Was die Welt vom verrücktesten Gipfel in der Geschichte der Diplomatie erwarten kann

Um Punkt neun Uhr öffnen sich Glastüren des Tagungshauses auf der nordkoreanischen Seite des gemeinsamen Sicherheitsgebiets Panmunjom – jenem Grenzort zwischen Nord- und Südkorea, der als Symbol für Krieg und Teilung der Halbinsel steht.

Zuerst treten zwölf Leibwächter nach draußen. Kurz darauf folgt Kim Jong Un. Langsam schreitet er die Treppe hinunter, gefolgt von seiner Entourage. Mit wippendem Schritt bewegt er seinen massigen Körper auf Südkoreas Präsident Moon Jae In zu, der zwischen den blauen Baracken an der Grenzlinie auf ihn wartet.

Ein langer Handschlag, ein paar Höflichkeiten. Kim posiert – so, als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht – erst für die südkoreanischen Kameras jenseits der Grenzlinie, dann für die nordkoreanischen diesseits der Linie.

Es folgt der Moment, der vielen Südkoreanern das Herz öffnet: Nordkoreas Führer bittet Südkoreas Präsident, gemeinsam einen Schritt zurück in den „Norden“ zu gehen. Moon stutzt zunächst, steigt dann aber doch Hand in Hand mit Kim über den Grenzstein. Moon lächelt gerührt, Kim erleichtert. Im südkoreanischen Pressezentrum bricht Applaus aus.


Nordkoreas Diktator Kim soll elf Jahre an einem Schweizer Internat verbracht haben. Doch erfahren in der internationalen Politik ist er nicht. Seine Frisur wirkt im Westen bestenfalls komisch mit den rasierten Schläfen und dem hochgeföhnten und nach hintengegelten Deckhaar. Und auch der schwarze Mao-Anzug, der lange Zeit Kims Markenzeichen war, entspricht nicht dem gängigen diplomatischen Protokoll.

Aber kaum jemand wird bestreiten: An diesem 29. April hat der ebenso geheimnisumwitterte wie gefürchtete Diktator auf dem innerkoreanischen Gipfel bewiesen, dass er den Anforderungen der Medienwelt im 21. Jahrhundert gewachsen ist.

Dabei war dies erst die Generalprobe für ein Ereignis, das schon jetzt als historisch bezeichnet werden darf. Ein Ereignis, das vor allem aus Sicht Kim Jong Uns eine Zäsur darstellen muss: sein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump am kommenden Dienstag in Singapur.

Macht der Gipfel die Welt sicherer?

Mit diesem Ereignis kann Kim Jong Un sich und sein Land, das jahrzehntelang weltweit als Pariastaat verachtet wurde, ein Stück weit als rehabilitiert betrachten. Schon immer wollte die Tyrannendynastie der Kims ein Treffen mit dem Anführer der USA. „Nun wird Nordkoreas Traum war“, sagt Lee Seong Hyon, Nordkorea-Experte am Sejong-Institut, einem südkoreanischen Thinktank.

Die entscheidenden Fragen aus Sicht des Westens: Macht der Gipfel die Welt sicherer? Wird das Treffen, wie mancher hofft, gar die vollständige Denuklearisierung Koreas einleiten? Oder sogar die Wiedervereinigung der seit Ende des Zweiten Weltkriegs in einen kommunistischen Norden und kapitalistischen Süden geteilten Halbinsel?

Auch für Kims Gegenüber geht es um sehr viel. Trump will sich in die Geschichtsbücher eintragen, sich als Dealmaker beweisen. Er glaubt, dass die Gesprächsbereitschaft Nordkoreas sein Erfolg ist – das Ergebnis seiner Drohgebärden. Trumps Claqueure geben alles, um diese Sicht der Dinge zu verbreiten.


