Shitstorm gegen rechte Facebook-Gruppen

Dass vielen Usern vor der Bundestagswahl rechte Gruppen angezeigt werden, löst nicht gerade Begeisterung aus. (Bild: ddp)

Wer auf Facebook nach neuen Gruppen sucht, bekommt in der Kategorie „Nachrichten und Politik“ erstaunlich oft „Die Patrioten“, „Freunde und Verbündete der AfD“ oder Thilo Sarrazin vorgeschlagen. Mit einem unmissverständlichen Hashtag zeigen Facebook-User, was sie davon halten.

Wer bei Facebook dieser Tage nach neuen Gruppen sucht, wird in den Empfehlungen unangenehm überrascht. In der Kategorie “Nachrichten und Politik” finden sich nicht etwa neutrale Diskussionsgruppen zur Bundestagswahl – es werden hauptsächlich rechte Gruppen wie „Die Patrioten“, „Besorgte Deutsche“ & Co. vorgeschlagen.

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Darauf aufmerksam wurde die Satire-Seite „Der Postillon“, der unter anderem die Gruppen „No Islam“ und „Nationalstolz ist kein Rassismus“ empfohlen worden war.


Dass es sich dabei nicht um einen Einzelfall handelt wurde schnell klar, als andere Nutzer ähnliche Empfehlungen unter dem Hashtag #fickdichfacebook teilten:


Eigentlich unerklärlich, wenn man sich im Hilfebereich von Facebook einmal anschaut, nach welchen Kriterien der Facebook-Algorithmus die vorgeschlagenen Gruppen offiziell auswählt: Erstens nach Seiten, die man mit „Gefällt mir“ markiert hat. Zweitens nach öffentlichen und geschlossenen Gruppen, in denen man Mitglied ist. Drittens nach öffentlichen und geschlossenen Gruppen, in denen die Freunde bei Facebook Mitglieder sind. Und viertens öffentliche oder geschlossene Gruppen, die sich in der Nähe befinden.

Wie kommt es dazu, dass so vielen Usern die gleichen Gruppen angezeigt werden?

Dass das nicht stimmen kann, hat unter anderem ein User belegt, der einen Test-Account ohne Freunde, Gruppen oder „Gefällt mir“-Angaben anlegte – nur, um anschließend dieselben rechten Gruppen angezeigt zu bekommen. Bleibt noch eine andere Möglichkeit: Dass der Algorithmus die Gruppen vorschlägt, weil in ihnen besonders viel interagiert wird und sie deshalb als besonders interessant bewertet werden.

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Klingt logisch, wenn man sich anschaut, welche Klientel auf manchen Nachrichtenseiten zu jeder Tages- und Nachtzeit die Kommentarspalten beherrscht. Eine offizielle Erklärung von Facebook gibt es bislang nicht.

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