Wie sicher ist die Dividende der Royal-Dutch-Shell-Aktie?

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
silhouette of working oil pumps on sunset background

Seit Ausbruch des Coronavirus im Dezember 2019 ist der Erdölpreis der Sorte Brent um mehr als 58 % eingebrochen (25.03.2020). Zwar gibt es dafür auch wirtschaftliche Gründe wie die aktuelle Zwangsschließung kompletter Wirtschaftsräume, die die Ölnachfrage einbrechen lässt. Aber auch der fehlende Wille führender Ölförderländer, sich auf eine Förderkürzung zu einigen, trug stark zum Preiseinbruch bei.

Russland und Saudi-Arabien sind dabei die Hauptakteure. Sie kämpfen um Marktanteile. Russland zielt darüber hinaus darauf ab, die amerikanische Ölindustrie zu treffen, um am Ende noch mehr Marktanteile für sich zu gewinnen. Früher oder später werden sich die Parteien aber sehr wahrscheinlich doch einigen, denn die aktuelle Situation ist für alle Ölförderländer sehr unangenehm und dauerhaft nicht durchzuhalten.

Aber wie geht es in dieser Situation den großen Ölförderfirmen wie der Royal Dutch Shell (WKN: A0D94M)-Aktie? Kann sie ihre Dividende halten oder ist sogar der Firmenbestand gefährdet?

So hart trifft Royal Dutch Shell der Ölpreiscrash

Für europäische und amerikanische Ölförderfirmen geht der stark gesunkene Erdölpreis mit einem Ergebniseinbruch einher, der erst später im Jahr sichtbar werden wird. Vieles hängt jedoch davon ab, ob sich die Ölförderländer am Ende nicht doch einigen können und wie schnell die Wirtschaft nach der aktuellen Schließung wieder zur Normalität zurückfindet.

Wie anfällig Royal Dutch Shell hinsichtlich eines niedrigen Ölpreises ist, zeigen die Jahre 2015 und 2016, als der Brent-Erdölpreis knapp unter 30 US-Dollar fiel. Für 2015 musste der Konzern damals einen operativen Verlust in Höhe von 3,26 Mrd. US-Dollar ausweisen.

Der Konzern reagiert auf die Krise

Royal Dutch Shell bleiben nicht sehr viele Optionen, um einen Verlust zu vermeiden. Aktuell sind eine Senkung der operativen Kosten um 3 bis 4 Mrd. US-Dollar und eine Reduktion der Investitionen von 25 auf 20 Mrd. US-Dollar geplant. Zudem wird das Aktienrückkaufprogramm ausgesetzt, sobald die aktuelle Tranche komplettiert wurde.

Der freie Cashflow soll so in Summe um 8 bis 9 Mrd. US-Dollar steigen. Der Konzern plant darüber hinaus einen Verkauf von Unternehmensteilen im Wert von 10 Mrd. US-Dollar. Ob diese aber unter den aktuellen Marktbedingungen zu realisieren sind, ist fraglich.

Die Dividende wird zunächst nicht verändert, weil sie für viele Investoren sehr wichtig ist. Würde sie gekürzt oder gestrichen werden, würde der Kurs sehr wahrscheinlich noch einmal stärker fallen. Hält die aktuelle Situation jedoch längere Zeit an, bliebe Royal Dutch Shell nichts weiter übrig, als eine Ausschüttungskürzung vorzunehmen. Die Krisendauer ist also sehr entscheidend.

Dem Konzern kommt allerdings zugute, dass er gut 40 % seines Gewinns (2019) im Downstreamgeschäft (Raffineriegeschäft) verdient. Dieses profitiert von einem gefallenen Ölpreis, wodurch sich die Verluste dämpfen lassen. Zudem besitzt Royal Dutch Shell gegenüber den amerikanischen Konkurrenten den Vorteil der geringeren Ölförderkosten und kann so die Krise länger durchstehen.

Ist die Aktie nun ein Schnäppchen?

Zwar kann niemand genau sagen, wann die aktuelle Krise enden wird, aber schon jetzt ist erkennbar, dass sie unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht dauerhaft fortgesetzt werden kann. Royal Dutch Shell sollte aufgrund seiner breiten Aufstellung und der weiteren Anpassungsmöglichkeiten die Talsohle durchschreiten können.

Die Aktie notiert dagegen heute zu einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von nur noch 0,57 (26.03.2020) und ist unterbewertet. Langfristig sollten sich die Anleger jedoch überlegen, ob der Ölmarkt noch sehr viel Zukunft besitzt oder ob es nicht bessere und aussichtsreichere Dividendenwerte gibt.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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