Kim habe „auf Händen und Füßen“ um das Treffen mit Trump gebettelt, tönt Trumps Justiziar Rudy Giuliani. Und selbst kritische Intellektuelle wie Niall Ferguson halten Trumps Außenpolitik für erstaunlich erfolgreich: „Trump hat zwar überhaupt keine konsistente außenpolitische Strategie, aber er hat ein intuitives Gespür für die Schwäche anderer Staaten. Das gilt für China, den Iran, Europa – und für Nordkorea.“

„Feuer und Zorn“ wollte Trump auf Kim herabregnen lassen, als „kleinen Raketenmann“ versuchte Trump den Tyrannen lächerlich zu machen. Kim revanchierte sich, indem er den US-Präsidenten als „senil“ und „geistig umnachtet“ bezeichnete. Noch 2017 schienen sich die USA und Nordkorea am Rand eines Kriegs zu befinden.

Pünktlich zum amerikanischen Unabhängigkeitstag ließ Nordkorea im vergangenen Jahr einen Flugkörper des Typs Hwasong-14 testen, der nach Angaben von Experten eine Reichweite von bis zu 6700 Kilometern haben könnte – weit genug, um damit amerikanisches Festland zu erreichen.

Die Vorstellung, dass Nordkorea eine solche Rakete mit einem Nuklearsprengkopf versehen könnte, versetzte amerikanische Militärstrategen in höchste geistige Alarmbereitschaft.

Damit hatte Kim geschafft, was er mit seinen Provokationen erreichen wollte: Nordkoreas Status als Atommacht zu unterstreichen. Und damit änderte sich sein Kalkül. Statt Konfrontation suchte Kim auf einmal die Entspannung. Trump ließ sich rasch erweichen, bald rüstete auch er rhetorisch ab. Jetzt kann man schon fast von einem Flirt der beiden Staatschefs sprechen.

Die verbale Abrüstung kam unerwartet, auch für Amerikas Partner. Sie bildet derzeit einen der seltenen Punkte, in denen die Bundesrepublik mit den USA nicht über Kreuz liegt. Aus Sicht der Bundesregierung gibt das außenpolitische Gebaren Trumps Anlass zu großer Sorge, doch zumindest in der Korea-Politik findet man zusammen.

Als Bundesaußenminister Heiko Maas vor ein paar Wochen in Washington zu Besuch war, gratulierte er seinem US-Amtskollegen Mike Pompeo zu dessen Gesprächen in Nordkorea. Schon zweimal hat Pompeo Kim dort getroffen. Das zweite Mal ließ sich der US-Minister sogar mit einem Lächeln auf den Lippen abbilden. Entspannungspolitik beginnt mit kleinen Gesten.

Nach Pompeos Sondierungen folgt nun der Gipfel von Singapur. Trump hat großes Interesse daran, dass das Ereignis ein Erfolg wird. Wie nahezu jeder US-Präsident vor ihm sieht auch Trump die Außenpolitik vor allem als Fortsetzung der Innenpolitik mit veränderten Mitteln. Mit Bildern, die ihn als Friedensstifter darstellen, will Trump den Sieg der demokratischen Opposition bei den US-Kongresswahlen im Herbst verhindern. Frieden entsteht durch Stärke – das ist die Botschaft, die Trump senden will. An die Welt und ans eigene Volk.


Um das Rendezvous mit Kim und der Geschichte nicht zu gefährden, hat der US-Präsident sogar seinen gerade erst ernannten Sicherheitsberater düpiert, den Hardliner John Bolton. Bolton hält wenig von Verhandlungen mit Schurkenstaaten – es habe noch keinen Krieg gegeben, den Bolton nicht unterstützt hätte, lästert man in Washington. Für Nordkorea ist der Mann mit dem Walrossschnauzer ein blutrünstiger Imperialist, spätestens seit er das Schicksal Libyens allen Ernstes als „Modell“ für Nordkorea vorgeschlagen hat.

Zur Erinnerung: Libyens Diktator Muammar Gaddafi gab seine Atompläne unter internationalem Druck auf. Sein Regime brach 2011 unter westlichen Luftangriffen zusammen, und Gaddafi wurde von Rebellen getötet. Seitdem versinkt Libyen in Anarchie. Genau das ist der Stoff, aus dem Kims Albträume sind. Als Trump vor einer Woche Kims Abgesandten Kim Yong Chol im Oval Office empfing, musste Bolton draußen bleiben, um mit seinen Erstschlagsfantasien nicht die gute Stimmung zu verhageln.

