugang haben. „Wir werden uns aber jetzt einmal genauer anschauen, ob sich der Umfang reduzieren lässt“, so Keller. Darüber hinaus soll geklärt werden, ob das Infomobil der Polizei auch weiterhin auf dem Platz präsent bleibt.

Welche Kosten entstehen durch die Barrieren?

Die Hohe Domkirche stellt die Domsteine kostenlos zur Verfügung. Da die Polizei sich lediglich dazu bereiterklärt hat, Fahrzeuge und Beamte in der ersten Zeit einzusetzen, wird voraussichtlich ein privater Wachdienst engagiert, was weitere Kosten nach sich ziehen wird. Der Einsatz des Gabelstaplers zum Transport der Domsteine sei ebenfalls kein Kostenfaktor, so die Stadt.

Handelt es sich bei den Sperren um eine dauerhafte Lösung?

Nein, die Kombination aus Dom-steinen und Polizeifahrzeugen ist als kurzfristiges Provisorium gedacht. Stadtdirektor Stephan Keller hat angekündigt, dass sich Polizei und Stadt zusammensetzen werden, um sich eine dauerhafte bauliche Lösung einfallen zu lassen. Dabei soll laut Polizeipräsident Jacob auch geprüft werden, ob im Boden versenkbare Poller, wie sie in Berlin vor Botschaften und Regierungsgebäuden zum Einsatz kommen, eine mögliche Lösung sein könnten.

Wie bewertet Oberbürgermeisterin Henriette Reker die zusätzliche Sicherheit am Dom?

„Ich glaube, dass wir auf diese Weise unseren Lebensstil beibehalten können“, erklärt Reker. Es sei wichtig, die Stadt nicht zu verbarrikadieren. „Wir wollen das Sicherheitsgefühl der Menschen stärken, aber gleichzeitig nicht in Aktionismus verfallen“, so die Oberbürgermeisterin. Sie sei froh, dass die Hohe Domkirche sich an den neuen Sicherheitsmaßnahmen beteilige. Reker: „Die Lösung mit den Domsteinen hat einen besonderen Charme.“

Was sagen die Vertreter der Hohen Domkirche zu der zusätzlichen Sicherung des Domumfelds?

„Wir haben mit dem Dom eine der bundesweiten Hauptsehenswürdigkeiten in Köln“, sagt Stadtdechant Monsignore Robert Kleine. An dieser besonderen Stelle für Sicherheit zu sorgen, halte er für angebracht. Seit den Anschlägen des 11, September 2001 in den USA habe sich das Verständnis von Terror in der westlichen Welt verändert.

„Das ist durch die Verwendung von Lkw und Pkw noch näher gerückt“, so Kleine. Es sei notwendig, die Menschen zu schützen, die fröhlich und arglos am Dom vorbeispazierten. Er sei allerdings froh, dass statt Betonpollern oder Wassertanks die Domsteine als Sperren verwendet werden. „Wir müssen unser Leben aber normal weiter leben“, sagt Kleine. Die Terroristen würden siegen, wenn die Bevölkerung Angst hätte. „Das wäre das Schlimmste“, so Kleine.

Die nächste Großveranstaltung in Köln ist der Marathon am 1. Oktober. Wird es dort schärfere Sicherheitsvorkehrungen geben?

„Wir haben schon nach dem Anschlag in Nizza im vergangenen Jahr reagiert und die neuralgischen Punkte besser gesichert“, sagt Markus Frisch, Geschäftsführer der Marathon GmbH.

Was heißt das genau?

Der Startbereich am Ottoplatz vor dem Deutzer Bahnhof wird mit Sperrgittern und Fahrzeugen so abgesichert, dass eine Zufahrt unmöglich ist. Gleiches gilt auch für die Nordseite der Deutzer Brücke, die mit einem 7,5 Tonnen schweren Lastwagen blockiert wird. Die Südseite wird von den Läufern genutzt.

Auch der Zielbereich in der Komödienstraße am Dom und der Rudolfplatz sind so abgesichert, dass sie mit Autos nicht erreicht werden können. Einzige Ausnahme sind Rettungswagen und Polizei. Die Fahrer der Kleintransporter, mit denen die Kleidersäcke der mehr als 20 000 Teilnehmer von Deutz ins Ziel gebracht werden, sind den Veranstaltern persönlich bekannt. „Das sind alles freiwillige Helfer von Vereinen, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten“, sagt Frisch.

Ist das ausreichend?

Viel mehr könne man nicht tun, sagt Professor Frank Fiedrich, Leiter des Lehrstuhls für Bevölkerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit an der Bergischen Universität Wuppertal. Sogenannte Streckenveranstaltungen wie Marathonläufe oder Radrennen seien extrem schwierig zu sichern.

Die Städte müssten auf die veränderte Bedrohungslage zwar reagieren, aber dürften dabei auch nicht in blinden Aktionismus verfallen. Dass Köln die Domumgebung besser absichere, sei durchaus sinnvoll. Gleiches gelte für Plätze, an denen sich viele Menschen in einem begrenzten Areal aufhielten, beispielsweise für Weihnachtsmärkte.

NRW-Innenminister lobt Dom-Lösung

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) begrüßt die Entscheidung zur Sicherung der Domumgebung. „Die Idee mit den Domsteinen finde ich gelungen. Eine Lösung mit Augenmaß, die auch der Bedeutung des Doms als Wahrzeichen der Stadt und unserer Region gerecht wird.

Das ist genau so, wie ich mir die neuen Sicherheitsabsprachen zwischen Kommunen und Polizei vorstelle. Lokal reden und anschließend auch lokal handeln. Natürlich unter Beachtung der geltenden Sicherheitsstandards. Aber die Verantwortlichen vor Ort wissen doch am besten, was das passende Konzept für ihre Stadt ist. Das sollten wir nicht bis ins Detail aus Düsseldorf diktieren.“

Auch Düsseldorf denkt über neues Sicherheitskonzept nach

Auch in Düsseldorf denkt die Stadtverwaltung darüber nach, das Sicherheitskonzept für die Innenstadt zu überarbeiten. „Die Stadtverwaltung arbeitet unter Beteiligung mehrerer Ämter an Sicherheitsvorkehrungen, die auch bauliche Elemente für den innerstädtischen Bereich vorsehen“, sagte ein Stadtsprecher. Zudem würden die bestehenden Konzepte ständig überprüft und wenn nötig angepasst.

In Neuss, wo am Wochenende das größte Schützenfest Deutschlands stattfindet, wird der zentrale Kirmesplatz ab Freitag mit Betonsperren und Lastwagen auf den Zufahrtstraßen vor einem möglichen Anschlag gesichert. Am Berliner und Aachener Dom gelten bereits seit einiger Zeit erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. Für die Dresdner Frauenkirche werden sie in Erwägung gezogen. (gmv/pb/dpa)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta