Sharon Corr: The Corrs trennen sich "nie, denn wir sind Familie"

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Sharon Corr beschreibt ihr neues Album "The Fool & the Scorpion" als "Spiegelbild der Welt" zum Zeitpunkt seines Entstehens. (Bild: Gonzalo_PradoLR)
Sharon Corr beschreibt ihr neues Album "The Fool & the Scorpion" als "Spiegelbild der Welt" zum Zeitpunkt seines Entstehens. (Bild: Gonzalo_PradoLR)

Nach acht Jahren Wartezeit gibt es Grund zur Freude für die Fans von Sharon Corr (51). Mit "The Fool & the Scorpion" erscheint am 24. September das dritte Soloalbum der irischen Musikerin. Einen Tag vor dessen Veröffentlichung steht sie außerdem zum ersten Mal seit Langem wieder auf einer deutschen Bühne. Sie präsentiert neue und alte Songs im Berliner Columbiatheater: Für die 51-Jährige, die mittlerweile im spanischen Madrid lebt, nach langer Corona-bedingter Bühnenabstinenz "ein neuartiger Traum, der sich erfüllt".

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt Corr die Bedeutung des Titels "The Fool & the Scorpion". Außerdem verrät sie, warum sie vor elf Jahren als junge Mutter unter schlimmen Ängsten litt. Und Corr beantwortet die wohl brennendste Frage, die sich eingefleischte Fans derzeit stellen: Kommt bald auch neue Musik der Geschwisterband The Corrs ("Breathless")?

Ihre letzte Solo-LP "The Same Sun" kam vor acht Jahren auf den Markt. Warum liegt so viel Zeit zwischen diesem Werk und "The Fool & the Scorpion"?

Sharon Corr: Nun, es benötigt viel Zeit, ein Album zu schreiben - insbesondere dann, wenn man der einzige Songschreiber ist. Nach "The Same Sun" war ich erst einmal zwei Jahre auf Tournee und fing erst danach an, diese neue Platte zu schreiben. Den ersten Song schrieb ich 2015, der letzte entstand 2019. Es gibt außerdem eine Fülle an weiterem Material, aber man muss schauen, was für das Album funktioniert. Und dann kam natürlich die Pandemie dazwischen. Ohne sie hätte ich "The Fool & the Scorpion" bereits 2019 veröffentlicht.

Warum entschieden Sie sich genau jetzt dazu, das Album zu veröffentlichen und wieder auf die Bühne zu gehen?

Corr: Ich glaube an Wunschdenken und positive Energie. Musik strahlt diese positive Energie auf jeden aus und sie nährt die Seele. Es ist schön für die Menschen, wenn sie zu einem Konzert gehen und diesen Gemeinschaftsgeist spüren können - und diese Verbundenheit zwischen Künstler und Publikum. Es hilft dabei, sich verstanden zu fühlen. Ich schmiede also Pläne, obwohl mir bewusst ist, dass sie vielleicht geändert werden müssen. Wir ergreifen aber alle Sicherheitsmaßnahmen, die möglich sind. Ich bin zweimal geimpft und wir müssen einfach sehr vorsichtig hinsichtlich der Art und Weise sein, wie wir es angehen - und das sind wir.

Zu Ihren ersten Auftritten seit langer Zeit gehört auch eine Show am 23. September in Berlin. Wie aufgeregt sind Sie?

Corr: Ich kann es kaum erwarten. Es liegen zwei Jahre hinter mir, in denen ich keine Konzerte gespielt habe. Es ist wie ein neuartiger Traum, der sich erfüllt. Ich habe mit The Corrs und als Solokünstlerin viele Male in Berlin gespielt, aber dieses neue Album zu präsentieren, ebenso wie meine älteren Songs, löst viel Enthusiasmus bei mir aus.

"The Fool & the Scorpion" ist nicht allein der Titel Ihres dritten Soloalbums, sondern auch der ersten Single daraus. Welche Bedeutung steckt dahinter?

Corr: Ich persönlich mag es am meisten, wenn man sich selbst in einem Songtext verliert - ohne zu wissen, was der Künstler damit meint. So kann ich selbst die Heldin oder das Opfer oder das Objekt der Begierde sein. Ich bin hoffnungslos Jane Austen verfallen. Ich mag ihre Romantik, aber auch ihre Worte als solches - die Art, wie sie Sprache benutzt. Jedes Mal, wenn ich "Stolz und Vorurteil" lese, kann ich Elizabeth Bennet sein. Um was es in "The Fool & the Scorpion" geht, möchte ich nicht genau ausführen, weil es nicht so schnell abgetan ist.

Aber?