Wie lange kann der Schmusekurs gut gehen? Was geschieht, wenn der hitzköpfige US-Präsident erkennt, dass der Diktator zwar an schönen Bildern, aber keineswegs an einseitiger Abrüstung interessiert ist? Aus den Äußerungen des Trump-Beraters Giuliani lässt sich ablesen, was das Weiße Haus von Nordkorea erwartet: Unterwerfung. Darauf kann sich Kim auf keinen Fall einlassen.

Von Pjöngjang aus betrachtet haben die Erfahrungen mit der amerikanischen Außenpolitik der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte zwei Dinge gelehrt. Erstens: Nur Atomwaffen bieten Schutz vor Regimewechsel-Kampagnen des Westens. Und zweitens: Verträge mit den USA sind wenig wert. Die erste Lektion lieferten der Irak-Krieg und die Bombenangriffe auf Libyen.

Die zweite liefert Trump höchstpersönlich. Indem er das Atomabkommen mit dem Iran torpediert, zerstört er die Glaubwürdigkeit der USA. „Die Iran-Entscheidung macht erfolgreiche Verhandlungen mit den Nordkoreanern noch unwahrscheinlicher, als sie ohnehin schon sind“, sagt Antony Blinken, Abrüstungsexperte und Vizeaußenminister unter Trumps Vorgänger Barack Obama. „Wenn die USA zeigen, dass sie sich an ihre Versprechen nicht gebunden fühlen, wird die Aufgabe seiner Atomwaffen das Letzte sein, das Kim tut.“

Die Atombombe ist eine Überlebensgarantie für das Regime in Pjöngjang. Noch nie in der Geschichte hat ein Staat eine Atommacht direkt angegriffen. Und abgesehen von Südafrika sowie einigen Nachfolgestaaten der UdSSR hat noch nie ein Land seine Kernwaffen aufgegeben.


Alle Versuche der internationalen Gemeinschaft, die Ausbreitung von Nuklearwaffen zu verhindern, richteten sich gegen Länder, die den Atommachtstatus anstrebten, aber noch nicht erreicht hatten. Das gilt etwa für den Irak unter Saddam Hussein oder für Libyen in der Gaddafi-Ära. Kim aber hat die Bombe schon.

Die Frage lautet also, wie ein Gipfelkompromiss überhaupt aussehen könnte. „Meine erste Sorge betrifft die wahren Absichten Nordkoreas“, sagt Hitoshi Tanaka, Vorsitzender des Instituts für internationale Strategie am Japan Research Institute und ein ausgewiesener Nordkorea-Experte. „Und meine zweite ist US-Präsident Donald Trump. Der heutige Ansatz der USA hinterlässt den Eindruck, dass viel zu viele Dinge ohne Vorbereitung auf der Arbeitsebene unternommen werden“, so Tanaka.

Tatsächlich ist die Vorgehensweise Trumps und Kims unüblich: Im Normalfall verhandeln die Experten über Details eines möglichen Abkommens. Zum großen Gipfel kommt es erst, wenn es entsprechende Annäherungen gegeben hat. Doch dieses Mal scheint es umgekehrt zu sein.

Letztlich kann es nur darum gehen, die „anerkannte“ Atommacht Nordkorea einzuhegen, Kim Jong Un gegen eine Aufweichung der Wirtschaftssanktionen etwa die Verpflichtung abzuhandeln, seine Interkontinentalraketen nicht zu stationieren.

„Der realistische Best Case wäre ein Verhandlungsergebnis, bei dem Nordkorea auf die weitere Anreicherung von waffenfähigem Uran verzichtet, sein Nuklearwaffenarsenal also gewissermaßen einfriert“, sagt Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz.

