Sexuelle Belästigung beim WDR: Vorwürfe sollen seit Jahren bekannt gewesen sein

Der öffentlich-rechtliche Sender zog erste Konsequenzen aus dem Machtmissbrauch eines langjährigen Mitarbeiters. (Bild: Getty Images)

Wegen sexueller Belästigung von Kolleginnen wurde ein TV-Korrespondent des Westdeutschen Rundfunk am Wochenende beurlaubt. Der Sender soll jedoch bereits seit Jahren von Übergriffen gewusst haben.

Ein Fernsehjournalist des WDR soll mehrere junge Kolleginnen sexuell bedrängt und belästigt haben. Nachdem in der vergangenen Woche neue Vorwürfe gegen den Korrespondenten laut wurden, wurde er am Wochenende mit sofortiger Wirkung von WDR-Intendant Tom Buhrow beurlaubt. Wie „Bild“ berichtet, sollen jedoch schon vor 27 Jahren Beschwerden über den Mitarbeiter beim Sender eingegangen sein.

Gemeinsamen Nachforschungen des Magazins „Stern“ und des Recherchezentrums „Correctiv“ zufolge soll der Korrespondent während einer Dienstreise 2012 eine Praktikantin in sein Hotelzimmer eingeladen und ihr Pornofilme auf seinem Laptop gezeigt haben. Einer anderen Mitarbeiterin soll er via Mail mehrmals sexuelle Avancen gemacht haben. Die Vorwürfe wurden nach einer Aufarbeitung vom WDR 2017 in seiner Personalakte vermerkt, blieben jedoch ohne berufliche Konsequenzen.

WDR-Intendant Tom Buhrow stellte den TV-Journalisten am Wochenende mit sofortiger Wirkung frei. (Bild: Intertopics/ddp Images)

Wie „Bild“ nun berichtet, sollen jedoch bereits 1991 erste Beschwerden über den Journalisten bei dem Sender eingegangen sein. So habe sich damals eine junge Kollegin während einer Dienstreise ein Zimmer mit ihm teilen müssen, angeblich weil kein weiteres frei war und der Sender sparen musste. Nachdem der Fall bekannt wurde, sollen sich zwei weitere Mitarbeiterinnen mit ähnlichen Vorwürfen gemeldet haben. Auch damals habe es lediglich einen Eintrag in die Personalakte gegeben. Laut „Bild“ überprüfe der WDR nun, ob diese Eintragung in die Personalakte auf Intervention des Korrespondenten nach einigen Jahren wieder entfernt werden musste.

Der Auslandskorrespondent, der trotz der Anschuldigungen weiter für den WDR tätig war, wurde in der vergangenen Woche freigestellt, nachdem eine weitere Mitarbeiterin Vorwürfe erhob: Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ berichtet sie, dass er während einer gemeinsamen Dienstreise am liebsten über Sex gesprochen und ihr eine SMS mit der Nummer seines Hotelzimmers geschickt habe. Der Journalist soll die damalige Praktikantin auch zu sich nach Hause eingeladen haben. Angeblich ging sie, nachdem er angefangen hatte, ihre Schulter zu streicheln.

WDR-Personalratschefin Christiane Seitz trat angesichts der Handhabung der Vorwürfe aus Protest aus dem WDR-Interventionsausschuss gegen sexuelle Belästigung zurück. Wie der „Stern“ berichtet, habe Seitz in einer Mitarbeitermail geschrieben, der Personalrat habe „immer wieder vergeblich gefordert, im absolut hierarchisch geprägten WDR eine wirklich umfassende, strukturelle Kontrolle und Ahndung von Machtmissbrauch und Herabwürdigung gegenüber Schwächeren und Abhängigen zu gewährleisten“. Die vorgeschlagenen Maßnahmen seien jedoch immer abgelehnt oder aufgeschoben worden.