Shell, Novo Nordisk, Münchener Rück: „Aktienrückkäufe sind Ausdruck von Ideenlosigkeit“

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Unternehmen wie Shell (WKN: A0ER6S), Novo Nordisk (WKN: A1XA8R) oder auch die Münchener Rück (WKN: 843002) setzen auf Aktienrückkäufe. Teilweise handelt es sich hierbei um historische Rückkäufer, deren Programme einen nicht unerheblichen Anteil an den Kapitalrückführungen besitzen. Aber auch in den USA lebt eine regelrechte Kultur von Rückkäufen.

Ein Beitrag in einem schweizerischen Magazin spricht jetzt jedoch davon, dass Aktienrückkäufe Ausdruck von Ideenlosigkeit seien. Eine kühne, sehr allgemein gefasste These. Blicken wir auf die Argumentation, ehe wir sie ein wenig differenzierter auseinandernehmen.

Aktienrückkäufe: Ausdruck von Ideenlosigkeit?

Die Argumentation des besagten Artikels in der Basler Zeitung hat einige zunächst plausibel klingende Ansätze. So sei für den Schreiberling das Rückkaufen eigener Aktien vom Grundsatz her ein Widerspruch. An der Börse seien Unternehmen, weil sie Kapital benötigten. Nicht, um es im Umkehrschluss wieder an die Aktionäre zurückzugeben. Deshalb seien Aktienrückkäufe prinzipiell ein unsinniges Instrument.

Allerdings seien Aktienrückkäufe auch aus anderen Gründen widersinnig. So sei eine Dividende beispielsweise eine Motivation für das Management, die derzeitige operative Stärke zu erhalten. Mithilfe der Ausschüttungen, Beständigkeit oder eines moderaten Wachstums gebe es Anreize, das vorherige Niveau zu erreichen. Bei den Rückkäufen wiederum könne man je nach Kassenlage einfach Kapital zurückführen. Wobei ich hier direkt eingreifen muss: Das gilt eigentlich sowohl für Dividenden als auch für Aktienrückkäufe, bloß die Wahrnehmung der Rückführungen ist etwas anders.

Absurd sei außerdem, dass für Aktienrückkäufe in den USA sogar Schulden aufgenommen würden. Das mache lediglich Sinn, weil die Rendite mit dem Kauf eigener Aktien größer sei als der derzeitige Zins. Trotzdem sei es ideenlos. Auch im Hinblick auf anderweitige Möglichkeiten, das Geld in das operative Geschäft zu investieren.

Großzügige Aktienrückkäufe könnten daher teilweise auch nicht übertünchen, wenn es im Kerngeschäft nicht läuft. Es handele sich außerdem um Einfallslosigkeit, wie das Beispiel Novartis zeige, wo es offenbar keine neuen Medikamente oder Zukäufe zu tätigen gebe. Namhafte Konzerne würden auf dieses Instrument daher häufig verzichten.

Allgemeingültig zu sprechen ist an dieser Stelle ideenlos

Man darf seine Meinung zu Kapitalrückführungen natürlich haben und vertreten. Aktienrückkäufe per se als Ausdruck von Ideenlosigkeit zu bezeichnen, das bezeichne ich als ideenlosen Journalismus. Oder zumindest keinen, der auch nur ansatzweise kritisch verschiedene Szenarien aufgreift.

Im Kern bin ich gar nicht so weit von der Position des Autors weg. Wenn ich beispielsweise sehe, dass ein Unternehmen wie Shell lieber Aktien zurückkauft, als in ein neues Geschäftsmodell zu investieren. Oder wenn Geld in teure Aktien investiert wird, einfach um das Momentum anzutreiben. Zudem sind Zukäufe oder andere Investitionen in Wachstum immer zu priorisieren. Aber: Nicht nur gegenüber dieser Form der Kapitalrückführung. Nein, sondern auch im Vergleich zur Dividende.

Wenn ich jedoch ein Unternehmen sehe, das operativ investiert, in einem reifen Markt jedoch kaum starke Möglichkeiten vorhanden sind, das eigene Geschäft jedoch eine Cash-Cow ist: Warum nicht in eine günstige Aktie via Aktienrückkäufe investieren, um Mehrwerte für die Investoren zu generieren, indem man die Aktienbasis verringert? In diesem Fall schafft das mit dem Zinseszinseffekt deutlich bessere Möglichkeiten als das kurzlebige Auszahlen einer Dividende.

Aktienrückkäufe können daher einen guten Zweck erfüllen. Zumal wir eine gewisse zeitliche Komponente zwischen der Notwendigkeit, beim Börsengang Geld einzusammeln, und den Rückkäufen teilweise Jahre oder Jahrzehnte später auch berücksichtigen sollten. Übrigens: Auch ein Starinvestor wie Warren Buffett setzt bei guten Unternehmen wie Apple auf den Effekt dieser Form der Kapitalmaßnahmen und hat in seinem letzten Brief an die Aktionäre hierauf aufmerksam gemacht. Alle Aktienrückkäufe über einen Kamm zu scheren, das wird der Sache daher gewiss nicht gerecht. Wobei ich beipflichte: Es gibt schlechte unternehmensorientierte Beispiele. Aber gewiss nicht nur.

Der Artikel Shell, Novo Nordisk, Münchener Rück: „Aktienrückkäufe sind Ausdruck von Ideenlosigkeit“ ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Vincent besitzt Aktien der Münchener Rück, von Novo Nordisk und Royal Dutch Shell.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und empfiehlt Novo Nordisk, sowie die folgenden Optionen: Short March 2023 $130 Call auf Apple und Long March 2023 $120 Call auf Apple.

Motley Fool Deutschland 2021

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