„Damit erhält Kim sich – als Lebensversicherung – eine gewisse Zweitschlagsfähigkeit.“ Dafür müssten die USA und Südkorea aber zu wesentlichen Zugeständnissen bereit sein. „Die USA müssten überlegen, wie weit sie sich aus der Region zurückziehen wollen, damit Nordkorea sich sicher fühlt“, so Ischinger.

Kim hat schon gewonnen

Egal, was am Ende vereinbart wird, einer hat schon jetzt gewonnen: Kim Jong Un. Alle hatten sich von ihm abgewandt – selbst der engste Verbündete China. Der große Nachbar ist für Nordkorea nicht nur politisch der wichtigste Verbündete. Nordkorea bildet für China einen willkommenen Puffer zu den US-Streitkräften im Südteil der koreanischen Halbinsel. Die Strategen in Peking wollen auf keinen Fall, dass amerikanisches Militär unmittelbar an Chinas Grenze steht.

Wirtschaftlich kann Nordkorea nur überleben, weil China seine Grenzen offen hält und zum Beispiel Lebensmittel liefert. 85 Prozent aller nordkoreanischen Importe kommen aus China, das auch den Großteil der nordkoreanischen Ausfuhren abnimmt. Wichtigstes Exportgut Nordkoreas sind Mineralstoffe, gefolgt von Textilien.

Unter Chinas Präsident Xi Jinping war das Verhältnis zu Pjöngjang zunächst deutlich abgekühlt. Xi machte 2017 im UN-Sicherheitsrat den Weg frei für die bislang härtesten Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea. Machthaber Kim war isoliert. Die Handelsbeschränkungen drohten sein Herrschaftsmodell kollabieren zu lassen.

Doch innerhalb weniger Monate hat sich die Lage radikal verändert. Seit US-Präsident Donald Trump mit Kim über ein persönliches Treffen verhandelt, ist die geopolitische Maschinerie in Gang gekommen. China will sich nicht von Trump die Agenda für den Umgang mit dem schwierigen Nachbarland vorschreiben lassen.


Und so empfing Präsident Xi Jinping Machthaber Kim mit allen Ehren in Peking. In einem mysteriösen grün-gelben Sonderzug mit spezieller Panzerung war der Diktator in die chinesische Hauptstadt gereist. Der Kurztrip lohnte sich für Kim: Nichts und niemand könne die enge Verbindung zwischen beiden Staaten erschüttern, „gleichgültig, wie die internationalen Winde wehen“, sagte Xi.

Damit erhob er Kim vom isolierten Nachbarn wieder zum geschätzten Partner. Es war die erste Auslandsreise des jungen nordkoreanischen Autokraten – und es war der internationale Befreiungsschlag für ihn. „Dadurch hat Nordkorea die Beziehungen zu seinem wichtigsten Nachbarland erleichtert“, sagt der CSU-Politiker und Co-Vorsitzende des Deutsch-Koreanischen Forums, Hartmut Koschyk.

Im Mai reiste Kim das zweite Mal nach China. Perfekt inszeniert, zeigte er sich mit Präsident Xi Jinping nicht in der Hauptstadt Peking, sondern beim Spaziergang am Strand der Küstenstadt Tianjin. Die Aufnahmen, die sowohl das chinesische als auch das nordkoreanische Staatsfernsehen verbreiteten, zeigen die Staatslenker in der Pose einer Männerfreundschaft, freundlich lächelnd ins Gespräch vertieft. So lässt sich Xi sonst fast nie ablichten, es sei denn, er trifft Russlands Präsident Wladimir Putin.


Wenig später folgte die nächste internationale Aufwertung. Russlands Außenminister Sergei Lawrow reiste nach Pjöngjang – mit einer Einladung nach Moskau. Auch Putin möchte sich mit Kim treffen. Aus dem einst isolierten Diktator ist ein gefragter Verhandlungspartner geworden.