Corr: Aber ich hatte damals einige stürmische Jahre in meinem Leben hinter mir, in denen ich sehr ernste Veränderungen durchmachte. Es gab Zeiten, in denen es wirklich nicht leicht war, weil ich mich selbst unter die Lupe nehmen musste: Wer bin ich? Was will ich? Was ist meine Wahrheit und wird sie von anderen verstanden? Ich begann in einem Flugzeug, das aufgrund eines Sturms nicht abheben konnte und das mich nach Genf bringen sollte, den Song zu schreiben. Am Tag davor war etwas passiert, das mich tiefgreifend verletzt hatte. Mein Herz war zerrissen und es war ein sehr, sehr schmerzhaftes Erlebnis. Es geht dabei nicht mal immer um einen Typen oder einen bestimmten Moment, sondern um eine Gesamtsituation, die sich entwickelt hatte und sehr schmerzhaft wurde. Ich befand mich wahrlich im Schock, denn ich hatte bereits viel durchgemacht.

Wie würden Sie dann die Quintessenz des Songs beschreiben?

Corr: Es geht um weibliche Stärke und darum, sie sich von Menschen zurückzuholen, die einem nicht unbedingt guttun oder die sogar toxisch sein können. Es geht um Schmerz und Wut, wobei der Song sehr feminin ist. Wir Frauen werden oft als Engel dargestellt, aber das sind wir nicht. Man sollte zu guten Menschen gut sein, sich aber zugleich von toxischen Menschen verabschieden. Den Song zu schreiben, war kathartisch.

Auch ein Titel mit dem Namen "Freefall" findet sich auf Ihrer LP. Hatten Sie in der gerade beschriebenen Situation das Gefühl, sich im freien Fall zu befinden?

Corr: Der Song beschreibt nicht genau diese Situation, aber dasselbe Gefühl. Er entstand rund drei Jahre vor "The Fool & the Scorpion" und beschreibt den Moment, in dem man realisiert, dass das Leben, wie man es kennt, auseinanderfällt. Man fühlt sich wie aus Glas, fällt und zerschmettert am Boden. Man wird seine einzelnen Teile nie wieder genauso zusammensetzen können. Zugleich hat das Lied einen fröhlichen Unterton - ähnlich der Songs von The Corrs.

Auf Ihrem ersten Soloalbum thematisierten Sie vor elf Jahren Ihren Kampf mit Angstzuständen nach der Geburt Ihrer Kinder. Geht es auf dem neuen Longplayer erneut um solche Gefühle?

Corr: Nein. (Damals) hatte ich gerade meine Kinder zur Welt gebracht und war seit vier Jahren zu Hause... Dann schrieb ich wieder Songs und stand auf der Bühne, gleich nachdem ich meine Kinder zu Bett gebracht hatte. (...) Ich hatte aber nicht genug Kapazitäten, um beides sehr gut zu machen, und das ließ mich ängstlich werden. Ich glaube aber, dass das nur natürlich war für eine junge Mutter, die gerade wieder in ihren Beruf zurückkehrt - noch dazu allein, ohne The Corrs. Ich kenne außerdem niemanden, der noch nie mit Angst zu kämpfen hatte.

Leiden Sie denn noch heute unter Gefühlen der Angst?

Corr: Nein - und das ist großartig, denn das Leben ist schön und sollte genossen werden.

Viele Menschen ließ die Corona-Pandemie ängstlich werden. Hat sie "The Fool & the Scorpion" beeinflusst?

Corr: Nein. Das Album war fertig, bevor die Pandemie begann. Es ist aber dennoch eine Art Spiegelbild der Welt zu dem Zeitpunkt, in dem es entstand. Unsere Welt hat nicht nur aufgrund der Pandemie stürmische Zeiten erlebt, sondern bereits davor durch vulkanartige politische Veränderungen. Was momentan rund um den Globus passiert, ist Wahnsinn. Ich bin allerdings eine sehr positive Person und denke stets, es muss erstmal schlechter werden, bevor es besser wird. Also wird es besser.

Mit ihren Geschwistern haben Sie als The Corrs zuletzt 2017 ein Album herausgebracht. Gibt es Pläne für neue Musik?

Corr: Momentan nicht, aber wir trennen uns nie, denn wir sind Familie. Wir lieben das, was wir zusammen tun und es ist magisch und besonders. Ich hoffe, dass wir kommendes Jahr wieder etwas zusammen kreieren.

Gemeine Frage: Wenn Sie zwischen der Arbeit mit The Corrs und Soloprojekten wählen müssten, wie sähe Ihre Entscheidung aus?

Corr: Das ist in der Tat eine gemeine Frage! Mein Gott! The Corrs oder meine Soloarbeit? Momentan ist mir (letztere) sehr wichtig und das wird sie bis zum Ende meines Lebens bleiben. Ich identifiziere mich mehr mit meiner Arbeit als Solokünstlerin, denn sie ist ein kompletter Ausdruck meiner selbst. Als The Corrs setzen wir vier Teile zusammen und keiner von uns drückt sich zu 100 Prozent selbst aus. (...) Gleichzeitig sind meine Geschwister ein Teil von mir, weshalb es fast so ist, als müsste ich zwischen meinen Kindern wählen. Ich kann diese Entscheidung nicht treffen.

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