Dabei hat Kim seinen Kurs kein Stück verändert. Lediglich mit kleinen Gesten versuchte er, sein Land der Weltgemeinschaft als kompromissbereit darzustellen. So ließ er etwa den Stopp von Atomtests sowie den Abbau des Testgeländes von Pyunggye-ri bekanntgeben. Den Stopp der Tests verkaufte Pjöngjang als Bestätigung dafür, das landeseigene Atomprogramm ausreichend entwickelt zu haben. Die Botschaft an die Welt und ans eigene Volk: Wir sind jetzt eine vollwertige Atommacht. Weitere Tests brauchen wir nicht mehr.

Kim reist also mit großem Selbstbewusstsein am Dienstag nach Singapur. Trump hingegen hat sich selbst in eine ungünstige Lage manövriert, indem er das Treffen erst zu-, dann absagte, um zuletzt wieder zuzusagen. Dazu der offensichtliche Widerspruch zwischen dem Präsidenten und seinem Sicherheitsberater Bolton. Mehr Chaos geht kaum.

Ohnehin habe Trump mit dem Ausstieg aus dem Iran-Abkommen die „Glaubwürdigkeit der USA als Verhandlungspartner beschädigt“, kritisiert Wolfgang Nowak; der ehemaliger Planungschef im Kanzleramt unter Gerhard Schröder reist seit 2012 regelmäßig nach Nordkorea. „Die Nordkoreaner sind exzellente Taktiker. Sie werden sich niemals auf eine Abrüstung ohne Sicherheitsgarantien und einen Abbau der Sanktionen einlassen“, sagt Nowak.


Trump ist mit dem Nordkorea-Gipfel ein riskanter Coup gelungen. Zum ersten Mal trifft sich ein US-Präsident mit dem Diktator in Pjöngjang auf Augenhöhe. Bislang hatten die USA das stets abgelehnt und versucht, im Rahmen der sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche zusammen mit Russland, China, Japan und Südkorea eine Lösung des Atomkonflikts zu finden. China hatte erstmals 2003 zu dieser Sechserrunde eingeladen. Zwei Jahre später gab Pjöngjang zu, ein geheimes Nuklearwaffenprogramm zu unterhalten, und brach die Verhandlungen ab. Ein zweiter Anlauf in gleicher Runde scheiterte 2007 ebenfalls an Nordkorea.

Echte Männerfreundschaft?

Für das Treffen in Singapur ist bislang ebenfalls kein Kompromiss in Sicht. Trump schraubte seine Ansprüche zuletzt herunter und betonte, das Treffen könne der Auftakt für weitere Verhandlungen sein. „Wir werden eine Beziehung aufbauen, das ist der Beginn“, sagte der Präsident. Seine Beraterin Kellyanne Conway ergänzte: „Vielleicht gibt es zwei, drei, vier, fünf Treffen. Es könnte mehr als einen Gipfel geben, mehr als ein Gespräch.“

Offenbar spielt das Weiße Haus die Idee durch, Kim im Herbst in Trumps Golfresort in Mar-a-Lago zu empfangen, sollte man sich in Singapur gut verstehen.

Dann könnte sich womöglich abzeichnen, was der Nordkorea-Experte Rüdiger Frank als „Albtraum für Washington“ einschätzt: eine mögliche Männerfreundschaft zwischen Trump und Kim. Frank: „Stellen Sie sich die beiden vor, wie sie mit einem Glas Whiskey in der Hand und einer Zigarre im Mundwinkel gepflegte Herrenwitze austauschen“.

Für Trump, den Showmaster, steht ohnehin die Optik im Vordergrund, nicht die Substanz, das Kleingedruckte hat ihn noch nie interessiert. „Wenn die Medien den Gipfel als historischen Moment einordnen und das über seinen Lieblingssender Fox News weitertransportiert wird, hat Trump gewonnen“, urteilt der Historiker Niall Ferguson. Wenig kümmern dürfte es Trump hingegen, wie sich ein möglicher Deal mit Kim auf die Sicherheitsarchitektur Asiens auswirkt, etwa auf das in Reichweite nordkoreanischer Raketen liegende Japan. Schließlich lässt das auch die meisten Wähler in Michigan und Wisconsin kalt.

Mitarbeit: Annett Meiritz, Donata Riedel und Stephan Scheuer